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Kultur
12/19/2021

Disneys Animationsfilm "Encanto": Eine "zauberhafte" Familie

Mit dem Musical will Disney u. a. auf Kritik an konservativen Rollenbildern reagieren – mit einer Protagonistin, die ihre (Sing-)Stimme erhebt.

von Gabriele Flossmann

Mit dem von Disney+ produzierten Fantasy-Musical „Encanto“ – das nun in den Kinos zu sehen ist und ab 24. Dezember auf der Streamingplattform Disney+ verfügbar ist – will Disney eine neue Ära des Animationsfilms einläuten. Oder besser: einsingen. Denn es wird tatsächlich viel gesungen in dieser Geschichte einer im Sinne des Wortes „zauberhaften“ Familie, die versteckt in die Bergen der Kolumbiens lebt. In einem magischen Haus, inmitten der pulsierenden Stadt Encanto. Der Familienname „Madrigal“ erinnert nicht von ungefähr an die tradierte Bezeichnung einer jahrhundertealten Form von Kunstlied. Der Film beginnt höchst rasant mit einem Familienchor. Mit dem schnellsten gesungenen Zungenbrecher, an den sich Disney-Figuren je gewagt haben.

Mit „Encanto“ will Disney vor allem eine neue Richtung im Expansionskurs anzeigen. Im Herbst hat das Unternehmen gleich mehrere lateinamerikanische Länder auf die Liste seiner heftig umworbenen Märkte aufgenommen. Womit Disney unter anderem das drohende Ablaufdatum des Urheberrechts für die „Micky Maus“ abfedern wollte. Denn schon ab dem Jahr 2024 dürfen auch die großen chinesischen Comic-Produktionen „Micky Maus“ dessen Spießgesellen für sich vermarkten.

Boykott

Das Ende von China als Cashcow der Hollywood-Industrie ist daher abzusehen. Dazu kommt, dass schon im Vorjahr eine Disney-Produktion ins Schleudern kam. Weltweit wurde zum Boykott gegen das chinesisch-amerikanische Fantasy-Abenteuer „Mulan“ aufgerufen, weil der auf einer chinesischen Volksballade basierende Film in einer Region Chinas gedreht wurde, in der Minderheiten – wie etwa die Uiguren – vom Regime verfolgt werden. Der Schritt in Richtung Lateinamerika könnte für Disney und Disney+ zusätzliche Zuschauer und Abonnenten in Millionenhöhe bringen und der nach den chinesischen Misstönen gefallenen Aktie einen neuen Schub geben.

Kein Warten auf den Prinzen

Das neue Animation-Musical „Encanto“ ist auf die neue Zielgruppe zugeschnitten und Disney hat damit einmal mehr auf lauter werdende Kritikerstimmen reagiert. Auf die Kritik an der zu konservativen Mann-Frau-Rollenverteilung und die verzerrte Darstellung von Diversität und Interkulturalität. Statt mit Tieren im Wald zu singen und auf einen Prinzen zu warten, sollen die weiblichen Figuren resolut ihre (Sing-)Stimmen für die eigenen Rechte erheben.

Dafür hat Disney Lin-Manuel Miranda an Bord geholt. Jenen Mann, der seit dem durchschlagenden Erfolg seines politischen Rap-Musicals „Hamilton“ nicht nur am Broadway als Superstar gilt.

In „Encanto“ lässt er die Familie Madrigal zu seinen ebenso rhythmischen wie melodiösen Kompositionen singen und tanzen. Jeder und jede von ihnen verfügt über eine ganz besondere Zauberkraft. Bis auf die junge Mirabel, die aufgrund ihrer „Normalität“ als Außenseiterin gesehen wird. So lange, bis sie zeigen kann, dass auch die Bewältigung eines ganz „normalen“ Alltags Superkräfte erfordert. Vor allem von einer Frau.

Musikalischer Ausflug

Im Interview bezeichnet Miranda, der schon für den Animationsfilm „Vaiana“ mit Disney zusammengearbeitet hat, den musikalischen Ausflug nach Lateinamerika als neue Erfahrung für ihn. Das Einzigartige an diesem Film sei, dass das „Miteinander mehrerer Generationen ein wichtiger Teil der Geschichte“ sei. In der Auseinandersetzung mit der Musik und Kultur Kolumbiens sah Miranda eine ganz persönliche Bereicherung. „In der Schule, in die ich ging, war ich einer der ganz wenigen Latinos. Es gab in meiner Klasse nur einen Buben aus Puerto Rico. Die Musik für diesen Film zu komponieren war für mich eine schöne Gelegenheit, mich mit dem kulturellen Erbe meiner Eltern auseinanderzusetzen.“

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