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Kino
01/07/2019

Die Golden Globes und was sie für den Oscar bedeuten

"Bohemian Rhapsody" setzt sich gegen "A Star Is Born" durch, Neftlix kämpft um Anerkennung in der Mainstream-Filmindustrie.

von Alexandra Seibel

Die Golden-Globe-Verleihung ist traditionell für Überraschungen gut. Zwar bestehen die  Wahlberechtigten der Hollywood Foreign Press Association (HFPA) nur aus rund 90 Mitgliedern. Trotzdem gilt deren Globe-Auswahl oft als schwerer einschätzbar als die der  8200 Oscar-Wähler.

So gab es auch diesmal mindestens zwei sehr verblüffende Entscheidungen: „Bohemian Rhapsody“, das Bio-Pic über Queen-Sänger Freddie Mercury, gewann den Top-Globe als bestes Filmdrama und schlug damit den Favoriten Bradley Cooper und sein „A Star Is Born“ aus dem Feld. Rami Malek erhielt zudem für sein furioses Spiel als Freddie Mercury den Globe als bester Drama-Schauspieler – ebenfalls ein Gewinn, den sich Bradley Cooper für sich selbst erhofft hatte. Von den fünf Nominierung von „A Star Is Born“ blieb nur eine Trophäe für Lady Gaga und deren Song „Shallow“ übrig.

Ebenfalls einen Überraschungssieg feierte „Green Book“ in der Kategorie Komödie/Musical: Viggo Mortensen spielt den weißen Chauffeur des  schwarzen Konzert-Pianisten Don Shirley in den 60er Jahren –  und Mahershala Ali erhielt für diese Rolle einen Golden Globe als bester Nebendarsteller.

Sowohl „Bohemian Rhapsody“, als auch „Green Book“ hatten im Vorfeld einiges an Kritik eingefahren.  „Bohemian Rhapsody“-Regisseur Bryan Singer stand unter dem Verdacht sexueller Übergriffigkeit und wurde noch vor Ende der Dreharbeiten gefeuert. Bezeichnenderweise bedankte sich Rami Malek in seiner Rede bei ziemlich jedem, außer bei Singer. Ebenfalls in der Kritik stand die biedere Behandlung  des Themas Sexualität in „Bohemian Rhapsody“.

Rassismus-Vorwurf

Dem ebenfalls mehrfach ausgezeichneten Film „Green Book“ – die vielleicht größte Überraschung des Abends –  blieb wiederum der Vorwurf des Rassismus nicht erspart. Auch die Familie  von Don Shirley, auf dessen Erlebnissen die Geschichte beruht, bezeichnete den Film als eine „Symphonie an Lügen“.

Das hat die HFPA offenbar nicht beeindruckt: Sie beschenkte Peter Farrellys „Green Book“ mit gleich drei Preisen.

Nun ist es eine oft wiederholte Weisheit, dass die Ergebnisse der Golden-Globe-Verleihung nicht automatisch als Barometer für die Oscar-Preisverleihung herhalten. Doch gerade einem Werk wie   „Bohemian Rhapsody“, das  auf der Kritiker-Skala in seinen Bewertungen relativ mau dastand, kann ein Golden-Globe-Boost sicher nicht schaden.

Netflix-Kampf

Eine offene Frage bleibt auch, wie die Oscar-Academy mit dem Netflix-Bestseller „Roma“ des mexikanischen Regisseurs Alfonso Cuarón umgehen wird. Bei den Golden Globes, wo der größte Preis – für bestes Drama – kurioserweise nicht an einen nicht-englischsprachigen Filme verliehen werden kann, bekam „Roma“ den Preis für beste Regie und für besten nicht-englischsprachigen Film.

Netflix legt sich mit einer groß angelegten Werbekampagne unglaublich ins Zeug, um „Roma“ bei den Preisverleihungen zu pushen. Branchen-Beobachtern zufolge ist die Mainstream-Filmindustrie trotzdem wenig bereit, dem Online-Giganten Boden zu überlassen.   Was das bei der Oscar-Verleihung für „Roma“  – jenseits der Kategorie „Bester fremdsprachiger  Film“ – bedeutet, wird sich am 25. Februar zeigen.