Kultur
28.02.2013

Diagonale: Debüts und ein Rückblick

Eröffnung mit Ulrich Seidls "Paradies: Hoffnung" - Specials zu Josef Dabernig, Michaela Grill, Dominik Graf und Paul Czinner.

 Das österreichische Filmfestival Diagonale ist heuer von einem "ungewöhnlichen Jahresrückblick und interessanten Spielfilmdebüts" geprägt, erklärte Intendantin Barbara Pichler bei der detaillierten Programmpräsentation am Donnerstagnachmittag in Graz. Neben der
 Österreichpremiere von Ulrich Seidls "Paradies: Hoffnung" zur Eröffnung am 12. März gibt es wieder mehrere Spezialprogramme,
 außerdem wird natürlich Michael Hanekes Oscar-Film "Liebe" gezeigt. 

Im Rahmen der Diagonale wird nicht nur die gesamte Paradies-Trilogie von Ulrich Seidl an einem Tag hintereinander zu sehen sein, auch die neuen Arbeiten von Florian Flicker ("Grenzgänger") und Barbara Albert ("Die Lebenden") stehen im Rückblick auf ein "eher ungewöhnliches Spielfilmjahr", so Pichler, auf dem Programm.

Die Filme der diesjährigen Diagonale

Die Filme der Diagonale 2013

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"Die Wand" von Julian Roman Pölsler. Eine Frau schreibt in einer Jagdhütte auf den Bergen ihre Geschichte auf, um der Einsamkeit zu entkommen. Dort gelandet ist sie vor zwei Jahren für einen Wochenendausflug mit einem befreundeten Paar. Als die beiden nach einem Ausflug nicht zurückkehren macht sie sich auf die Suche nach ihnen. Mitten in der Natur stößt die Frau auf eine unsichtbare Wand, eine Grenze die sie vom Rest der Welt trennt. So abgeschnitten wird sie mit den Kernfragen des Lebens konfrontiert.

"Die Lebenden" von Barbara Albert. Sita ist gebürtige Österreicherin und lebt in Berlin, ein junges Mädchen Mitte 20. Am 95. Geburtstag ihres Großvaters findet sie zufällig heraus, dass dieser während des zweiten Weltkriegs bei der Waffen-SS diente. Sitas Welt wird dadurch völlig auf den Kopf gestellt und sie beginnt zu recherchieren. Eine Reise in die Vergangenheit ihrer Familie bei der der viele Fragen aufkommen.

Der letzte Teil der Paradies-Trilogie: "Paradies: Hoffnung"  Die 13-jährige Melanie, Tochter Teresas, verbringt ihre Ferien in einem streng geführten Diätcamp, während  ihre Mutter nach Kenia fährt.  Zwischen Sporterziehung und Ernährungsberatung, verliebt sie sich in einen um 40 Jahre älteren Arzt, dem Leiter des Camps. Der Doktor kämpft gegen die Schuld dieser Liebe an, wissend um ihre Unmöglichkeit. Doch Melanie hat sich ihr Paradies anders vorgestellt.  

Ulrich Seidl ist mit allen drei Filmen am Start: "Paradies: Glaube". Die alleinstehende Katholikin Anna Maria hat ihr Paradies bei Jesus. Ihren Urlaub verbringt sie damit, mit einer 40 cm großen Wandermuttergottes-Statue von Haus zu Haus zu gehen, um Österreich wieder katholisch zu machen. Als eines Tages ihr Ehemann, ein an den Rollstuhl gefesselter Moslem, nach Jahren der Abwesenheit zurückkommt, beginnt ein Kleinkrieg um Ehe und Religion.  

APA/STADTKINOAPA7889706-2 - 16052012 - WIEN - ÖSTERREICH: ZU APA-TEXT KI - Szene aus dem Film "Paradies: Liebe" des österreichischen Filmemachers Ulrich Seidl. Im Wettbewerb des 65. Internationalen Filmfestivals in Cannes (16. bis 27. Mai 2012) konkurr

"Museum Hours" von Jem Cohen Als sich ein Wiener Museumswärter mit einer rätselhaften Besucherin anfreundet, wird das Kunsthistorische Museum zu einer mysteriösen Wegkreuzung, an der eine Entdeckungsreise beginnt – in ihrer beiden Leben, die Stadt sowie die Art und Weise, wie Kunstwerke die Welt widerspiegeln – und letztlich auch formen.  

"Local Heroes" von Henning Backhaus. Thomas ist Ende Zwanzig, hat sein Idol Kurt Cobain längst überlebt. Völlig manisch stürzt er sich noch einmal in einen Bandwettbewerb, der den ersehnten Durchbruch bringen soll. Zwischen Affären und Alkoholexzessen schafft er es bis in die letzte Runde. Doch ein Schicksalsschlag verändert alles.

"Steirerblut" von Wolfgang Murnberger. In der Romanverfilmung begibt sich LKA-Ermittlerin Sandra Mohr wird zu einem rätselhaften und brutalen Mordfall in ihrer Heimatgemeinde gerufen, wo sich die eingeschworene Dorfgemeinschaft nicht gerade als hilfreich erweist. Der Fall wird zu einer gefährlichen Bewährungsprobe.

"Zweisitzrakete" von Hans Hofer. Manuel ist in seine beste Freundin Mia verliebt, als die allerdings Gefühle für einen anderen Mann entdeckt, will Manuel kämpfen. Um Mia ihren Kindheitstraum zu erfüllen, schmiedet er einen Plan.

"The strange case of Wilhelm Reich" von Antonin Svoboda. Ein Film über Wilhelm Reichs Zeit im amerikanischen Exil und den Tod des umstrittenen Psychiaters.

CANNES FILM FESTIVAL/Cannes FilmARCHIV/HANDOUT - Der französischmschauschauspieler Jean-Louis Trintignant in einene aus dems dem Film "Liebe"#34#17«Amour», #17e7;).e7;). oldenme des Fes Filmfestivals in CanneCannes gehs geht in diesem Jahr an den öst

Hüseyin Tabak ist mit zwei Filmen im Programm vertreten. "Das Pferd auf dem Balkon"... Ein Kinderfilm über einen spielsüchtigen Mann der ein Rennpferd auf dem Balkon hält und einem Bub der an dem Asperger-Syndrom leidet und genau weiß was mit dem Gaul zu machen ist.

... und "Deine Schönheit ist nichts wert". Der 12-jährige Veyel ist halb Kurde und Türke, zu Hause in einem fremden Land inmitteln familiärer Konflikte und zudem unglücklich in seine Klassenkameradin Ana verliebt. Sein junges Leben schon ein kleiner Kampf, bis sein 33-jähriger Nachbar sein erster Freund wird...

"Gehen am Strand" von Caspar Pfaundler. Anjas Leben läuft ins Leere. Zwischen Privatleben und Diplmarbeit entsteht eine Depression. Als sie zum Begräbnis ihrer Großmutter nach Holland fährt, stellt sie sich ihrer Einsamkeit...

"Grenzgänger" von Florian Flicker Eine dramatische Dreiecksbeziehung zweier Männer und einer Frau zwischen Liebe und Verrat wie in Schönherrs "Weibsteufel", nur heute.

"Der Glanz des Tages" von Tizza Covi und Rainer Frimmel. Der junge und erfolgreiche Schauspieler Philipp steht auf den großen Bühnen in Wien und Hamburg. Zwischen seinen Engagements verliert er jedoch die Realität aus den Augen und jeden Bezug zu sich selbst. Bis er auf Walter trifft...

"Cold Blood" von Stefan Ruzowitzky Nach einem gescheiterten Überfall sind die Geschwister Addison und Liza auf der Flucht, wo es zu einem folgenschweren Unfall kommt. Addison und Liza beschließen getrennte Wege zu gehen. Unterwegs begegnet Liza dem ehem. Boxer Jay und fährt mit ihm zu seinen Eltern. Dort begegnen die Geschwister einander wieder und es wird klar, dass es zu einem dramatischen Ende kommt.

"Diamantenfieber - Kauf dir lieber einen bunten Luftballon" von Peter Kern. Der 15-jährige Hans sorgt nach dem Tod seiner Eltern für seine vier Brüder und seine Oma. Für seinen Onkel spielt er den Kurier seiner kriminellen Geschäfte. Er hofft auf das schnelle Geld, gerät jedoch in noch größere Schwierigkeiten...  

Große Bandbreite

Auch die Spielfilmdebüts von jungen Regisseuren "spiegeln eine ungeheure Bandbreite", betonte die Intendantin. Sie verwies dabei besonders auf "Deine Schönheit ist nichts wert" von Hüseyin Tabak, "Mein blindes Herz" von Peter Brunner, "Soldat Jeannette" von Daniel Hoesl und "Talea" von Katharina Mückstein, weil dabei ganz unterschiedliche filmische Möglichkeiten sichtbar werden.

Heuer werden insgesamt 156 Filme und Videos im Rahmen von 136 Vorstellungen zu sehen sein, wobei 98 Arbeiten davon auch im Wettbewerb vertreten sind. Schon bei der Eröffnung wird der Große Diagonale-Schauspielpreis an Maria Hofstätter verliehen.

Der Festivaltrailer stammt von Josef Dabernig, der gleichzeitig für eine Ausstellung im Kunsthaus verantwortlich zeichnet und dessen gesamtes Werk, das nur etwas mehr als drei Stunden und 13 Einzelarbeiten umfasst, gezeigt wird.

Spezialprogramm

Eine weitere Personale ist Michaela Grill gewidmet, die als eine der wichtigsten Vertreterinnen digitaler Kunst in Österreich gilt. Ebenfalls zu Gast ist der deutsche Regisseur Dominik Graf, der mehr als 50 Filme für Kino und Fernsehen gedreht hat. Ein historisches Spezialprogramm ist dem österreichischen Regisseur, Drehbuchautor und Produzenten Paul Czinner gewidmet, der neben Stummfilmen wie "The Woman He Scorned" (1929) mit Pola Negri sehr erfolgreiche Filme mit seiner Frau Elisabeth Bergner drehte. Davon sind "Catherine the Great" und "Der träumende Mund" zu sehen, beide aus den 1930er-Jahren. Ebenfalls auf dem Programm steht sein "Rosenkavalier"-Film mit Elisabeth Schwarzkopf als Marschallin und Sena Jurinac als Octavian.

Weiterführende Links:
www.diagonale.at
facebook.com/Diagonale.Filmfestival