Director Calin Peter Netzer holds the Golden Bear award for Best Film for his movie "Pozitia Copilului" (Child's Pose) during the awards ceremony at the 63rd Berlinale International Film Festival in Berlin February 16, 2013. REUTERS/Fabrizio Bensch (GERMANY - Tags: ENTERTAINMENT)

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63. Berlinale
02/16/2013

Filme aus Osteuropa gewinnen bei Berlinale

Goldener Bär für Calin Peter Netzers Drama "Die Stellung des Kindes". Ulrich Seidls "Paradies: Hoffnung" geht leer aus.

von Alexandra Seibel

Der Goldene Bär der 63. Berlinale ging erstmals nach Rumänien: Festivaldirektor Dieter Kosslick übergab gemeinsam mit Jury-Präsident Wong Kar Wei das begehrte Metalltier an Călin Peter Netzer und dessen hervorragendes Gesellschaftsdrama „Die Stellung des Kindes“. Der 1975 in Rumänien geborene und in Stuttgart aufgewachsene Netzer macht darin seine großartige Hauptdarstellerin Luminita Gheorghiu zum Inbegriff einer korrupten rumänischen Bourgeoisie. Um ihren Sohn vor dem Gefängnis zu retten, verwandelt sie in ihrer Rolle als neureiche Architektin Cornelia mit gezückter Brieftasche alle moralischen Werte in käufliches Gut.

Überhaupt sind die Filme aus Osteuropa die großen Gewinner der Berlinale: Gleich zwei Preise holte der halbdokumentarische Film „Eine Episode aus dem Leben eines Metallsammlers“ von Oscar-Preisträger Danis Tanovic („No Man’s Land“) aus Bosnien-Herzegowina. Der Film erhielt den Großen Preis der Jury, eine besonders begehrte Auszeichnung. Darüber hinaus nahm Tanovics Hauptdarsteller Nazif Mujic außerdem den Silbernen Bären als bester Schauspieler entgegen. Er spielt in dem Film zusammen mit Frau und Kindern eine reale Episode aus dem harten Leben der Roma-Familie nach.

Der Silberne Bär für die beste Schauspielerin ging an Paulina García: In der Titelrolle der bittersüßen Tragikomödie „Gloria“ des chilenischen Regisseurs Sebastian Lelio wurde sie umgehend zum Festival-Liebling von Publikum und Kritikern.
Der österreichische Wettbewerbsbeitrag von Ulrich Seidl „Paradies: Hoffnung“ ging leer aus. Auch der einzige deutsche Beitrag, Thomas Arslans Western „Gold“ mit Nina Hoss wurde von der Jury übergangen.
Dafür durften sich die Amerikaner ein bisschen in den Preisregen stellen: David Gordon Green erhielt für seine nette Burschen-Komödie „Prince Avalanche“ den Silbernen Bären für beste Regie.

Publikumserfolg

Immer wieder wird Festivaldirektor Dieter Kosslick für seine Programmgestaltung geprügelt – und dafür, dass sein Hauptwettbewerb insgesamt an wirklich herausragenden Filmen missen lässt. Eines aber muss man der Berlinale lassen: Sie ist das erfolgreichste Publikumsfestival überhaupt. Insgesamt wurden 300.000 Karten verkauft – das sind, wie Kosslick bei der Preisverleihung stolz verkündete, immerhin 99,8 Prozent. 45.000 Menschen gingen ins Kino, 3700 Medienvertreter berichteten darüber. Auch wenn Berlin nach Cannes und Venedig nur auf Platz drei der bedeutendsten europäischen Filmfestivals sitzt.

GOLDENER BÄR: "Die Stellung des Kindes" ("Pozitia Copilului") von Calin Peter Netzer (Rumänien)

SILBERNER BÄR, GROSSER PREIS DER JURY: "Eine Episode im Leben eines Metallsammlers" ("Epizoda u zivotu beraca zeljeza") von Danis Tanovic (Bosnien-Herzegowina)

SILBERNER BÄR FÜR DIE BESTE REGIE: David Gordon Green für "Prince Avalanche" (USA)

SILBERNER BÄR FÜR DIE BESTE DARSTELLERIN: Paulina García in "Gloria" von Sebastián Lelio

SILBERNER BÄR FÜR DEN BESTEN DARSTELLER: Nazif Mujic in "Eine Episode im Leben eines Metallsammlers" von Danis Tanovic (Bosnien-Herzegowina)

SILBERNER BÄR FÜR HERAUSRAGENDE KÜNSTLERISCHE LEISTUNG: Kameramann Azis Zhambakiyev für "Harmony Lessons" ("Uroki Garmonii") von Emir Baigazin (Kasachstan)

SILBERNER BÄR FÜR DAS BESTE DREHBUCH: Jafar Panahi und Kamboziya Partovi (Iran) für "Geschlossener Vorhang" ("Pardé")

ALFRED-BAUER-PREIS: - "Vic+Flo haben einen Bären gesehen" ("Vic+Flo ont vu un ours") von Denis Côté (Kanada)

GOLDENER BÄR FÜR DEN BESTEN KURZFILM: "La Fugue" (Die Ausreisserin) von Jean-Bernard Marlin (Frankreich)

SILBERNER BÄR FÜR DEN BESTEN KURZFILM: "Die Ruhe bleibt" von Stefan Kriekhaus (Deutschland)

BESTER ERSTLINGSFILM: "The Rocket" (Die Rakete) von Kim Mordaunt (Australien)