Kultur
14.08.2013

Glavinic, Kehlmann, Gstrein und Stangl nominiert

Vier von 20 Nominierungen für den Deutschen Buchpreis kommen aus Österreich.

Die Literatur ist ein hochempfindlicher Seismograph für gesellschaftliche Entwicklungen, das wird an einigen herausragenden Titeln der diesjährigen Auswahl besonders deutlich", befindet die Jury des Deutschen Buchpreises, dessen Longlist am heutigen Mittwoch bekannt gegeben wurde. Vier der von der Jury georteten "neuen Perspektiven und Reaktionen auf unmittelbare zeitgeschichtliche Erfahrungen" stammen dabei von österreichischen Autoren: Thomas Glavinic ("Das größere Wunder"), Norbert Gstrein ("Eine Ahnung vom Anfang"), Daniel Kehlmann ("F") und Thomas Stangl ("Regeln des Tanzes") hoffen ebenso wie u.a. Joachim Meyerhoff, Terézia Mora, Uwe Timm oder Urs Widmer auf den Sprung auf die Shortlist (11. September) und schließlich die Auszeichnung, die am 7. Oktober verliehen wird. Neben dem Droschl Verlag ist auch der Salzburger Verlag Jung und Jung mit der in Berlin lebenden Russin Nellja Veremej ("Berlin liegt im Osten") mit dabei.

Die heuer auf der Longlist vertretenen heimischen Autoren betreten mit ihrer Nominierung kein Neuland: "Die Vermessung der Welt" katapultierte Daniel Kehlmann einst nicht nur auf die Bestseller-Listen, sondern 2005 auch auf die Shortlist des damals neu entstandenen Deutschen Buchpreises, den schließlich aber Arno Geiger gewann. Mit der Nominierung für sein im September bei Rowohlt erscheinendes Buch mit dem schlichten Titel "F" ist er nun erneut im Rennen. Der Verlag kündigt "F" jedenfalls als "Roman über Lüge und Wahrheit, über Familie, Fälschung und die Kraft der Fiktion" an.

Zweite Chance

Für Norbert Gstrein ist es nach seiner Nominierung im Jahr 2008 (Longlist mit "Die Winter im Süden") ebenfalls die zweite Chance auf den Deutschen Buchpreis: Sein vor wenigen Tagen erschienenes Buch "Eine Ahnung vom Anfang" (Hanser) ist ein vom Lehrer Anton in der Ich-Form erzählter Erziehungsroman der anderen Art. Gstrein kreist dabei um Fragen wie den Einfluss der Lehrer auf die Entwicklung ihrer Schützlinge oder die Dimensionen von Lehrer-Schüler-Beziehungen.

Thomas Glavinic ist der Buchpreis-erfahrendste Autor unter den heuer nominierten Österreichern. So gelangte "Das bin doch ich" 2007 gar auf die Shortlist, konnte sich schlussendlich gegen Julia Francks "Die Mittagsfrau" aber nicht durchsetzen; auf der Longlist stand 2009 auch "Das Leben der Wünsche". Der neue Roman "Das größere Wunder", das der Hanser Verlag als "großes Buch der Liebe" ankündigt, führt den Leser in die gefährliche Wunderwelt des Extrembergsteigens ein und erscheint am 26. August. Drei Tage später liest der Autor im Wiener Museumsquartier im Rahmen der O-Töne aus dem neuen Werk.

Mit "Was kommt" schnupperte Thomas Stangl schon 2009 Longlist-Luft, sein neuer Roman "Regeln des Tanzes" wird vom Droschl Verlag als "vielschichtiges Kunstwerk und gleichzeitig Stangls bisher politischstes Buch" angepriesen. Der Erscheinungstermin wurde nun auf heute, Mittwoch, vorgezogen, die Buchpräsentation findet am 17. September in der Alten Schmiede in Wien statt. Dann wird bereits klar sein, ob der Wiener mit seinem Roman, in dem er drei Personen mit unterschiedlichen Motiven auf Streifzüge durch Wien schickt, weiter auf den renommierten Preis hoffen darf. Die Shortlist wird am 11. September bekannt gegeben, die Verleihung des heuer vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels zum neunten Mal vergebenen Deutschen Buchpreises findet zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse am 7. Oktober statt.

Breite Reszonanz

Der Deutsche Buchpreis hat sich in den vergangenen Jahren zu einer von breiten medialen Resonanz begleiteten Literaturauszeichnung entwickelt. Die Auszeichnung ist insgesamt mit 37.500 Euro dotiert: Der Sieger erhält 25.000 Euro, die übrigen Finalisten je 2.500 Euro. Im vergangenen Jahr wurde die Berliner Autorin Ursula Krechel für ihren im Salzburger Verlag Jung und Jung erschienenen Roman "Landgericht" ausgezeichnet. Die Jury besteht heuer aus Helmut Böttiger (freier Kritiker), Katrin Lange (Literaturhaus München), Ursula März ("Die Zeit"), Jörg Plath (freier Kritiker), Andreas Platthaus ("Frankfurter Allgemeine Zeitung"), Klaus Seufer-Wasserthal (Rupertus Buchhandlung, Salzburg) und Claudia Voigt ("Der Spiegel"). Von 101 Verlagen waren 164 Titel eingereicht worden. Sie müssen zwischen Oktober 2012 und September 2013 erscheinen und spätestens bei Bekanntgabe der Shortlist im Handel erhältlich sein.

Autor

Titel

Verlag

Mirko Bonné

"Nie mehr Nacht"

Schöffling & Co.

Ralph Dutli

"Soutines letzte Fahrt"

Wallstein

Thomas Glavinic

"Das größere Wunder"

Hanser

Norbert Gstrein

"Eine Ahnung vom Anfang"

Hanser

Reinhard Jirgl

"Nichts von euch auf Erden"

Hanser

Daniel Kehlmann

"F"

Rowohlt

Judith Kuckart

"Wünsche"

DuMont

Olaf Kühl

"Der wahre Sohn"

Rowohlt.Berlin

Dagmar Leupold

"Unter der Hand"

Jung und Jung

Jonas Lüscher

"Frühling der Barbaren"

C. H. Beck

Clemens Meyer

"Im Stein"

S. Fischer

Joachim Meyerhoff

"Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war"

Kiepenheuer & Witsch

Terézia Mora

"Das Ungeheuer"

Luchterhand

Marion Poschmann

"Die Sonnenposition"

Suhrkamp

Thomas Stangl

"Regeln des Tanzes"

Droschl

Jens Steiner

"Carambole"

Dörlemann

Uwe Timm

"Vogelweide"

Kiepenheuer & Witsch

Nellja Veremej

"Berlin liegt im Osten"

Jung und Jung

Urs Widmer

"Reise an den Rand des Universums

Diogenes

Monika Zeiner

"Die Ordnung der Sterne über Como"

Blumenbar