Kultur
29.10.2018

Der Nino aus Wien: "Wollte immer Liebeslieder schreiben"

Nino Mandl untermauert mit seinem neuen, zehnten Album seine Songwriter-Qualitäten.

Zehn Jahre ist es her, als sich Nino Mandl als Der Nino aus Wien mit „The Ocelot Show“ vorstellte. Mit diesem Debütalbum und dem bis heute folgenden Output, hat der mittlerweile 31-Jährige die österreichische Popgeschichte maßgeblich mit- und weitergeschrieben. Zehn Jahre danach legt der gebürtige Wiener aus Hirschstetten eine Art Jubiläums-Platte vor. Auf dem mit „Der Nino aus Wien“ betitelten Werk hört man, wie er sich als bekennender Rapid-Fan über den grün-weißen Hundskick ärgert („Unentschieden gegen Ried“), die „Jukebox“ im verrauchten Tschocherl ums Eck bedient‚ und wie er um „Lola“, seine Katze trauert. Das sind allesamt gefällige Popsongs, die nicht nur textlich, sondern auch musikalisch einiges zu bieten haben. Soll heißen: Der Nino aus Wien läuft mit seiner Band zur Höchstform auf.

KURIER: Sie haben soeben das zehnte Album in zehn Jahren veröffentlicht. Warum so eine hohe Schlagzahl?
Nino Mandl:
So hoch finde ich die Schlagzahl gar nicht. In den 60er-Jahren war ein Album pro Jahr eher normal. Das Label Problembär Records schenkt mir das Vertrauen, Alben rauszubringen, und ich nehme das gerne an. Ich weiß, dass nicht alle davon großartig sind, aber es war für mich immer gut, dranzubleiben, anstatt längere Pausen zu machen. So konnte ich auch einiges lernen.

Wie gehen Ihnen bei so viel Output die Ideen nicht aus?
Welche Ideen? (lacht) Ich sehe das Liederschreiben eher als eine Art Handarbeit, eine Schnitzerei. Oft fällt mir erst etwas ein, wenn ich eine Gitarre in der Hand halte. Aber grundsätzlich gilt: Mit offenen Augen durch die Welt gehen, und überall das Lied zulassen. Dann fällt das Schreiben leichter.

 

Wie würden Sie die ersten zehn Jahre Ihrer Karriere zusammenfassen?
Es waren intensive Jahre, ich war viel unterwegs und habe viel davon mitgenommen. Aber ich stecke mittendrin, kann daher noch kein Resümee ziehen. Dass es jetzt bereits zehn Jahre sind, ist eine Randnotiz. Im Endeffekt bin ich froh darüber, dass ich dieses Leben leben kann. Musikalisch habe ich mich durch meine Band und durch die Leute, mit denen ich bisher musiziert habe, auch so weit weiterentwickelt, dass ich in meinen Möglichkeiten freier bin als vor zehn Jahren. Ich bin aber immer noch weit davon entfernt, ein großer Gitarrist oder Sänger zu sein.

Sie sind dauernd am Live-Spielen. Ist das Ihre Leidenschaft oder bloß Mittel zum Zweck?
Ich spiele sehr gerne live. Mit Band in Clubs, mit Ernst Molden auf Never-Ending- Tour, manchmal allein, manchmal mit Natalie Ofenböck usw. Es ist ein abwechslungsreiches Konzertleben. Ich spiele auch gerne in der tiefsten Provinz, dort, wo ich normalerweise niemals hinkommen würde. Natürlich sind Konzerte auch eine Möglichkeit, Geld zu verdienen, aber ich mache nie etwas nur wegen des Geldes.

Sind Sie gerne der Musikant, der mit der Gitarre von Bühne zu Bühne zieht?
Oft bin ich es gerne. Es ist das eher wilde Leben, würde ich sagen. Aber ich bin auch gerne zu Hause und habe es ruhig – mit Katzen, Kochen und Fernsehen.

 

Ist Reisen etwas, was Ihre Musik beeinflusst?
Ja, diese Reisen sind immer wichtig für mich. Denn für mich ist jede Reise auch die Suche nach einem neuen Lied. Ich liebe auch die Fahrt an sich. Ich bin in den vergangenen Jahren immer wieder einmal für einen Tag mit dem Bus nach Triest gefahren. Im Bus sitzen und aus dem Fenster schauen, das mag ich. Und dann noch kurz das Meer sehen … Viele Lieder sind in den letzten Jahren so entstanden.

Mit „Alles passt“ und „Bevor du schläfst“ haben es sogar zwei Klavierballaden aufs neue Album geschafft, während gesellschaftspolitische Themen keine Rolle spielen. Warum?
Ich wollte immer Liebeslieder schreiben. Ich würde auch alle meine Lieder als Liebeslieder bezeichnen. Ich bin gegen Hass, Angstmache und Ausgrenzung. Ich bin für Bedachtheit, Offenheit und Vielfalt. Balladen sind eigentlich meine Lieblingsmusik. Ich höre mir lieber „Hey Jude“ oder „In my Life“ an, als „Helter Skelter“ oder „Can’t buy me love“.

„Unentschieden gegen Ried“ ist ein Protestlied gegen das mäßige Niveau am heimischen Fußballplatz. Was würde Didi Kühbauer dazu sagen?
Ich weiß es nicht. Vielleicht hört er es ja einmal. Das Lied war ein Auftragswerk für den Wiener Beschwerdechor. Es ist vielleicht mein bisher bestes „Fußball-Lied“.

 

Termine: Der Nino aus Wien spielt am 3. 11. in Wieselburg (Kulturhof Aigner), am 6. und 7.11. in Wolkersdorf (Babü), am 8. und 9. 11. in der Arena Wien, am 14.11. in Linz (Posthof), am 15.11. in Klagenfurt (Stereo Club) sowie am 16.11. in Graz (Autumn Leaves Festival)