Kultur
03.06.2018

Demokratie und nackte Oberkörper: Armin Wolf interviewt Putin

Der russische Präsident stand dem "ZiB 2"-Anchorman Rede und Antwort. Das Gespräch ist Montag um 20.15 Uhr zu sehen.

Nichts wurde Armin Wolf in den vergangenen Wochen häufiger gefragt, als wie er denn zu diesem Interview gekommen sei, berichtet der „ZiB 2“-Anchorman auf seinem Blog (arminwolf.at). Kein Wunder, schließlich bekommt man nicht alle Tage einen der mächtigsten und zugleich umstrittensten Politiker der Welt vors Mikrofon: Waldimir Putin.

Am vergangenen Freitag reiste Wolf nach Moskau, um den russischen Staatschef im Kreml zu interviewen. Das Ergebnis wird heute Abend in einer „ZiB spezial“ gezeigt (siehe Info am Ende des Artikels).

Eingefädelt wurde das Gespräch anlässlich des morgigen Besuchs von Wladimir Putin in Wien über ORF-Russland-Korrespondentin Carola Schneider. Bedingung aus dem Kreml: Das Interview müsse eine gewisse Mindestlänge haben – und von einem „Hauptabend-Moderator“ des ORF geführt werden.

Und so trafen am Freitag mit Wolf und Putin ein hartnäckiger Fragensteller und ein „anspruchsvoller Gesprächspartner“ (so Wolf) aufeinander. Dass Putin es Journalisten nicht gerade einfach macht, hat er in Interviews mit internationalen Medien immer wieder bewiesen.

Im März hatte er etwa im Gespräch mit Megyn Kelly vom US-Sender NBC meist mit „Na und?“ sowie einem süffisanten Grinsen geantwortet. Auch WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn hatte in einem TV-Interview vor ein paar Jahren Schwierigkeiten mit Putin gehabt, der vom Befragten zum Fragenden wurde.

Putin ist kein großer Small Talker, die Begrüßung auf Deutsch sehr freundlich, aber knapp“, beschreibt Wolf das Zusammentreffen mit dem russischen Präsidenten auf seinem Blog.

Dass Putin fließend Deutsch spricht, ist unter anderem seit seiner Rede im Bundestag aus dem Jahr 2001 bekannt. Dennoch sei von Anfang an klar gewesen, dass er das Interview in seiner Muttersprache geben werde – mithilfe zweier Simultandolmetscher.

Meister des Ablenkens

Mit Putins Antwortstrategien hat sich Wolf im Vorfeld intensiv beschäftig: Der russische Präsident liebe Gegenfragen – „für einen Interviewer immer unangenehm“. Und: „Er ist ein Meister des Whataboutism – also des Ablenkens auf ein anderes Thema oder zumindest einen anderen Aspekt des Themas.“ Besonders verschnupft reagiere Putin, wenn er unterbrochen wird.

Im Gespräch habe sich der Präsident dann wie erwartet gezeigt: „Hochkonzentriert, aber ausführlich, er wehrt sich gegen jede Unterbrechung, fragt zurück, wird manchmal spöttisch, wechselt öfter das Thema, geht tief in Details und weist jeden Vorwurf zurück.“

Fragen wurden im Vorhinein nicht abgestimmt, es gab laut Wolf auch keine Tabuthemen. Lediglich die groben Bereiche mussten dem Kreml vor dem Interview bekannt gegeben werden: Stichwörter wie „Beziehungen zu Österreich“, „Einmischung in Wahlkämpfe“ und „Demokratie in Russland“ seien ausreichend gewesen.

Konkret fragte Wolf dann unter anderem nach dem Partnerschaftsvertrag mit der FPÖ, der „Trollfabrik“ in St. Petersburg, zu Nordkorea und Syrien – und er wollte auch wissen, warum sich der russische Präsident so oft mit nacktem Oberkörper zeige. Insgesamt dauerte das Gespräch statt der vereinbarten 30 ganze 52 Minuten. Heute Abend werden 45 Minuten gezeigt, die ungeschnittene Langversion ist online in der „TVthek“ abrufbar.

Info: „ZiB spezial“ – Programmänderung
Das aufgezeichnete Interview von Armin Wolf mit Wladimir Putin ist heute Montag um 20.15 Uhr auf ORF2 und anschließend online in der „TVthek“ zu sehen. 
Die „Millionenshow“, in der Quizmaster Armin Assinger dem Kandidaten Hooman Vojdani übrigens die Millionenfrage stellt, wird auf 21.05 Uhr verschoben. Die Sendung „Thema“ entfällt für diese Woche. Um 22.00 Uhr folgt in der „Zeit im Bild 2“ eine ausführliche Analyse des Putin-Interviews.