„Die mit der Liebe spielen“ mit Monica Vitti (links) und Lea Massari.

© /Österreichisches Filmmuseum

Retrospektive
01/03/2017

Das andere Italien, das die Extreme kennt

"Sizilien – Kino der Inseln: Eine italienische Reise" ab 6. Jänner im Filmmuseum.

von Marco Weise

"Dass ich Sizilien gesehen habe, ist mir ein unzerstörlicher Schatz auf mein ganzes Leben." So fasste Johann Wolfgang von Goethe seinen Sizilienaufenthalt zusammen. Die Schönheit und Vielfalt der Insel hat sich danach schnell herumgesprochen – nicht nur bei Touristen, sondern auch bei Filmproduzenten und Regisseuren. Denn das Angebot an natürlichen Requisiten ist enorm: Es gibt traumhafte Sandstrände, Felsenküsten, Hügel- und Vulkanlandschaften, Palmen und mediterrane Gärten mit Orangen- und Zitronenbäumen. Ähnlich umfangreich ist dann auch die Architektur der Insel: griechische Tempel, normannische Kirchen stehen neben barocke Villen und verfallenen Häusern. Diese faszinierenden Kontraste der vielzitierten "Insel der Widersprüche" dokumentiert ab 6. Jänner eine Retrospektive im Österreichischen Filmmuseum. Anhand von 35 Filmen der Region sollen Entwicklungslinien verfolgt und historische Wurzeln freigelegt werden.

Tendenzen

Dass Sizilien ein zentraler Schauplatz des italienischen Kinos nach 1945 wurde, liegt für Christoph Huber, der mit Alexander Horvath die Retrospektive kuratierte, an der zentralen Lage im Mittelmeer. "Dort haben immer wieder Wege zusammengeführt, sich unterschiedliche Kulturen angesiedelt. Das stellt auch für die Italiener etwas Besonderes dar. Sizilien ist ein Ort, wo sich bestimmte italienische Tendenzen am stärksten verdichtet haben. Dort herrschte lange Zeit der Feudalismus, gab es immer wirtschaftliche Probleme und waren inneritalienische Spannungen sehr gut festzumachen." Dokumentiert ist das etwa in "Die Verlobten" von Regisseur Ermanno Olmi aus dem Jahr 1963, der am 7. Jänner und am 19. Jänner (jeweils um 18.30 Uhr) im Filmmuseum gezeigt wird. Der Film dreht sich um einen Arbeiter aus Mailand, der für einen Job nach Sizilien zieht. Dort lernt er ein völlig anderes Italien kennen – archaische Strukturen sind allgegenwärtig, die Spaltung der Gesellschaft ist spürbar und die Mafia hat das Sagen.

Während unzählige Filme über die Armut und die Auswanderungswellen Siziliens berichten, gibt es auch humorvolle, satirische Beiträge. So macht sich etwa "Scheidung auf Italienisch", ein Schlüsselfilm der Commedia all'italiana, über die patriarchalischen Strukturen lustig. Buonissimo!

Info: "SizilienKino der Inseln: Eine italienische Reise". Von 6. 1. – 9. 2. im Filmmuseum (Augustinerstraße 1, Wien)

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