Cro: "Hey, sei wieder mehr du selbst!"

Cro
Foto: CRO/Saeed Kakavand Cro gibt auf seinem neuen Album Einblick in seine Gefühlswelt.

Der deutsche Panda-Rapper macht mit seinem neuen Album "tru." eine dezente Sound- und Image-Korrektur.

Der deutsche Rapper Cro will seine Pandamaske künftig regelmäßig verändern, damit jeder sieht, dass auch er sich verändert. "Es nervt mich, wenn Zeitungen vier Jahre alte Bilder von mir veröffentlichen, weil sie denken: Der sieht eh immer gleich aus", sagt der 27-Jährige im KURIER-Interview. Aus diesem Grund werde er künftig seine Maske regelmäßig umdesignen. Aktuell hat er ihr die schwarzen Flecken, die schwarzen Augenringe genommen, "weil ich sie reduzierter haben wollte. Und vielleicht verschwindet die Maske irgendwann ganz", sagt Carlo Waibel alias Cro.

Mehr zu diesem "Masken-Plan" könne er aber nicht verraten, auch deshalb nicht, weil er so etwas wie einen Plan gar nicht habe. "Bei mir entsteht alles zufällig."

Außer die Musik.

KURIER: Ihr neues Album wurde vor Monaten als "fake you" angekündigt und heißt nun "tru." Warum diese Änderung?
Cro: Den ersten Albumtitel "fake you" habe ich vor einem halben Jahr als eine Art Fake-Meldung kommuniziert. Damit wollte ich Menschen darauf aufmerksam machen, dass sie nicht alles glauben sollen, was sie im Internet lesen. Die Menschen sollten wieder selber ein bisschen mehr nachdenken, kritischer sein.

Das klingt belehrend.
Nein, ich will kein Lehrer sein, der mit erhobenem Zeigefinger vor seinen Schülern steht, sondern einfach nur zum Nachdenken und Umdenken anregenden: "Mach’ das Handy einfach einmal aus. Bleib’ echt. Hör’ auf, andere zu imitieren und Schönheitsidealen nachzulaufen." Es gibt viele Jugendliche, die unbedingt jene Schuhe haben müssen, die auch Kanye West gerade trägt. Wo bleibt da der eigene Stil? Was ich damit sagen will: Hey, sei wieder mehr du selbst!

Wir leben zwar in einer Zeit, in der jeder individuell sein möchte, aber trotzdem viele gleichgeschaltet sind. Irgendwie absurd, oder?
Ja, es gibt ein, zwei Anführer und alle laufen hinterher. Die Mehrheit beugt sich den Regeln. Wenn ich zum Beispiel einen Song produzieren will, der zwölf Minuten dauert, bekomme ich von einigen zu hören, dass das nicht geht, weil kein Radiosender so ein Lied spielen, sich kaum einer einen Zwölf-Minuten-Song anhören würde. Aber das glaube ich nicht. Durch dieses Nachahmen wird alles gleichgeschaltet.

Sie sind 27 und mit dem Smartphone aufgewachsen, ohne das bei vielen Menschen nichts mehr geht. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Ich kenne noch die Zeit vor dem Smartphone. Meine Kindheit verbinde ich zum Glück noch mit dem Game Boy. Aber zurück zu ihrer Frage: Viele sind nach dem Smartphone süchtig, wissen ohne diesem Teil nicht mehr viel mit der Zeit anzufangen, schauen ständig rein. Wenn man einigen das Smartphone einen Tag wegnehmen würde, wäre das für sie wohl ein Weltuntergang. Diese Entwicklung sollte man kritisch hinterfragen. Ich habe mir deshalb eine App installiert, die Pick-ups zählt, also mitzählt, wie oft ich täglich das Smartphone benutze. Es gibt Tage, da nehme ich es nur 13 Mal zur Hand. An anderen Tagen sind es hingegen über 500 Nutzungen. Das ist eine beängstigende Zahl.

Apropos offline gehen. Sie haben sich für das neue Album auch eine umfassende Auszeit genommen. Warum brauchten Sie diese kreative Pause?
Ich bin in den vergangenen Jahren auf der Autobahn des Lebens sehr schnell unterwegs gewesen, habe dabei kaum nach links und rechts schauen können. Ich wollte einfach einmal anhalten, mich umblicken und neu sortieren: Wo stehe ich? Was will ich? Und wohin soll es gehen? Bei der Produktion war mir die Liebe zum Detail sehr wichtig, was man hoffentlich auch hört ...

Was auffällt, ist ihre elektronisch verfremdete Stimme.
Bei dem Album habe ich mich gegenüber anderen Genres und neuen Sounds bewusst geöffnet. Es ist alles erlaubt, auch sprachlich und stimmlich. Und ja, es stimmt, in den neuen Songs habe ich sehr viel mit meiner Stimme gespielt, Effekte drüber gelegt und bei einem Song auch Auto Tune verwendet.

Das Album klingt mehr nach Cloud-Rap und weniger nach Pop – eine Weiterentwicklung?
Ich hatte durchaus einige Stücke am Start, die sich nahtlos an die bisherigen gereiht hätten. Aber ich wollte das nicht, habe diese Songs bewusst nicht auf das Album gegeben, weil ich mich weiterentwickeln und nicht dasselbe machen wollte. Ich möchte immer besser werden, immer bessere Alben produzieren und dabei neue Wege gehen, auch wenn das viel Kraft, Zeit und Energie kostet. Geht nicht, gibt es nicht. Denn man sollte es zumindest versuchen. Auch dann, wenn die Idee völlig irre ist.

Wollen Sie durch die dezente Sound-Korrektur ihre junge Hörerschaft etwas verstören?
Nein, ganz und gar nicht. Ich hoffe, dass ich damit meine jungen Fans nicht verliere. Denn die sind mir ganz wichtig. Ich finde es auch toll, dass Kinder meine Musik hören und mit den Eltern zu meinen Konzerten kommen, denn die sind die Konsumenten von morgen.

Produzieren Sie eigentlich alles selber?
Ich programmiere die Beats, bin alleine im Studio, entwerfe Skizzen, probiere Texte, Melodien aus. Wenn ich irgendwo anstehe, irgendwas nicht so klingt, wie ich mir das vorstelle, dann hole ich mir jemanden dazu. Bei dem neuen Album stammt aber alles von mir. Jeder Text, jeder Ton, jede Melodie. Jede Snare und jede Bass drum ist genau dort, wo ich sie haben wollte.

Wie steht es aus Ihrer Sicht um die Rap-Szene in Deutschland?
Mich stört, dass in Deutschland jeder seine eigene Suppe kocht. Es gibt kaum ein Miteinander, es reagiert das Nebeneinander oder Gegeneinander. Man sollte sich mehr verbinden, zusammenschließen, Gruppen bilden, sich gegenseitig unterstützen, vorantreiben und pushen.

Gibt es einen Rapper in Deutschland, den Sie gerade "pushen"?
Es gibt viele gute Rapper in Deutschland. Aktuell überzeugt mich RIN am meisten. Er hat super Beats und Texte, die den Zeitgeist treffen.

Info: Cro spielt am 5. März 2018 in der Arena Wien ein Konzert.

Abgehört

"tru." von Cro

Cro Foto: Cro Money hat er, rappt Cro auf seinem dritten Album mit dem Titel „tru.“ Was er hingegen braucht ist: Liebe. Aber das mit den  Frauen ist nicht so einfach wie das mit dem Geld, denn sie  sind oft nur  „Paperdreams“, also bloß  in der Zeitung oder auf Instagram schön.    Und da er auf Fake-Girls keine Lust hat,  geht er lieber ins Studio und macht Musik. Diese klingt auf „tru.“ weniger nach „Raop“, also nach jener Melange aus  Hip-Hop  und Pop, die seit 2012 Teenie-Herzen höher schlagen lässt. Hits wie „Easy“ finden sich auf  dem neuen Werk  nicht, dafür schlägt Cro „Kapitel 1“ auf, spuckt rauere Töne, verzerrt seine Stimme und klingt so wie alle anderen Cloud-Rapper –  elektronisch verfremdet.

(kurier) Erstellt am
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