Die Ausstellung „Klimt, die Secession und Italien“ im Palazzo Braschi in Rom ist ein Erfolg – noch bis 27. März 2022  

© Sovrintendenza Capitolina ai Beni Culturali e Arthemisia”/Sovrintendenza Capitolina ai Beni Culturali e Arthemisia”

Ausstellung
11/29/2021

Ciao Gustav! Mit Klimt in den Süden

Während in Österreich die Museen wieder einmal geschlossen sind, wird eine Klimt-Ausstellung in Rom regelrecht gestürmt. Zu Recht.

von Marco Weise

Es sind nur wenige Schritte – und schon steht man im Wien um 1900. Diese Zeitreise gelingt einem derzeit in Rom, im Museo di Roma am Piazza Navona. Dort hat der Belvedere-Kurator Franz Smola eine Ausstellung konzipiert, die die Besucher im Eingangsbereich mit einem überdimensionalen Wiener Stadtplan aus der Jahrhundertwende und Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Ringstraße abholt.

Die Ausstellung, die mit Leihgaben des Belvederes (darunter Klimts „Judith“ sowie das „Bildnis Amalie Zuckerkandl“), der Klimt Foundation und der Neuen Galerie Graz arbeitet, zeichnet die Stationen von Gustav Klimts gesamter künstlerischer Laufbahn nach, unterstreicht seine Rolle als Mitbegründer der Wiener Secession und beleuchtet ausführlich seine Beziehung zu Italien. Seine Liebe zum Land südlich des Brenners wird zum Beispiel anhand einiger Bilder des Gardasees verdeutlicht: 1913 setzt Klimt dem Gardasee dreimal ein „Denkmal in Bildern“, kurz bevor der Erste Weltkrieg den kulturellen Austausch zwischen Österreich und Italien für viele Jahre empfindlich einengte. Davor – nämlich im Jahr 1899 – küsste Klimt in Genua aber noch die spätere Alma Mahler-Werfel zum ersten Mal, bevor es ihm vom Stiefvater Carl Moll verboten wurde: Alma war damals auch erst 17.

Ansichtskarten

Klimt, dem keine große Reiseleidenschaft nachgesagt wird, machte für Italien scheinbar eine Ausnahme: „Klimt und Italien, das ist eine wahre Erfolgsgeschichte: Kein Land hat Klimt so gut verstanden wie Italien. Fast scheint es, als hätten die Künstler Italiens Klimt besser begriffen als seine Wiener Kollegen“, so Kurator Smola.

Seine Eindrücke teilte Klimt dann auch stets mit den Daheimgebliebenen, in dem er Postkarten verschickte. Neben Plakaten, Fotografien und Skulpturen ergänzen diese Ansichtskarten die Schau – hier eine aus Verona an Emilie Flöge, dort eine an Maria Ucicka oder Anna Klimt: „Herzliche Grüße“ aus Rom (26. März 1911).

Die (auch für heimische Klimt-Kenner) sehenswerte Schau beschäftigt sich damit, wie der Maler sich zwischen der Wiener Secession und dem italienischen Ausstellungsbetrieb bewegte: In einigen Räumen werden seine Bilder Werken italienischer Künstler wie Felice Casorati, Arturo Noci und Galileo Chini gegenübergestellt.

Zu den Highlights der noch bis 27. März 2022 laufenden Ausstellung zählt das 1997 gestohlene und 2019 wiedergefundene „Bildnis einer Frau“ aus der Galleria Ricci Oddi in Piacenza. Erstmals seit der Wiederauffindung ist das Gemälde öffentlich zu sehen. Erstmals zu sehen sind auch „Jurisprudenz“, „Philosophie“ und „Medizin“, die Fakultätsbilder von Klimt. Die 1945 bei einem Brand zerstörten Werke, die nur auf Schwarz-Weiß-Fotos dokumentiert sind, werden im Rahmen der Ausstellung zum Leben erweckt. Es ist das Ergebnis eines wissenschaftlichen Projekts von Belvedere und Google Arts, das die Bilder digital rekonstruiert. Ein geglückter Appetizer für eine im Jahr 2024 im Wiener Belvedere geplante Ausstellung zu dieser Forschungsarbeit – vorausgesetzt, die Museen haben dann hierzulande wieder geöffnet ...

Die Ausstellung „Klimt, die Secession und Italien“ im Palazzo Braschi in Rom – noch bis 27. März 2022.

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