Kultur
15.05.2017

Charlie Hunnam: Ein König, der keiner sein möchte

Charlie Hunnam zieht in Guy Ritchies Interpretation der Artus-Sage das Schwert und empfiehlt sich damit fürs Blockbuster-Kino.

Der britische Schauspieler Charlie Hunnam schwingt zurzeit in Guy Ritchies rasanter Neusichtung der Artus-Sage das berühmte Schwert Excalibur mit Waschbrettbauch und vollem Einsatz.

Im KURIER-Gespräch erzählt der 37-Jährige, wie er Guy Ritchie doch noch von seinen schauspielerischen Qualitäten überzeugen konnte, warum man für seine Träume kämpfen sollte und warum er den Philosophen David Thoreau schätzt.

KURIER: Guy Ritchie wollte Sie anfangs gar nicht in seinem Film mitspielen lassen. Wie haben Sie es trotzdem geschafft, die Hauptrolle zu bekommen?Charlie Hunnam: Als Guy Ritchie auf der Suche nach der Besetzung von "King Arthur" war, habe ich mich für die Rolle als Arthur ins Spiel gebracht. Aber davon war er nicht sehr angetan, weil er einen Film mit mir gesehen hatte, der wirklich nicht gut ist, und mit dem ich nicht wirklich eine tolle Bewerbung abgebe. Daher war es schon verständlich, dass er anfangs nicht der größte Fan von mir war.

Welcher Film war das? Das möchte ich jetzt nicht sagen, es wäre dem Regisseur gegenüber nicht fair.

Wie haben Sie es dennoch geschafft, Guy Ritchie zu überzeugen? Nach der klaren Absage war ich erst einmal sehr enttäuscht, denn ich wurde ja nicht einmal als möglicher Kandidat für diese Rolle in Betracht gezogen. Aber ich wollte nichts unversucht lassen, buchte einen Flug nach London und überzeugte Guy, eine Tasse Tee mit mir zu trinken. Bei diesem Gespräch habe ich ihn wohl von mir überzeugen können. Für mich kam diese Entscheidung dann auch überraschend, denn Guy ist ein Typ, der normalerweise nicht so einfach seine Meinung ändert.

Ihr Motto lautet also: niemals aufgeben. Ist das eine Ihrer Stärken? Ja. Ich habe in meinem Leben immer alles auf eine Karte gesetzt, alles dafür investieren müssen, damit ich einmal in so einem Film mitspielen kann. Ich kämpfe immer für die Dinge, die ich will. Oftmals geht es schief und man bekommt nicht die Rolle, die man will. Aber diesmal hat es geklappt. Ich halte es auch gerne mit dem Philosophen Henry David Thoreau, dessen Bücher ich als Jugendlicher verschlungen habe. Der schrieb: "Bewegt man sich zuversichtlich in die Richtung seiner Träume und strebt danach, das Leben zu führen, das man sich vorstellt, erlebt man Erfolge, die man nicht erwartet hat."

Sind Sie ein Fan von Guy Ritchies Arbeiten? Es sind Filme, die mir sehr gut gefallen. Ich mag auch seine Version der Artus-Sage. Sie ist frisch, originell, aufregend, sexy und reflektiert gut die Art und Weise, wie sein Geist arbeitet, wie er denkt und was ihm als Regisseur wichtig ist. Das äußert sich etwa in der hohen Schlagzahl an Schnitten, beim dröhnenden Sound und in der Wahl der Kostüme.

Sie spielen einen Helden, der eigentlich keiner sein will. Arthur will nicht König werden. Welche Botschaft will man damit dem Publikum mit nach Hause geben?Guy Ritchie hat aus Arthur einen König des Volkes gemacht, der zwar im Prostituierten-Milieu in London aufgewachsen ist, aber eine königliche Vorgeschichte hat. Und so passiert es eines Tages, dass Arthur als normaler Bürger von England aufsteht, das Schwert aus dem Stein zieht und abends als König Arthur ins Bett geht. Damit sieht er sich plötzlich mit einem Schicksal konfrontiert, das er für sich nie so geplant hatte. Daher hat er große Angst vor dieser Verantwortung. Aber fast jeder Mensch ist dazu in der Lage, über sich hinauszuwachsen, wenn er möchte. Ich bin dafür ein gutes Beispiel: Hätte ich nicht an mich geglaubt und nicht meine Träume verfolgt, würde ich nicht hier mit Ihnen reden. Das ist die Botschaft, die der Film dem Kinobesucher mit auf dem Weg geben kann.

Wenn man sich Ihren durchtrainierten Körper im Film ansieht, wäre eine weitere Botschaft: Macht mehr Sport! Wie lange mussten Sie dafür trainieren? Ich habe hart dafür gearbeitet, aber Sport war mir schon immer sehr wichtig. Wir leben in einer Welt, in der immer mehr Menschen an Depressionen leiden, weil sie sich kaum noch bewegen, Körper und Geist nicht in Einklang bringen. Und genau das ist das Problem: Unsere Maschine gehört trainiert! Das wirkt sich nicht nur positiv auf den Körper aus, sondern auch auf die Psyche aus. Ich ziehe aus dem Sport geistig mehr, als ich es körperlich tue. Es ist wie ein Ölwechsel.

Zur Person: Charlie Hunnam. Der 37-jährige britische Schauspieler hat das abgelehnt, was einige seiner Kollegen unbedingt wollten: die Rolle des Christian Grey in „Fifty Shades of Grey“. Stattdessen stieg er für die Serie „ Sons of Anarchy“ aufs Motorrad, war „Unterwegs nach Cold Mountain“, kämpfte in „Hooligan“an der Seite von Elijah Wood und forschte zuletzt mit Robert Pattinson nach der „versunkenen Stadt Z“.

Guy Ritchie: "Charlie hat mich mit seiner smarten Art überzeugt"

Der 48-jährige britische Regisseur Guy Ritchie feierte mit "Sherlock Holmes" (2009) und "Sherlock Holmes: Spiel im Schatten" (2011) international Erfolge. Der ehemalige Mann von Popstar Madonna, von der er sich 2008 scheiden ließ, interpretierte für seinen neuen Film "King Arthur: Legend of the Sword" (seit Donnerstag im Kino) die Artus-Sage neu.

Es ist ein Mix aus der Komödie "Snatch" (2000), bei der Ritchie Regie führte, " Herr der Ringe" und "Game of Thrones".

KURIER: Warum musste Sie Charlie Hunnam erst zum Tee bitten, um die Hauptrolle zu bekommen? Guy Ritchie: Ich hatte lange keine Vorstellung davon, wer die Rolle von King Arthur übernehmen soll. Was ich wusste, war, dass ich einen Schauspieler suche, der die Figur und die Geschichte ähnlich sieht wie ich, den selben Geschmack hat wie ich und Sachen im Leben ähnlich sieht. Charlie, das sollte sich dann herausstellen, war mit mir auf der selben Wellenlänge. Vielleicht liegt das daran, dass er ein großer Fan meiner Arbeiten ist (lacht).

In welchen Bereichen sind sich Sie und Charlie Hunnam ähnlich?In vielen. Charlie ist ein sehr belesener Mensch, was viele nicht glauben, weil er extrem gut aussieht und viele Muskeln hat. Mit diesen Stereotypen räumt Charlie auf. Der Austausch mit ihm kann geistig sehr befruchtend sein. Außerdem war Charlie hungrig, er hat mich mit seiner smarten Art überzeugt. Er hat für die Rolle hart gearbeitet, im Fitnessstudio wie ein Wahnsinniger trainiert und sah bald genauso aus wie He-Man, der zentrale Comic-Charakter der Action-Figuren-Serie "Masters of the Universe".

Warum haben Sie sich für eine Neuverfilmung der Artus-Sage entschieden? Das Tolle an dieser Legende ist, dass man sie weltweit kennt und sie enorm mystisch aufgeladen ist. Es war sehr reizvoll, herauszuarbeiten, was die Essenz dieser Sage ist. Für mich hat das Schwert zum Beispiel nur eine symbolische Bedeutung. Es dient Arthur dazu, seine externen, aber auch interne Dämonen zu bekämpfen.

Sie erzählen die Geschichte in einem rasenden Tempo, was einigen missfällt.

Ein Film ist wie ein Radiosender – er steht für eine gewisse Art der Unterhaltung. Daher gibt es auch unterschiedliche Radiosender. Ich kann mit dem Film wohl auch nur jene Menschen begeistern, die meinen Regie-Stil mögen.

"King Arthur – Legend of the Sword": Mit Excalibur und Riesenschlange

Wenn sich einer nicht lange mit dem Mythos von König Arthur und den Rittern seiner Tafelrunde aufhält, dann ist es Guy Ritchie. Darauf hat der britische "Sherlock Holmes"-Regisseur und Ex-Ehemann von Madonna sichtlich wenig Lust. In Ritchies hochgefahrener Version der Legende wütet Arthur, "Bastardsohn einer Hure" (Eigendefinition), nur widerwillig durch eine düstere Death-Metal-Musikvideo-Landschaft.

Denn Arthur will nicht Arthur sein – zumindest nicht König Arthur. Viel lieber wäre er in dem Prostituierten-Milieu geblieben, in dem er seine Kindheit verbrachte. Allerdings lässt das sein Schwert Excalibur nicht zu: Arthur ist der einzige, der das Stahl aus der Erde ziehen kann – und sofort die Aufmerksamkeit seines mörderischen Onkels Vortigern auf sich zieht.

Guy "Snatch" Ritchie bemächtigt sich der Artus-Sage mit eisernem Unterhaltungswillen. Und es soll keiner sagen, dass es nicht manchmal auch unterhaltsam zugeht.

Mit einer hohen Schlagzahl an Schnitten jagt er die Geschichte in Vor- oder Rückblenden vor sich her. Manchmal beschleunigt er seine Bilder effekthascherisch im Schnellvorlauf, manchmal friert er sie in pathetischer Zeitlupe ein und verstärkt sie mit dröhnendem Sound. Dialoge im Affentempo erinnern weniger an Gespräche, als an Wort-Raps, deren Sprachschatz ("Do your fucking job!") nur bedingt nach Mittelalter klingt.

Sichtlich inspiriert von "Game of Thrones", wanken haushohe Riesenelefanten durch das Kampfgetümmel und bilden einen kuriosen Höhepunkt im Computer-generierte Action-Taumel.

Giftzahn

Anstelle von romantischer Liebe fliegt Arthur ein gewaltiger brauner Adler zu. Auch eine Riesenschlange wird entfesselt, deren Giftzahn sich in 3D unangenehm nah ans Zuseherauge bohrt. Beide...äh...Tiere handeln im Auftrag einer seltsamen Spiritistin – offensichtlich Arthurs zukünftigem love interest. Von erotischer Energie weiß Ritchie allerdings wenig zu berichten. Stattdessen gräbt er alte Tarantino-Witze aus und lässt Jude Law als vermaledeiten Vortigern Gemeinheiten in abgeschnittene Ohrmuscheln flüstern.

Jude Law als machtbesessener, unrechtmäßiger König fällt die ausdrucksstärkste Rolle zu. Charlie Hunnam als Arthur besticht weniger durch Geist als durch Kampfkörper. Den kann er in den fünf weiteren Arthur-Filmen zum Einsatz bringen, die angeblich geplant sind. Wenn das kein Franchise wird.

INFO: USA 2017. 126 Min. Von Guy Ritchie. Mit Charlie Hunnam, Jude Law.

KURIER-Wertung: