Die von Axel Spörl vorgelegte Promotionsurkunde: eine Fälschung, wie die Universität Würzburg bestätigt

© Axel Spörl

Kultur
06/10/2020

Causa Axel Spörl: Stümperhafte Fälschung der Promotionsurkunde

Trenkler Tratsch: Anzeige wurde bei der Staatsanwaltschaft eingebracht, Bundestheater-Holding schreibt den Job neu aus

von Thomas Trenkler

Die Causa Spörl hat sehr viele Leserinnen und Leser fasziniert: Ein Hochstapler – mal Israeli, mal Innviertler – bewarb sich für die Alleingeschäftsführung der Bundestheater-Servicegesellschaft „Art for Art“. Und er bekam den Job auch: Er überzeugte nicht nur den Personalberater Korn Ferry, sondern auch die mit erstklassigen Managern besetzte Bestellungskommission und die damalige Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek.

Die Zweifel, die der bereits 2019 von dritter Seite beauftragte Plagiatsjäger Stefan Weber geäußert hatte, wurden beiseitegewischt. Denn „Dr.“ Axel Spörl, 1971 in Regensburg geboren, legte eine Promotionsurkunde der Julius-Maximilians-Universität Würzburg in lateinischer Sprache vor. Beziehungsweise: Er sandte Christian Kircher, dem Chef der Bundestheater-Holding, per Mail den Scan einer solchen – samt Übersetzung der gerichtlich zertifizierten Latein-Dolmetscherin Regina Danek. Der KURIER legte in der Folge dar, dass die Urkunde gefälscht ist – wie auch der Matrikenauszug der Israelitischen Kultusgemeinde, den Alex Spörl seinem Ex-Arbeitgeber übermittelt hatte.

Kurt Smolak, emeritierter Professor für Mittel- und Neulatein an der Uni Wien, betrachtete die vom KURIER faksimilierte Urkunde quasi als Rätsel – und ihm fiel sogleich ein „elementarer Fehler“ auf. Denn angeblich hätten die Professoren der „Universitate Julio-Maximiliano“ Spörl die Rechte und Privilegien eines Doktors der Philosophie verliehen. Doch das weibliche Wort „universitate“ kann keine männliche Beifügung „Julio-Maximiliano“ haben. Auf Bitte Ihres Tratsch-Partners sah sich Smolak das Dokument genauer an.

Er kommt zum Schluss, „dass es sich um einen laienhaft manipulierten, ursprünglich wohl sprachlich korrekten Text handelt; das beste Beispiel ist das jedem lateinischen Sprachgefühl widersprechende Datum. Es ist nicht vorstellbar, dass die Universität Würzburg, an der es Latinisten gibt, so etwas auf ihre Urkunden schreibt.“ Denn die deutsche Angabe „Dienstag, 6. Februar 1996“ wurde „stümperhaft“ ins Lateinische übertragen. Dabei „wird in lateinischen Datumsangaben, egal welcher Epoche, so gut wie nie der Wochentag angeführt“.

Der Verfasser hat zudem, wie Smolak umfänglich ausführt, die Satzkonstruktion nicht verstanden, Fallfehler und auch orthografische Fehler gemacht: Er schrieb „literarum“ statt richtig „litterarum“, „ordinus“ statt richtig „ordinis“. Interessanterweise habe Regina Danek die Schnitzer in der Übersetzung ausgebügelt: Bei der Datumsangabe fehlt der „Dienstag“.

Aufgrund der KURIER-Recherchen wurde Spörl zunächst dienstfrei gestellt und dann, Mitte Mai, entlassen. Das Kulturstaatssekretariat hat mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft Wien eine Anzeige eingebracht – „wegen des Verdachts der Urkundenfälschung und Betrugs“.

Und die Bundestheater-Holding wird am Samstag neuerlich die Geschäftsführung der „Art for Art“ ausschreiben. Bewerbungsfrist ist der 12. Juli. Laut Kircher verwende man den Text der ersten Ausschreibung. „Wir bitten zudem die beiden anderen Kandidaten des Dreiervorschlags, sich nochmals zu bewerben.“ Natürlich werde ein anderer Personalberater den Prozess begleiten. Korn Ferry sei die Angelegenheit peinlich; das Unternehmen werde die Kosten für die erste Ausschreibung begleichen.

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