Josh Brolin (li.) und Timothée Chalamet im Blockbuster-Spektakel „Dune“ von Denis Villeneuve

© Warner

Film
09/04/2021

Blockbuster "Dune" und "Spencer“ in Venedig: Prinzessin von Wales und Wüstenmaus

Denis Villeneuve liefert mit „Dune“ einen bildgewaltigen Blockbuster, Kristen Stewart verwandelt sich in Pablo Larraíns „Spencer“ in Lady Diana

von Alexandra Seibel

Das Filmfestival von Venedig geht in sein Halbfinale – und Festivalchef Alberto Barbera hat gleich in seiner ersten Programmwoche eine Reihe von Großkalibern ins Rennen geworfen. Der Höhepunkt, zumindest was das Ausmaß an Hollywood-Spektakel auf dem Lido betrifft, war sicher die Premiere von „Dune“, hierzulande auch bekannt als „Der Wüstenplanet“. Abgesehen vom neuen James-Bond-Film gab es wohl kaum einen Blockbuster, der mit größerer Spannung erwartet wurde als „Dune“.

Der legendäre Science-Fiction-Klassiker von Frank Herbert aus dem Jahr 1965 gilt als unverfilmbar. Niemand geringerer als David Lynch ist fulminant an der Vorlage gescheitert und fügte 1984 mit „Dune“ seiner Karriere eine große Delle zu.

Ein Großspektakel ist der neue „Dune“ jedenfalls geworden. Der Franko-Kanadier Denis Villeneuve, der sich mit Sci-Fi-Thrillern wie „Arrival“ und „Blade Runner 2049“ hervorgetan hat, lieferte einen bombastische Blockbuster der Superlative. Er habe beim Entwerfen und Drehen seines Films die Riesenleinwände des IMAX-Kino im Kopf gehabt, verkündete Villeneuve auf der Pressekonferenz in Venedig: „Der Film soll so etwas wie ein physisches Erlebnis sein.“

Tatsächlich rumpelten die Sessel im Kino von Venedig aufgeregt, als der pompöse Soundtrack von Hans Zimmer wie eine Flutwelle über das bildgewaltige Epos hereinbrach. Intergalaktische Kriege, tobende Wüstenstürme, gigantische Sandwürmer und Hubschrauber, die aussehen wie flirrende Riesenlibellen, sorgten für imposante Schauwerte. Und wenn es zu Wüstenansichten kommt, ist „Lawrence von Arabien“ nichts dagegen.

Ganzkörperanzug

„Dune“ erzählt – übrigens völlig humorlos – von einer düsteren, intergalaktischen Zukunft, in der mächtige Adelshäuser herrschen. Der charismatische Timothée Chalamet spielt den jugendlichen Helden Paul Atreides, dessen Vater die Lehnherrschaft über den Wüstenplaneten Arrakis übernehmen soll. Dort findet sich das begehrte „Spice“, die kostbarste Ressource der Galaxie. Kaum sind Paul und seine Mutter auf Arrakis angekommen, werden sie auch schon von den ehemaligen Kolonialherren verfolgt und flüchten sich zu den Einheimischen des Planeten, den Fremen.

Villeneuve lässt sich viel Zeit, um die Bildwelten der konkurrierenden Adelshäuser anschaulich auszubreiten. Besonders schöne Details finden sich in Kostüm und Ausstattung, wie etwa in den wunderschönen Kleidern von Rebecca Ferguson als Pauls Mutter. Auch der berühmte Ganzkörperanzug für die Wüste, der imstande ist, körpereigene Flüssigkeiten zurück in Wasser zu recyceln, darf nicht fehlen. Bei David Lynch wurde noch Urin in Wasser zurückverwandelt, bei Villeneuve beschränkt sich diese Fähigkeit auf Schweiß und Tränen.

Stark darum bemüht, immer in großen Gemälden zu erzählen, wechselt Villeneuve effektvoll zwischen gigantischen Panoramaansichten von Palästen, Armeen oder Schlachtfeldern – und Großaufnahmen von Gesichtern und Wüstenmäusen. Er setzt auf ein Kino der Überwältigung und übersieht dabei, das große Bilder nicht zwingend auch große Geschichten erzählen. Wenn am Ende eine geheimnisvolle Fremenfrau, gespielt von Zendaya, nach 155 (!) Minuten sagt: „Das ist erst der Anfang“ – dann klingt das nicht nur nach vielversprechender Fortsetzung.

Goldener Käfig

Eine gewaltige Nummer kleiner als „Dune“, trotzdem aber im Vorfeld ebenfalls mit viel Erwartung belastet, war „Spencer“ von Pablo Larraín. Kristen Stewart spielt darin die unglückliche Lady Diana, die zu einer dreitägigen Weihnachtsfeier nach Sandringham zur königlichen Familie und ihren Kindern aufbricht und danach beschließt, ihr Leben zu ändern.

Bereits mit seinem Witwenporträt „Jackie“ hat Larraín ein Händchen dafür bewiesen, populären Mythen wie Jackie Kennedy seinen eigenwilligen Stempel aufzudrücken. Mit „Spencer“ ist ihm dies weniger gelungen, vielleicht auch deswegen, weil das Leben von Diana Spencer – nicht zuletzt durch eine Serie wie „The Crown“ – bis in den letzten Winkeln hinein ausgeleuchtet scheint.

Die Besetzung von Kristen Stewart als Prinzessin von Wales erwies sich als hervorragende Entscheidung. Mit leicht geneigtem Kopf und hochgezogener Schulter, sieht Stewart ihrem Vorbild zum Verwechseln ähnlich und bietet den strikten Reglements der königlichen Etiketten eigensinnig die Stirn, wenngleich mit zunehmender Verzweiflung. Jeder Anlass – Frühstück, Kirchgang, Tee, Dinner – verlangt seine eigene Garderobe, die – penibel beschriftet – von der Kammerzofe vor Diana ausgebreitet wird. Diese verwechselt absichtlich die Kleider oder zögert ihr Zusammentreffen mit der königlichen Familie durch ausgedehnte Klogänge und Flucht in den Garten immer wieder möglichst lang hinaus.

Der oft wiederholte Satz der Dienerschaft „Alle warten auf dich“ bekommt dabei manchmal fast Thrillerspannung. Und wenn die Kammerzofe die Vorhänge von Dianas Schlafzimmer zunäht, damit sie kein Fotograf beim Umziehen beobachten kann, dann wird die Metapher vom goldenen Käfig mehr als augenfällig. In seltsam bleichen und glanzlosen Farben entwirft Pablo Larraín das Bild einer Frau, dem er trotz einiger überraschender Ideen letztlich wenig neue Facetten hinzufügen kann.

Der Regisseur sagte bei der Pressekonferenz zu „Spencer“, er habe einen Film machen wollen, der seiner Mutter gefiele. Das ist ihm auf jeden Fall gelungen.

Und noch eine gute Neuigkeit gibt es von dem Filmfestival in Venedig zu berichten: Bis zum Wochenende wurde noch kein Besucher positiv auf Covid getestet.

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