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Kultur
04/07/2019

Bestsellerautorin Jung Chang: In China wird "der falsche Mythos Maos weitergetragen"

Jung Chang („Wilde Schwäne“) spricht bei „4gamechangers“ über China: "Die Geschichte wird dort seit 100 Jahren verfälscht.“

von Georg Leyrer

Wo immer es um Innovation geht, um Weltpolitik oder um einen Blick auf das, was morgen sein könnte, kommt man an einem Thema nicht vorbei: an China, dem Land, das im Begriff ist, zur weltweit führenden Digitalmacht aufzusteigen.

So auch beim „4gamechangers“-Digitalfestival, das kommende Woche (9. bis 11. April) wieder von Puls4 ausgerichtet wird. Dieses hat sich das Thema „Europa trifft Asien“ gegeben – und als Speakerin u. a. die britisch-chinesische Autorin Jung Chang eingeladen.

Autobiografisch

Mit ihrem Buch „Wilde Schwäne“, einem auf den Frauenbiografien ihrer Familie basierenden internationalen Bestseller, hat Jung Chang bereits 1991 die Aufmerksamkeit auf China und seine schwierige Geschichte gelenkt. Noch heuer erscheint ihr neues Buch über die Soong-Schwestern, die in den 1930ern die chinesische Politik maßgeblich beeinflusst haben. Sie selbst ist nach dem Tod Mao Zedongs nach England emigriert – und beobachtet von dort aus, wie sich China wandelt.

„Alle meine Bücher sind dort verboten“, schreibt sie dem KURIER in einem eMail-Interview. „Ich kann dort nicht frei reisen. Ich darf ein Mal pro Jahr für 15 Tage meine Mutter besuchen.“

Und trotzdem: Die Menschen dort haben im Vergleich zu ihrer Jugend in der Mao-Zeit „ein unvergleichlich besseres Leben und unvorstellbare Freiheiten“. Sie merke jedoch auch „Unterdrückung und Angst. Und ich bin frustriert, dass das Land sich nicht von den schrecklichen alten Tagen abwendet.“ Und in den vergangenen Jahren habe sich, sagt Jung Chang, die Kontrolle stark verschärft.

Die Autorin hat in „Wilde Schwäne“, aber auch in ihrer Mao-Biografie von diesen Tagen berichtet. „Während der Kulturrevolution in den 1960ern“, schreibt sie nun, „wurden die meisten Bücher, die die Menschen besessen haben, verbrannt. Mein Vater, der ein kommunistischer Funktionär war, aber dann fallengelassen wurde, wurde gezwungen, seine geliebte Sammlung zu verbrennen. Das war eines der Dinge, die ihn in den Wahnsinn trieben – und dann in den Tod.“

Dieses Leid zu sehen, habe „lebenslange Spuren“ in ihr hinterlassen. Sie selbst hat an ihrem 16. Geburtstag ihr erstes Gedicht geschrieben – und „musste es in der Toilette runterspülen, weil die Rote Armee in unsere Wohnung eindrang“.

Dadurch „entflammte ironischerweise meine Leidenschaft, zu schreiben, obwohl ich nur in meinem Kopf mit einer vorgestellten Feder schreiben konnte“.

Verfälschte Geschichte

In Wien spricht Jung Chang zum Thema „China – der sich schnell bewegende Gigant“. „Meine Bücher waren ein Versuch, einige Fakten über die jüngste chinesische Geschichte zu verbreiten“, sagt sie. „Aber die Geschichte wird dort seit 100 Jahren verfälscht.“

Bis heute würde in dem Land „der falsche Mythos Maos weitergetragen Maos Porträt und seine Leiche dominieren immer noch den Platz des Himmlischen Friedens.“

Sie selbst kam als Studentin nach England – und blieb dort: „Ich liebe Großbritannien und bin traurig, dass das Land durch den Brexit auseinandergerissen wird. Aber ich habe großes Vertrauen in diese alte Demokratie und darauf, dass sie sich durchlavieren wird.“

Die Digitalkonferenz 4gamechangers

Beim 4gamechangers-Festival  (9. bis 11. April, Marx Halle, Wien) geht es heuer um Europa und Asien. Unter den Rednern sind u.   a. der Erfinder Ray Kurzweil, der Aktivist und Clown „Patch“ Adams (bekannt aus dem Film mit Robin Williams), Meredith Broussard, Forscherin im Bereich Künstliche Intelligenz, und die Unternehmerin Sahar Hashemi. Das Programm ist aufgeteilt in einen Startup-Tag, einen Tag für die junge Generation und den „Gamechanger“-Tag.

Jung Chang Die britisch-chinesische Autorin wuchs während der Kulturrevolution in China auf. Mit dem autobiografischen Buch „Wilde Schwäne“ (1991) schrieb sie einen Bestseller. Demnächst erscheint auf Englisch ihr neues Buch rund um die Soong-Schwestern, die die 1930er in China politisch prägten.

 

 

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