© APA/AFP/University of Aberdeen/KALYAN VEERA

11/25/2021

Benin ist nicht Benin, und Rückgabe ist nicht Rückgabe

Geraubtes Kulturgut aus einstigen Kolonien wird nun vermehrt retourniert. Der Prozess bleibt komplex

von Michael Huber

Gemessen daran, wie unendlich zäh Restitutionen von geraubten Kulturgütern gewöhnlicherweise ablaufen, schienen sich die Ereignisse zuletzt beinahe zu überschlagen: Am Montag gab das Metropolitan Museum in New York zwei Bronzeplatten aus dem ehemaligen Königspalast von Benin City (im heutigen Nigeria) sowie einen Bronzekopf aus dem 14. Jahrhundert an die nationale Denkmal-Behörde Nigerias (NCMM) zurück.

Knapp zwei Wochen zuvor hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron 26 Kulturgegenstände aus dem „Musée du Quai Branly“ an den Präsidenten der unabhängigen Republik Benin – nicht zu verwechseln mit Benin City in Nigeria – überantwortet.

Doch die Herausforderung, zwei Benins auseinanderzuhalten, ist nicht die einzige in jenem Prozess, der Wunden des Kolonialismus heilen und idealerweise zu echter Verständigung beitragen soll. Denn nach wie vor stehen einander eine Vielzahl von Institutionen, Regelwerken und interessierten Parteien gegenüber.

Bronze-Standard

Die „Benin-Bronzen“ sind jene Objektgruppe, über die derzeit – zumindest medial – hauptsächlich diskutiert wird. Gemeint sind jene geschätzt rund 4.000 Figuren und Tafeln, die im 16. Jahrhundert entstanden und 1897 von britischen Soldaten bei einer „Strafexpedition“ in der Stadt Edo – dem heutigen Benin City, Nigeria – entwendet wurden.

Sie gelangten in den Kunsthandel und in diverse Museen, wobei die größten Bestände in der „Stiftung Preußischer Kulturbesitz“ und dem British Museum lagern. Auch das Weltmuseum Wien besitzt Objekte.

Einzelne Institutionen – neben dem Metropolitan Museum zuletzt auch das US-amerikanische Smithsonian-Museum oder die Universität von Aberdeen in Schottland – tun sich nun leichter, Rückgaben per Gremiumsbeschluss zu veranlassen. Sind die Institutionen – wie in Österreich – lediglich Bewahrer nationalen Eigentums, müssen Staaten erst Gesetze verabschieden.

Deutschland verkündete im vergangenen April eine Art Fahrplan, um bereits 2022 „substanzielle Rückgaben“ von Benin-Bronzen zu ermöglichen.

Wer die Objekte am Ende in Empfang nimmt und weiter betreut, bleibt aber eine haarige Geschichte. Die 2008 gegründete Benin-Dialoggruppe unterstützt den Aufbau des „Edo Museum of West African Art“ in Benin City, das 2025 eröffnen soll. Die wesentlichen Kräfte sind hier an Bord. Doch macht es einen Unterschied, ob eine Rückgabe an eine Staat, eine Behörde (wie im Fall des Met Museums) oder – wie im Fall Aberdeen – an einen Nachfahren der ursprünglichen Königsfamilie geht.

Österreich baut an einem ganzheitlichen Ansatz und stellte den Bundesmuseen für 2021/’22 zusätzlich zur Basisabgeltung insgesamt 320.000 Euro für Forschungsprojekte zur Verfügung. „In Bezug auf die Schaffung gesetzlicher Rahmenbedingungen für potenzielle Rückgabeforderungen wird derzeit an einem Konzept gearbeitet“, heißt es auf Anfrage aus dem Kulturministerium. In Zusammenarbeit mit dem neuen Weltmuseum-Direktor Jonathan Fine werde zudem eine Expertenkommission eingerichtet: Details dazu will man in den kommenden Wochen bekannt geben.

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