Clara Liepsch, Karola Niederhuber, Vera von Gunten und Sophia Löffler.

© Schauspielhaus/Matthias Heschl

Kritik
12/31/2021

"Bataillon" im Schauspielhaus Wien: Nur schwer bühnentauglich

Enis Macis "Bataillon" feierte im Wiener Schauspielhaus österreichische Erstaufführung. Ein schwieriger Abend.

von Marco Weise

Prolog: Das Wiener Schauspielhaus nimmt sich seit geraumer Zeit ja gerne Stücken an, die man mit dem Prädikat „schwierig“, oder freundlicher gesagt, „anspruchsvoll“ umschreiben kann. Als Zusehender, der sich vor dem Theaterbesuch nicht wochenlang mit den in den Stücken verhandelten Themen auseinander gesetzt hat, Fachliteratur sowie weiterführenden Links studiert und Proseminare dazu besucht hat, ist man am Ende einer Aufführung gerne einmal ratlos, überfragt – und dezent überfordert. Denn das Gesehene, die Eindrücke, Gedanken, Ideen, Fragen und persönlichen Anliegen der Autorinnen und Autoren, die einem - ohne Zweifel - von den Schauspielerinnen und Schauspielern mit Euphorie und Leidenschaft, Engagement und Mut dargeboten werden, verlaufen sich auf der Bühne leider oft: Sie sind zu abstrakt, nebulös, wollen zu viel auf einmal und wirken am Ende immer etwas zu gewollt.

Da macht „Bataillon“, das neue Stück der Autorin Enis Maci, geboren 1993 in Gelsenkirchen, in der Inszenierung von Milena Michalek keine Ausnahme. Nach rund 90 Minuten hat man zwar viel gesehen, auch Gutes, vor allem toll Gespieltes, aber auch viele Längen durchwandert.

Auf der kargen Bühne im Wiener Schauspielhaus dominiert ein alter hölzerner Webstuhl das Geschehen. Er ist Dreh- und Angelpunkt der Schauspielerinnen, die viele Geschichten zu erzählen haben: „Zu unseren Lehrerinnen“, so die Darstellerinnen unisono, zählen Weberinnen in der Ukraine, die im Untergrund Tarnumhänge aus Kartoffelsäcken und Lumpen für die Soldaten nähen. Erwähnt werden aber auch Eleanor Roosevelt, Ada Lovelace, Luise Meier, Natascha Kampusch und Monica Lewinsky, die im Stück einen Friseursalon betreibt. 

Die meiste Zeit sprechen Vera von Gunten, Clara Liepsch, Sophia Löffler, Karola Niederhuber im Gleichklang – eine enorme Herausforderung, die auch glückt. Applaus dafür.

Sie verweben „eine Verbindung zwischen toten Revolutionärinnen, vergessenen Pionierinnen und zukünftigen Hoffnungsträgerinnen. Und die Gegenwart lauert dazwischen irgendwo“, heißt es im Pressetext. Irgendwo dazwischen versteckt sich dann auch die Handlung. Und so treibt man orientierungslos zwischen den Schauplätzen umher, auf denen die Unterdrückung und Ausbeutung der Frauen quer durch alle Zeiten thematisiert werden. Diese kurzen Personenporträts dieser Pionierinnen gehen aber über Namedroping kaum hinaus. 

Der Text von Enis Maci mag zwar clever und relevant und zeitgemäß sein, vielleicht etwas fürs Feuilleton, aber bühnentauglich ist er nur bedingt.

Die nächsten Vorstellungen: 5., 8., 12. Jänner – jeweils ab 20 Uhr. Mehr Infos unter schauspielhaus.at

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