Autoren entsetzt über "Menschenjagd" auf Sargnagel

Stephanie Sargnagel
Foto: KURIER/Franz Gruber Mit Vergewaltigung bedroht: Stefanie Sargnagel

Gerhard Ruiss, Sprecher der IG Autorinnen Autoren, verurteilt in einer Aussendung die Hetze gegen Stefanie Sargnagel, Maria Hofer und Lydia Haider. Die Literaten fordern Konsequenzen.

Seit Tagen wird gegen die Autorinnen Stefanie Sargnagel, Maria Hofer und Lydia Haider wegen ihrer Reisetagebuchaufzeichnungen von der Kronen Zeitung bis zu rechten Medienseiten und in sozialen Netzwerken gehetzt (mehr dazu hier). Gerhard Ruiss, Sprecher der IG Autorinnen und Autoren, ergriff nun in einer Aussendung Partei für die drei Autorinnen. Sein Befund: "Es ist schlecht bestellt um das politische, gesellschaftliche und kulturelle Klima in Österreich."

Denn, so Ruiss: "Redakteure, die offensichtlich sowohl alle literarischen als auch alle Entwicklungen in der Pop-Musik in den letzten Jahrzehnten versäumt haben, Biographisches von Fiktionalem und Berichterstattung von Satire nicht unterscheiden können und sicher nie etwas von Nonsens, Trash und ähnlichen Textkategorien gehört haben, werfen den Autorinnen vor, zehn Tage lang im islamischen Marokko mit Sex, Drogen und Alkohol auf Kosten der Steuerzahler" (insgesamt 1500 Euro aus den Mitteln der Literaturförderung) verbracht zu haben.

Literaturförderung muss begründet sein

Literaturförderungen würden aber, meint Ruiss, nur zur Umsetzung von literarischen Projekten vergeben: "Sie müssen begründet und belegt werden. Kein Autor bzw. keine Autorin erhält irgendeine öffentliche Unterstützung, um einen Reisebericht von einem Urlaubsziel abzuliefern."

Ruiss ist entsetzt: "Ein außer Rand und Band geratener Mob bedroht die Autorinnen mit Vergewaltigung und Tod, in einer mittlerweile bewährten Zusammenarbeit zwischen Kronen-Zeitungs-Empörungen, rechten Netz(werk)seiten-Berichten und Hasspostern." Die Kärnten-Krone habe Sargnagel überhaupt gleich als „willig“ mit Angabe ihrer Klagenfurter Adresse, wo die Bachmann-Publikumspreisträgerin derzeit Stadtschreiberin ist, zum Abschuss freigegeben. "Das sprengt alle Grenzen einer vielleicht noch irgendwie verstehbaren Aufregung und vertretbaren Auseinandersetzung", so Ruiss abschließend. "Das ist Menschenjagd."

"Kompromisslose Zurückweisung"

Die IG Autorinnen Autoren fordert "die kompromisslose Zurückweisung dieser sowie aller Einschüchterungsversuche von Autorinnen und Autoren". Und: "Wir fordern die konsequente Verfolgung all derjenigen, die unsere Kolleginnen mit Vergewaltigung und/oder dem Tod bedrohen. Wir fordern von Facebook Aufklärung, warum Stefanie Sargnagel gesperrt wurde. Wir fordern die Rückzahlung von Förderungen für Medien mit einer solchen verantwortungslosen Berichterstattung."

Auch beim Wartholz Literaturwettbewerb in Reichenau war die Hetze gegen die drei Autorinnen Thema. Bei der Preisverleihung rief Moderatorin Mari Lang zur Solidarität mit Stefanie Sargnagel, Lydia Haider und Maria Hofer auf, die "aufs Übelste diffamiert" würden. Dem Aufruf schloss sich u.a. auch Landtagsabgeordneter Hermann Hauer (ÖVP) an.

Den mit 10.000 Euro dotierte Wartholz-Literaturpreis gewann übrigens der Schweizer Schriftsteller Cedric Weidmann mit dem Prosatext "Kinder klauen", der - so die Jury - "eine Persiflage auf die Brutalität und Brüchigkeit gesellschaftlich gesichert scheinender Strukturen" darstelle.

(kurier) Erstellt am
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