Ferdinand Laufberger,  Professor für Figurenzeichnen und -malen: Entwurf für ein Bogenfenster in der Rotunde der Wiener Weltausstellung 1873  

© MAK – Museum für angewandte K/MaK

Kultur
12/13/2021

Ausstellung über "Klimts Lehrer": Wo ein Genie das Handwerk lernte

Die Schau (bis 13. 3.) im MAK Design Lab beleuchtet die Bedeutung der akademischen Ausbildung, auf deren Basis der Jahrhundertkünstler Innovatives entwickelte.

von Werner Rosenberger

Ein Schüler ist das Abbild der Qualitäten seines Lehrers. So gesehen hatte Gustav Klimt hervorragende Lehrer und Mentoren: Das Museum für angewandte Kunst (MAK), das dieser Tage sein 150-Jahr-Jubiläum feiert, holt sie mit einer Ausstellung vor den Vorhang.

Gezeigt werden rund 180 Objekte – davon 18 Frühwerke Klimts, darunter seine Zeichnung des antiken Frauenhaupts „Brunnscher Kopf“ von 1878 als früheste Arbeit.

Gegen die Salonmalerei

Der Kunsthistoriker und Kulturmanager Rudolf Eitelberger (1817–1885), expliziter Gegner von Hans Makart und „das aufgeregt theatralisch Malerische, das Hochdekorative seiner Salonmalerei“, so Gastkurator Otmar Rychlik, hatte die Wiener Kunstgewerbeschule gegründet und 1868 eröffnet, um die großen Aufgaben der Errichtung der Ringstraßenbauten zu bewältigen. Und als Ergänzung zur „damals schon etwas schwerfälligen“ Akademie der bildenden Künste, so Rychlik.

Eitelberger kritisierte Makart sogar noch in seinem Nachruf: „In die geistigen Probleme des Inhalts von Kunstwerken sich zu vertiefen ... war nicht seine Sache.“ Und ebnete mit seiner Kunstauffassung den Weg für die Idee des Gesamtkunstwerkes im Jugendstil.

Gesucht waren Künstler für die Ausstattung der Architekturvorhaben. Da bekam die Schule drei Traumschüler: Gustav Klimt, dessen Bruder Ernst sowie Franz Matsch, die sich zur Ateliergemeinschaft „Künstler-Compagnie“ zusammenschlossen.

Und wer waren die maßgeblichen Persönlichkeiten, die dem jungen Maler Lehrmeister während seiner Studienzeit von 1876 bis 1882 waren?

Über den Professor für figürliches Zeichnen Ferdi-nand Laufberger (1829– 1881) – im Paris der frühen 1860er-Jahre ausgebildet und dort mit dem Impressionismus in Berührung gekommen – soll Klimt gesagt haben: „Von ihm habe ich alles gelernt.“ Etwa die Kunst der präzisen Genremalerei, wie sie u. a. Laufbergers Gemälde „Das Blinde-Kuh-Spiel“ (1865) zeigt.

Fotorealistisch

Auf den heute fast vergessenen Tiroler Michael Rieser (1828– 1905), der als einer der fortschrittlichsten Vertreter der Kirchenkunst u. a. das Hochaltarmosaik in der Wiener Schottenkirche kreierte, geht Klimts detailgenaue, geradezu fotorealistische Zeichenkunst zurück – belegt durch sein frühes Meisterwerk „Fabel“ (1883), einen Frauenakt inmitten von Flora und Fauna.

Auch Klimts experimenteller und differenzierter Zugang zur Verwendung von Gold u. a. bei „Der Kuss“, der „Goldenen Adele“ und beim Beethovenfries hat seinen Ursprung in der Schule Riesers, der sich im Stil der Nazarener vor allem religiösen Motiven widmete.

Obwohl Klimt selbst nie religiöse Bilder gemalt hat, „ist auch seine Kunst immer spirituell, also von einer hohen Vorstellung des Menschen getragen“, so Rychlik.

Weitere Mentoren des jungen Klimt waren der Porträtist Ludwig Minnigerode (1847–1930) und der Professor für Pflanzen-, Tier- und Ornamentmalerei Friedrich Sturm (1823– 1898).

Ebenso inspirierend, in der MAK-Schau gestreift, moderne Künstler wie Anselm von Feuerbach (1829– 1880), Symbolisten wie Hans von Marées (1837–1887) und Pierre Puvis de Chavannes (1824–1898).

Pädagogen und Künstler

Sichtbar macht die Ausstellung in elf Kapiteln, dass Klimts Lehrer nicht nur Pädagogen, sondern selbst bedeutende Künstler waren. Alle hatten Aufträge für öffentliche Bauten an der Ringstraße, an und in Privatbauten und im Ausland.

Zum Beispiel sind Laufbergers figurale und dekorative Hauptwerke (teils verloren gegangene) Sgrafitto-Zyklen in den Höfen des Kunsthistorischen Museums und an den Fassaden des MAK. Im Vestibül des Palais Léon am Schottenring 17 gestaltete er die Deckenmalereien und arbeitet in Deutschland für den Architekten Paul Wallot, den Erbauer des Berliner Reichstagsgebäudes, in dem seit 1999 das Parlament tagt.

Das Kapitel „Ausklang“ am Schluss zeigt Klimt am Ende seiner Ausbildung: das Plakat zur „Internationalen Ausstellung für Musik und Theaterwesen“ 1892 in der Rotunde des Praters hat er mit seinem Bruder Ernst entworfen.

Nach Ernst Klimts frühem Tod 1892 wurde der Originalentwurf zerschnitten, erzählt Rychlik. Die Witwe erbte die attraktivere Hälfte mit den drei Musen, Gustav erhielt den Teil mit dem Götterkopf Apollos über der leeren Fläche des Sockels.

War ihm die Leerstelle Anregung, sich mit der Flächigkeit der Malerei zu beschäftigen? Jedenfalls erscheint frappant Ähnliches motivisch später noch einmal: auf dem Plakat für die 1. Kunstausstellung der Secession (1898), deren Mitbegründer Klimt ein Jahr zuvor war. Tatsächlich ist es mehr die Verkündung einer neuen Kunsthaltung als die Ankündigung einer Ausstellung. Ein Symbol für die Wiener Moderne.

„Klimts Lehrer. Jahre an der Kunst- gewerbeschule“ zeigt 18 Frühwerke Klimts  und rund 160 Ge- mälde, Grafiken und Skizzen seiner Professoren, die als Ringstraßenkünstler heute kaum noch bekannt sind.

Wann & Wo
MAK;  1., Stubenring 5, Di. 10–21 Uhr, Mi.–So. 10–18 Uhr www.mak.at

Buchtipp 
Otmar Rychlik: „Gustav Klimts Lehrer“, Edition KunstAgentur, ca. 
278 Seiten, 42 €

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