© Manfred Thumberger/Leopold Museum Wien

Kultur
02/10/2021

Ausstellung "Menschheitsdämmerung": Neue Wirklichkeit zwischen den Kriegen

Leopold Museum: 11 Künstler, mehr als 100 Gemälde mit Fokus auf die 1920er-Jahre.

Neuerwerbungen verändern immer wieder auch die Dauerpräsentation im Leopold Museum. Und jetzt wanderte ein Gemälde von Sergius Pauser hinunter in die große neue Schau „Menschheitsdämmerung“: Sie zeigt „Zwischen lyrischer Empfindsamkeit und sachlicher Weltauffassung“, so der Untertitel, mehr als 100 Ölgemälde von elf Künstlern, die in der Ersten Republik von 1918 bis 1938 einen wichtigen Beitrag zur Moderne der Malerei in Österreich geleistet haben.

„Neben dem Belvedere haben wir in dieser Periode sicher die wichtigste Sammlung aufzuweisen“, sagt Direktor Hans-Peter Wipplinger im KURIER-Gespräch. Erstaunlich vor allem: Wie breit, aber auch in die Tiefe gehend Rudolf Leopold seine Kunstsammlung angelegt hat.

Sichtbar wird nach 1918 ein Stilpluralismus, eine Abkehr von der urbanistischen Zentrierung. Einerseits gibt es noch die Fortsetzung expressionistischer Tendenzen, andererseits die Neue Sachlichkeit eines Carry Hauser.

Walde und Egger-Lienz

Mit „Menschheitsdämmerung“ nach Kurt Pintus’ Lyrikanthologie sollte aber nicht nur der Aspekt des Untergangs der Monarchie, sondern auch die Hoffnung und Neuorientierung nach dem Ersten Weltkrieg zum Ausdruck kommen.

Den Auftakt bilden Alfons Walde – keiner konnte den Schnee in seinen Weiß-Nuancierungen so brillant malen – und Albin Egger-Lienz, die das Einfache, Ländliche und Bodenständige verbindet.

Für sie gilt wie für die meisten Protagonisten dieser Periode: Die Form und die Farbe stehen mehr im Vordergrund als die Erzählung. Ganz nach Egger-Lienz: „Ich male keine Bauern, ich male Formen.“

Darauf folgen das virtuose Farbenspiel von Anton Kolig u. a. mit einem Selbstporträt; das pastose Wertheimstein-Porträt, Stillleben und das unglaublich moderne Klopeinersee-Bild von Herbert Boeckl, der sich wie auch Gerhart Frankl und Anton Faistauer – jeder auf seine Art – zunächst sichtlich am „Übervater“ Paul Cézanne abgearbeitet hat.

Spannend, wie sich bei jedem Künstler Entwicklungsphasen nachvollziehen lassen. Beeindruckend die Einfachheit, die Stille, die Harmonie bei Faistauer, dem Meister eleganter Frauenporträts.

Aufregend die Entdeckung expressionistischer und kubistischer Elemente sowie die Hinwendung zur Abstraktion bei Frankl.

Oder die Experimentierfreude von Hans Böhler, der Farbflächen zu Körpern werden lässt. Egal, ob man das jetzt expressionistischen Kolorismus oder Farbexpressionismus nennen will.

Vor dem Ausklang mit Sergius Pauser und Josef Dobrowsky ein Unikum zwischen Expressionismus, Neuer Sachlichkeit und kubistischen Ausformungen, das die Perspektiven hin- und herkippen lässt: Alfred Wickenburg.

Und als scharfer Kontrast und Vertreter der Neuen Sachlichkeit eine Klasse für sich: Rudolf Wacker, der sich selbst einmal als „Anwalt der unbeachteten bescheidenen Dinge“ und „Porträtist von Gegenständen“ bezeichnete.

Ankündigen will man nach dem Corona-Tohuwabohu konkret nichts mehr. Nur so viel: Die Ausstellung läuft voraussichtlich bis Ende Mai.

 

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