Verteidigt die Schließung des Burgtheaters bis zum September: Andrea Mayer

© Kurier/Juerg Christandl

Interview
04/24/2021

Andrea Mayer: „Wir leben eben noch immer in der Pandemie“

Die Kulturstaatssekretärin freut sich über die Öffnungsschritte ab 19. Mai, macht aber keine großen Hoffnungen für Open-Air-Konzerte

von Thomas Trenkler

Die Regierung präsentierte die Freiheiten, die es ab 19. Mai geben werde, am Freitag im Corps de Logis der Hofburg – und damit im Weltmuseum. Auf die Museen aber (in Wien weiterhin geschlossen) ging Vizekanzler Werner Kogler nicht ein. Und auch Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer beschränkte sich in einer Aussendung damit, dass man „nach sehr langer Zeit wieder Kunst und Kultur live erleben können“ werde.

Genehmigte Veranstaltungen mit Sitzplätzen dürfen zwar outdoor von maximal 3.000 und indoor von maximal 1.500 Personen besucht werden, die Auslastung aber darf nur 50 Prozent betragen. Kein einziges Theater kann dies ausreizen. Das Burgtheater verspürt keine Lust, sich zu beugen: Unmittelbar nach der Pressekonferenz gab Direktor Martin Kušej bekannt, erst im Herbst aufzusperren. Man nehme die „geplante und dringend notwendige Sanierung des Zuschauerraums“ in Angriff – nach einer Schließzeit von einem halben Jahr. 

An Veranstaltungen ohne Sitzplätze dürfen – egal wo – maximal 50 Personen teilnehmen. Klassische Rockkonzerte sind mithin weiterhin unmöglich. Sperrstunde ist um 22 Uhr. Die Regeln gelten einmal bis 1. Juli – und sind nicht in Stein gemeißelt: Vielleicht müsse nachgeschärft werden, sagte Kogler.

Im Gespräch mit dem KURIER nimmt Mayer zu den Öffnungsschritten Stellung. 

 

KURIER: Die Regierung verkündete am Freitagnachmittag, dass die Veranstaltungsstätten am 19. Mai wieder aufsperren dürfen. Wenige Minuten später gab das Burgtheater bekannt, dass Mitte Mai Baumaßnahmen starten. Das Staatstheater bleibt also zu. Was ist das? Ein Affront?

Andrea Mayer: Nein, das ist kein Affront. Das Burgtheater hat nicht damit gerechnet, dass es noch im Mai Öffnungsschritte gibt. Aber weil die Sanierungsarbeiten im Zuschauerbreich vorgezogen werden, kann das Haus im Herbst zwei Wochen früher öffnen. Also Anfang September.

Die Theaterferien dauern bis Ende August. Die Burg könnte jedes Jahr mit 1. September aufsperren.

Die Arbeiten hätten ansonsten bis Mitte September gedauert. Im Herbst früher aufzusperren, ist sinnvoll. Denn man geht davon aus, dass dann höhere Besucherzahlen möglich sein werden. Aber das zweite Haus der Burg, das Akademietheater, öffnet sehr wohl mit 19. Mai. Bis zur Sommerpause soll es fünf Premieren geben.

Die Pressekonferenz fand im Corps de Logis der Hofburg, also im Weltmuseum, statt. Aber auf die Museen und Ausstellungshäuser ist Ihre Vizekanzler mit keinem Wort eingegangen.

Weil sie ja geöffnet sind – außer in Wien und Niederösterreich. Ich gehe davon aus, dass sie zeitgleich mit dem Handel geöffnet werden. Also am 3. Mai.

Unmittelbar vor der Pressekonferenz gab der Wiener Bürgermeister ein Statement ab. Das Lockdown-Ende sei noch nicht fix.

Die Regierung gibt einen bundesweiten Rahmen vor, aber natürlich haben die Bundesländer die Kompetenz, eigene Maßnahmen zu ergreifen.

Das heißt, dass der Bürgermeister bestimmt, wann die Museen öffnen dürfen?

(Sie lacht herzhaft auf.) Er ist ein sehr kulturaffiner Mensch. Und es ist schon seit Monaten fixiert, dass die Museen im Gleichklang mit dem Handel geöffnet werden. Am Freitag ging es um die Bereiche, die bundesweit schon seit Monaten geschlossen sind. Ich habe mich in den letzten Monaten auf nichts mehr gefreut als auf diesen ersten Öffnungsschritt, mit dem wir der Kunst- und Kulturszene eine Perspektive geben können. Er wird uns physisch und psychisch guttun!

Bis zu 1.500 Personen indoor und 3.000 Personen outdoor klingt zwar super. Aber die Einschränkungen sind massiv: nur bei Bestuhlung – und bis zu maximal 50 Prozent der Kapazität. Das heißt: Wirtschaftlich erfolgreiches Veranstalten ist nicht möglich.

Wir leben eben noch immer in der Pandemie. Seien wir froh, dass ein großer Öffnungsschritt möglich ist! Er bietet den Künstlern die Möglichkeit, wieder mit dem Publikum energetisch in Kontakt zu treten und auch Applaus zu ernten. Ja, wirtschaftlich ist das nicht einfach. Aber die Hilfsmaßnahmen laufen weiter, sie wurden bis Ende Juni verlängert und sind ja nicht davon abhängig, ob offen oder geschlossen ist, sondern vom Umsatzentfall. Alle Künstler, mit denen ich gesprochen habe, freuen sich uneingeschränkt über diesen Schritt.

 

Das Publikum muss geimpft oder getestet sein. Der Direktor des Theaters in der Josefstadt wollte kein Blockwart der Regierung sein – und lehnte Kontrollen ab. Wie wird man nun vorgehen?

Herbert Föttinger hat mittlerweile eingesehen, dass die Teststrategie sehr positiv ist, weil sie vieles möglich macht. Die Kulturbetriebe und Veranstalter haben immer wieder betont, dass sie bereit sind zu kontrollieren.

Und wenn sie nicht kontrollieren? Welche Strafen drohen?

Ich bin nicht der Innenminister und auch nicht der Gesundheitsminister. Die Bewilligung der Konzepte – also inklusive der Umsetzung der Eintrittstests – liegt bei den Gesundheitsbehörden, die Kontrolle in der Praxis bei der Exekutive. Aber ich weiß, dass die Kulturbetriebe sehr konstruktiv sind und tolle Präventionskonzepte haben. Man wird kontrollieren! Da habe ich keine Zweifel!

Der Plan soll bis 1. Juli gelten. Und danach? Die Festspiele müssen langsam wissen, was möglich sein kann …

Ja, es ist wichtig, den Festivals Planungssicherheit zu geben. Wir wollen noch im Mai kommunizieren, welche Rahmenbedingungen über den Sommer gelten. Ich hoffe, dass wir Schritt für Schritt zu einer Normalität zurückkehren können. Aber natürlich ist klar, dass ein großes Festival mit 100.000 Leuten im Juli sehr unwahrscheinlich ist.

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