© ORF/Thomas Ramstorfer

Kultur
08/12/2019

Abbruch! Wrabetz lässt ORF-Gebäude öffentlich schleifen

Analyse: Der ORF-Chef ließ den Bagger auffahren und inszenierte Fotos für die Ewigkeit

von Philipp Wilhelmer

Das lästigste Problem bei der Berichterstattung über den ORF ist stets die Bebilderung. Das ORF-Logo in der vierhundersten Variante, das Zentrum am Küniglberg zum x-tem Male, den Generaldirektor... In einer von Bildern dominierten Welt ist es nicht immer einfach, über den Öffentlich-Rechtlichen optisch adäquat zu berichten.

Zum Glück gibt es da die Baustelle. Als das Bauteil eins (das Herzstück des ORF) eingerüstet war, taugte das als ein Gleichnis für einen ORF in herausfordernden Zeiten. Die Struktur musste umgebaut werden? Heraus mit den Baustellen-Fotos. Die Quoten schwächelten? Ein zerrupfter Bauvorhang, dahinter ein ORF-Auge – die Message war klar: Krise.

Dabei hatten die richtigen Bauarbeiten nach langem Hin und Her samt Redimensionierung des Gesamtprojektes (Anrainerbeschwerden, hohe Kosten...) noch gar nicht begonnen. Am Montag war es dann soweit: Der Generaldirektor ließ die Hütte abreißen, beziehungsweise sehr marode wirkende Teile davon.

Höchstpersönlich stand Alexander Wrabetz mit weißem Vorarbeiterhelm samt ORF-Logo, die Augen beschattet von dunklen Gläsern im ORF-Zentrum und ließ Journalisten dabei zuschauen, wie ein Bagger einen Betonbau abriss.

Symbol wofür?

Man will gar daran denken, diese Bilder einmal für eine sinnbildliche ORF-Story verwenden zu müssen. Der Generaldirektor schuf mit dem Medientermin jedenfalls Bleibendes: Ein Sujet eines immer wieder umstrittenen Entscheidungsträgers, der sein eigenes Haus demolieren lässt, gab es bisher noch nicht. „Ein symbolträchtiger Akt“, bekundete Wrabetz.

Symbol ja, aber wofür? Die geschliffene Mauer steht laut ihm für „neues Arbeiten und Zusammenarbeiten“ – denn auch im ORF hat der Trend zum Großraumbüro ohne Wände weiter Bestand.

Oder aber: Bevor etwas Neues kommt, muss das Alte Platz machen. Wrabetz’ „Mediencampus“ soll bis Ende 2021 allen ORF-Sendern eine gemeinsame Heimat bieten – im Zentrum steht ein gemeinsamer, multimedialer Newsroom.

300 Millionen Euro sind für das gesamte Projekt beantragt. Vorerst werden dazu alte Lager- und Werkstatthallen abgerissen. Der Küniglberg wird noch stärker zur Zentrale. Das in Heiligenstadt beheimatete Ö3 wird ebenso dorthin wandern wie Ö1 und FM4, die derzeit im Funkhaus residieren.

Ein Abbruch des gesamten ORF stand übrigens nie zur Debatte, nicht einmal bei der FPÖ. Und die Anrainerbeschwerden sind auch ausgeräumt, sagte Wrabetz. Nach den heutigen Bildern würde sich aber eh keiner mehr mit ihm anlegen.