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Kultur
05/19/2019

150 Jahre Staatsoper: Holender - "Schon die Eröffnung war mehr Leid als Freud"

Ioan Holender war von 1992 bis 2010 Staatsoperndirektor.

Schon die Eröffnung 1869 war mehr Leid als Freud.

Die zwei Architekten wurden so lange malträtiert wegen des neuen Gebäudes, bis sich einer von ihnen umbrachte. Mozarts „Don Juan“, natürlich in deutscher Sprache, wurde nicht weniger kritisiert als der Bau selbst. Für Mozart zu groß – was ja bis heute stimmt – für Meyerbeer aber zu klein. Der Hofoperndirektor war unwichtig und machtlos, die kaiserliche Generalintendanz alles entscheidend.

Dann kam endlich einer, der etwas wollte – Gustav Mahler. Von seinem Ruf zehrt „das Haus“ noch heute. Sein Kampf für Qualität auf der Bühne und im Orchestergraben, für neue Opernwerke und eine mögliche demokratische Ordnung in der bereits zerfallenden politischen Ordnung der Kaiserzeit kostete ihn den Posten und auch die Gesundheit.

Aus der hoflos gewordenen Hofoper wurde bald das „Operntheater“. Dann ist aus dem Staat die Ostmark geworden, und eine Ostmarkoper wollte man doch lieber nicht, wenn auch manche in der Reichshauptstadt Berlin dies gerne gehabt hätten.

Weltweit gesehen wichtig wurde das Haus am Ring bis zum Kriegsende 1945, außer der kurzen Mahlerzeit, nie. So wie die Ostmark ja nur das Anhängsel war, war auch das Operntheater, trotz Bemühungen von Lokalmatadoren wie Schirach, weniger geachtet als Berlin oder sogar München. Nicht zufällig schickte man Wien nur den Grazer Karl Böhm aus Dresden als Chef, während Clemens Krauss von Wien nach München ging und die Größten in Berlin tätig waren.

Endgültig verloren

Wir sollten auch heute, 150 Jahre nach der Gründung der Staatsoper, nicht unerwähnt lassen, was „das Haus“ nach dem 13. März 1938 unwiederholbar und endgültig verloren hat. Verbotene Komponisten wurden auch später vergessen und kaum mehr aufgeführt. Die entlassenen Dirigenten, Sänger, Orchestermitglieder und anderen Mitarbeiter, welche den siebenjährigen Terror überlebten, wurden kaum zurückgeholt. Es war die Zeit des gleitenden Überganges. Durch die Zerstörung des Hauses im März ’45, als die Oper mitten in der Stadt als Ruine dastand, wurde sie plötzlich zu einem Symbol Wiens. Als ob es erst der abgebrannten Oper bedurfte, um den Wienern bewusst zu machen, dass es vorbei war mit der Herrlichkeit.

Dann waren sich fast alle einig, dass man „unsere Oper“ wiederaufbauen musste, und zehn Jahre danach war sie auch wieder da. Damit aber nicht alles so plötzlich anders werde, holte man den damaligen Ostmarkdirektor wieder zurück, doch auch diesmal blieb er nicht lange. Und während der Zeit seines wirklich außerordentlichen Nachfolgers, sowohl als Musiker als auch als Leitfigur – Herbert von Karajan – ist die Staatsoper wieder das geworden, was sie zu Zeiten Mahlers anstrebte, mit dem wesentlichen Unterschied, dass dies durch die modernen Kommunikationselemente wie Schallplatten, Radio, Film und Fernseher weltweit bekannt wurde.

Doch auch Karajans Herrlichkeit dauerte nicht allzu lang, wie so ziemlich alles, was in Österreich gut ist. Er wurde durch die neue demokratische – „Gewerkschaft“ genannte – politische Macht vertrieben. Der Rest ist bis heute noch in frischerer Erinnerung, vom Wunschdenken der Geschichte vernebelt. Ob unter der Leitung eines Österreichers, Deutschen, Amerikaners, Rumänen oder Franzosen – die Staatsoper in Wien war und ist ein Attraktionspunkt für auch nicht opernaffine Besucher.

Die Republik wurde in den letzten Jahrzehnten international wenig beachtet, die Staatsoper blieb aber auch im Wandel der Zeit irgendwie doch die Staatsoper. Mal besser, mal weniger gut, aber doch, die Staatsoper ist die Staatsoper.

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