Über den Tellerrand
04/19/2020

Wer kocht wirklich gerne, wenn er ständig kochen muss

Es ist selbst für einen ambitionierten Hobbykoch unmöglich, sieben x drei Mahlzeiten zuzubereiten.

von Axel Halbhuber

Mir gibt das Interview mit der Frau zu denken, die ein Kochbuch darüber schrieb, dass sie nicht gerne kocht (siehe hier). Lesen Menschen, die nicht gerne kochen, gerne über das Kochen? Und über das Nicht-gerne- Kochen. Vielleicht darüber doch schon wieder, Minus und Minus ergibt Plus, wobei man ja nicht einmal mehr weiß, ob man Mathematikern glauben soll, nachdem ihre C-Berechnungskurven gerade exponentiell in Misskredit gebracht werden.

Ich glaube übrigens, dass Mathematiker sehr gerne kochen, da halte ich nichts von den gängigen Nerd- Klischees, ich glaube sogar, die kochen richtig gut.

Ich kann nicht genug kochen

Genau weiß ich das aber nicht, weil ich keinen Mathematiker kenne. Genauso, wie ich derzeit bemerke, dass ich nur wenige Rezepte kenne, und da geht es mir wahrscheinlich wie vielen: Im normalen, C-freien Alltag reichen für das Zurschaustellen des eigenen Kochtalents drei bis vier Speisen. Öfter kommen zu beeindruckende Bekannte nicht zum Essen, und die Freunde, die regelmäßig am eigenen Tisch sitzen, haben entweder eine Lieblingsspeise unter dieser kleinen Auswahl, oder es ist ihnen wurscht, was zum Wein gereicht wird.

Aber derzeit komme ich drauf, dass drei bis vier Speisen zwar reichen, um das Bild des engagierten Hobbykochs aufrechtzuerhalten, aber keinen Wochenplan füllen. Mit drei Speisen ist man im Bleib-daheim-Rhythmus (Mittagessen kochen – abservieren – Geschirrspüler – Abendessen kochen – abservieren – Geschirrspüler – ...) Dienstagmittag fertig, um es mit Michael Häupl zu sagen.

Tiefkühllasagne ist am schlimmsten

Man sucht also Rezeptideen, Kompensation durch Inspiration, und merkt bald, dass inspirieren und transpirieren verdammt verwandt sind, weil kaum etwas anstrengender ist, als ein perfekt inszeniertes Food-Blogger-Food nachzubasteln. Noch nie hat ein Essen auf dem eigenen Teller so ausgesehen wie in dem Facebook-Post und irgendwo zwischen Verzweiflung und Scheitern geschieht es: Man merkt, dass man gar nicht so gerne kocht. Dass einem das Gekoche nur durch jahrelange Fernseh-Kochshows und Jamie-Hypes und Do-it-yourself-Lawinen eingeimpft wurde. Man erinnert sich an das Kochbuch-Geschenk, das es damals in der Jugend ein Jahr lang nicht aus dem Zellophan schaffte.

Damals, als Kochen einem einzigen Sinn unterworfen war: satt zu werden. Beim Erwachsenenwerden hat sich das geändert, vielleicht wegen des Bonuspunkte-Messerblocks im Supermarkt oder wegen der Tiefkühllasagne von ebendort. Nichts ist weiter von echtem Essen weg als Tiefkühllasagne.

Aber jetzt regiert der Küchenpragmatismus. Keine Schnörksel. Nur Nudeln und Paradeiser, die eine Stunde lang gemeinsam mit einer Zwiebel schmoren. Das Ergebnis wird Sie überraschen.

axel.halbhuber@kurier.at

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