Kolumnen
05/04/2019

Leider, ich bin kein Italiener

"ÜberLeben": Nach einer Woche Aufenthalt in Rom und ein oder zwei Bieren bilde ich mir dann ein, Italienisch zu verstehen.

Ich komme in meinem römischen Hotel an, nenne an der Rezeption meinen Namen und es passiert, was in Italien immer passiert: Ich werde mit offenen Armen und einem begeistert klingenden italienischen Wortschwall empfangen. Und ich muss dann immer sagen, dass ich ganz terribel sorry bin, but leider kein Italian speeke oder unterstande. Mein Name klingt italienisch, ich habe auch viele Verwandte dort, aber ich bin kein Italiener, mein Vater ist keiner, mein Großvater war keiner und dessen Vater auch nicht.

(Falls Sie meine Familiengeschichte zu Recht uninteressant finden, überspringen Sie einfach diesen Absatz in der Klammer. Mein Großvater hat ein Leben lang Familienforschung betrieben und die Familie tatsächlich bis ins Jahr 1264 zurück verfolgen können. Damals siedelte sich ein kleiner Mann, der aus dem Osten kam, in Norditalien an. Man nannte ihn Tartarino – kleiner Tatare. Sein Sohn hieß Otto, und nach ihm heißt die Familie seitdem Tartarotti. Wenn ich mich erinnere, hatten sie zuerst eine Burg und dann viele Weingärten und zu viele Kinder, dadurch hatten sie bald gar nichts mehr und zerstreuten sich in alle Welt. Aber einer von uns kämpfte gegen den Hexenwahn und bekam von Maria Theresia ein Wappen.)

Ich komme mit Englisch ganz gut durch in Italien. Man muss es nur mit italienischem Akzent aussprechen, dann bekommt man auch Antwort. Das klappt  sogar in Frankreich – einfach das Englisch französisch klingen lassen, dann ist einem niemand böse.

Ich spreche zwar kein Italienisch, aber ich höre der Sprache gerne zu, weil sie wie Musik klingt, und ich liebe es, die Italiener zu beobachten, wie sie mit Händen und Füßen und dem ganzen Körper sprechen. Nach etwa einer Woche Aufenthalt  und ein oder zwei Bieren im Blut bilde ich mir dann ein, die Sprache zu verstehen, und nach noch einer Woche würde ich wahrscheinlich beginnen, plötzlich Italienisch zu sprechen. Aber so lange war ich noch nie dort.