Kolumnen
02/03/2019

"Tagebuch": Als Kritik auf keine Kuhhaut ging

Auch Svindal entschloss sich fürs Karriereende, damit er als 40-, 50-Jähriger noch ohne Krücken gehen kann.

von Wolfgang Winheim

Am Dienstag wird die Ski-WM 2019 mit dem Damen-Super-G in Åre eröffnet. Dort, wo die in den USA bekannteste US-Skifahrerin (das ist noch immer NICHT die überragende, doch offensichtlich zu skandalbefreite Mikaela Shiffrin) bei der letzten WM auf schwedischem Schnee 2007 zwei Mal Silber gewann und davor gestanden hatte, dass sie auf europäischen Flughäfen das US-Logo ihrer Sporttaschen überklebe:

Weil die Abneigung gegenüber Amerikanern manchmal schon unerträglich sei.

„Zum Glück können noch viele Menschen zwischen George W. Bush und den USA unterscheiden“, sagte Lindsey Kildow. Inzwischen heißt sie längst Vonn. Und der US-Präsident zur ihrer mäßigen Begeisterung Donald Trump.

Sofern es Lindsey Vonns mehrfach operierte Kniegelenke gestatten, will die 34-Jährige vor ihrem soeben via Twitter verkündeten Rücktritt noch eine zweiteilige Abschiedsshow mit Teilnahmen an Super-G und WM-Abfahrt riskieren.

Einen Tag nach Vonn wird mit Aksel Lund Svindal, 36, ein weiterer alpiner Ausnahmesportler zum vorletzten Mal auf Rennskiern zu sehen sein, ehe er am Samstag zum Abschluss noch einen Abfahrtsstart wagt.

Auch Svindal entschloss sich fürs Karriereende, damit er als 40-, 50-Jähriger noch ohne Krücken gehen kann. Auch den beliebten Norweger verbinden mit Åre sehr gute Erinnerungen. Svindal krönte sich 2007 zum Weltmeister in der Abfahrt, die dem Skiteam Austria eine Pleite (=bester ÖSVler Mario Scheiber Achter, zweitbester Hermann Maier auf Rang 13) bescherte, der verbale Nachbeben folgten. So sagte Honorarkritiker Armin Assinger im ORF: „Die Materialausreden vom Hermann gehen auf keine Kuhhaut mehr.“

Worauf es für Maier erneut 13 schlug und er auf seiner Homepage konterte mit der Frage, wie viele Weltcup-Rennen denn der Herr Quizmaster der Millionenshow in seiner Skikarriere gewonnen habe:

a) 4, b) 28, c) 41 oder d) 53?

Richtige Antwort: a).

Der süffisante Nachsatz („Kleinvieh macht auch Mist“) ließ darauf schließen, dass der 53-fache Weltcupsieger dem viermaligen Sieger das Recht absprach, ihn zu kritisieren.

Zu gleicher Zeit ließ sich Assingers nunmehrige ORF-Ski-Kollegin Alexandra Meissnitzer in Åre vor ihrem letzten WM-Super-G beim KURIER-Interview mit einem Satz zitieren, der auch zwölf Jahre danach seine Gültigkeit nicht ganz verloren hat: „Wir Skifahrer leben in der Scheinwelt.“