Kolumnen
10/30/2020

Rosarote Flusskrebse

Kulinarische Farbwahl ist nie unbedeutend. Deshalb müssen es aber nicht gleich Punschkrapfen sein.

von Barbara Mader

Meine Mutter wäre vergangene Woche 91 geworden. Konservativ war sie nie, außer in der reinen Farbenlehre. Sie hielt die Kombination Dunkelrot und Grau für besonders nobel. Pink und Rot? Niemals nie! Des schlagt sich, hätte sie gesagt. Rot und Grün? Rein farblich zumindest viel zu grell, alle anderen Farb-Kombis sowieso unmöglich. Wobei sie Sympathie für die Bunten Vögel rund um Erhard Busek und den parteilosen Publizisten Jörg Mauthe hegte, auch bekannt als Watschenmann-Kolumnist im KURIER. Themen: Stadtbilderhaltung, Denkmalpflege, Beislkultur. Ende der 1970er, als Abriss-, Neubau-und Betonierwahn herrschten, immens wichtig. Heute ist in der Hinsicht ja alles bestens, oder?

Eines der Leuchtturmthemen der pinken Partei, die nun möglicherweise in die Stadtregierung kommt, ist die Forderung „Neue Bäche für Wien“: Brigittenauerbach oder Alserbach sollen wiederbelebt werden, um, apropos Klimawandel, neue Wasserflächen gegen Überhitzung zu schaffen.

Was meine Mutter dazu gesagt hätte, weiß ich nicht, mein Vater hätte Erinnerungen an seine Kindheit in Sievering ausgepackt. Und an seinen Lieblingsspielplatz, den Erbsenbach. Der Erbsenbach, auch Arbesbach genannt, entsprang unterhalb der Höhenstraße und floss stadteinwärts entlang der Sieveringer Straße bis zur Billrothstraße, wo er in den Krottenbachkanal mündete. Zum Teil war er schon in den 1890ern eingewölbt worden. Da, wo mein Vater aufwuchs, plätscherte er noch bis Mitte der 1950er ungestört im moosgrünen Bett und die Kinder aus der Umgebung fingen Krebse darin. Krebse, so erzählte mein Vater, waren einst so verbreitet in Wiener Bächen, dass es per Verordnung verboten war, sie den Dienstboten öfter als dreimal in der Woche vorzusetzen.

Heute sind Krebse kein Armenessen mehr. Ob sie Thema bei den rosaroten Koalitionsverhandlungen sind? Bekömmlicher als die Punschkrapfen bei den Sondierungsgesprächen wären sie allemal. Und sogar ein bisserl rosarot.

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