Kolumnen
07/21/2019

Peter Stöger: Die Glücksfee tendiert zu einem heiklen Los

Vor drei Wochen spielte Stöger die Glücksfee bei der Cup-Auslosung, nun steht er vor dem Austria-Comeback.

von Wolfgang Winheim

„Wie immer versuche ich, mein Bestes zu geben. Und wie immer werden nicht alle zufrieden sein“, sagte Peter Stöger, als er vor drei Wochen bei der Auslosung der ersten Cup-Runde Glücksfee spielte.

Die erste Paarung, die sich bei Stögers Griff in die Glaskugel ergab, lautete ...

USV Raiffeisenbank Weindorf St.Anna am Aigen gegen SC Copacabana Kalsdorf.

Mitleidiges Lächeln unter den Auslosungsgästen in Wien.

Zur Ehrenrettung dieser (und vieler anderer) ambitionierter Amateurklubs, die sich aus Existenzgründen umtaufen lassen, sei daran erinnert, dass der SK Rapid in den späten Siebzigerjahren zur Befriedigung seiner Sponsoren mit bis zu elf zusätzlichen Namen im amtlichen Wiener Telefonbuch aufschien.

Solche Kuriosa wären in Deutschland undenkbar. So wie es hierzulande wiederum unvorstellbar ist, dass zum Erstrunden-Cupspiel eines Fünftligisten gegen einen Bundesligaklub 50.000 Zuschauer kommen, wie das am 10.August anlässlich des niedersächsischen Regionalderbys Delmenhorst gegen Werder Bremen der Fall sein wird.

50.000! Auf so viele bringt man es an diesem Wochenende in Österreich bei allen 32 Cupspielen zusammen nicht.

Als die von Toni Polster gecoachte Wiener Viktoria den Bundesligaklub Hartberg (Trainer Markus Schopp) in der Brigittenauer Gruabn empfing, reichten dort die 120 Sitzplätze kaum für Verwandte und Freunde der Polster-Kicker aus. Jedoch:

Das Spötteln über den heimischen Cup und sein provinziell ang’hauchtes Umfeld haben sich der Bewerb und seine Teilnehmer nicht verdient. So wie Klein- und Mittelbetriebe als das Herz der österreichischen Wirtschaft gelten, lebt auch der Sport nicht allein von Konzernen und Promis im Rampenlicht.

Ohne Hobby-Funktionäre, die sich Woche für Woche zum Nulltarif um Jugendliche kümmern oder Spielfelder mähen, ohne diese Idealisten, die sich bei Firmen zugunsten des Vereins selbsterniedrigend in die Schnorrerrolle begeben, ginge dem Fußball längst die Luft aus.

Peter Stöger, 53, wird nicht widersprechen. Er selbst hatte mehrere Jahre bei krisengeschüttelten Traditionsklubs (Vienna, GAK) in unteren Etagen gearbeitet und dort die Basis für seine Trainerkarriere gelegt. Der 65-fache Nationalspieler hat sich mittlerweile einen dermaßen guten Namen im deutschsprachigen Raum gemacht, dass sich viele (darunter Ex-Teamchef Josef Hickersberger) fragen, weshalb er sich ein Comeback bei der Austria antun sollte.

Stöger wird es vermutlich wagen und damit für die Losfee-Rolle vor der zweiten Cuprunde “wegen Befangenheit“ nicht mehr in Frage kommen. Durchaus möglich aber, dass er seine einleitende Worte zur Auslosung der ersten Cuprunde in seiner Einstandsrede bei Austria (und irgendwann später als Nationaltrainer) wiederholt: „Wie immer versuche ich mein Bestes zu geben. Aber wie immer ...“ wolfgang.winheim

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