© Jeff Mangione

Kolumnen
04/07/2019

Paaradox: Ziemlich haarig

Einsatzkommando. Wie notwendig es ist, aktiv zu werden, ist eine Frage der Wahrnehmung.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Sie

Was nicht sein darf, existiert auch nicht. So könnte die selbst gezimmerte Lebensphilosophie des Mannes nebenan lauten. Damit ließe sich nämlich erklären, warum er auf die Frage Haart Euer neuer Hund denn? tatsächlich sagt: Nein, eigentlich kaum. Das macht mich, die täglich drei Mal schwarzes Gusti-Haar vom hellen Boden saugt, fassungslos. Wie kann man das Unübersehbare so entschlossen übersehen? Wie geht das? Muss man dafür irgendeine psychedelische Sub stanz einschmeißen, sich bei Amazon ein Packerl Kurzsichtigkeit kaufen oder an einer sogenannten Hundehaarverdrängungspsychose leiden?

So machst du es!

Es ist vermutlich viel einfacher: Eines Tages schaut der Mann nebenan auf den Boden unserer Wohnung und stellt beunruhigt fest, dass da sehr, sehr viele Haare liegen. Jetzt gibt es zwei Bewältigungsstrategien. a.) selbst tätig zu werden, worauf dann eine innere Stimme stöhnt: Anstrengend! Bitte mach’, dass das Problem ganz schnell wieder weg ist!

Oder b.): Zu tun, als wär’ nix, worauf dieselbe innere Stimme jubelt: Juhu, genau so machst du es! And the Winner is: Plan B! Zumal er stets blendend funktioniert hat. Etwa, wenn es um die Frage geht, wer das viele Laub im Frühling wegtut und er mir entgeistert entgegnet: Hä, welches Laub bitte, ich seh nix! ? Oder er den Papiermist offiziell für halb voll erklärt, obwohl darin nicht einmal mehr ein Papiertaschentuch Platz hat. Aber so. So bastelt er sich in seiner Fantasie ein Michi-Schlaraffenland, in dem Schnitzelsemmerln vom Himmel plumpsen, kein Hundehaar die Stimmung trübt und ein Volldolm namens gnä Kuhn immer drauf schaut, dass eh alles gut ist.

PAARADOX NEU: „Schatzi, geht’s noch?“ am 1., 12. & 19. 5. Rabenhof, 23. 5., Stadtgalerie Mödling. Alle Termine: paaradox.at

gabriele.kuhn@kurier.at

facebook.com/GabrieleKuhn60

Er

Hätte ich nur geahnt, welche Folgen das Glitzern in den Augen der Liebsten haben sollte. Sogenannte Freunde priesen in bester Vertretersprache die Vorzüge ihres elektronischen Staubsaugers an. Dessen Vorteil sei vor allem diese ruckizuckige Verfügbarkeit (den Düsenlärm, der einem das Gefühl vermittelt, das Space Shuttle würde aus unserer Wohnung zur All-Mission starten, erwähnten sie nicht).

Sauberfrau zögerte jedenfalls keinen Tag, um das Gerät zu erstehen, und, tja, was soll ich sagen? Seither hat sie ein neues Hobby: Staubsaugen. Daher kann ich längst darauf wetten, dass keine Stunde vergeht, ohne dass unsere Boden-Boden-Rakete gezündet wird. Kaum gleitet ein Knäckebrotbrösel vom Tisch, verirrt sich ein Blumenerdekrümel ins Schlafzimmer, ist gnä Kuhn zur Stelle.

Innere Stimme

Das Lärmempfindungsgesetz wohl kennend: Wer selber saugt, anerkennt die Geräusche fix nicht als Störfaktor. Wer hingegen gefühlsmäßig permanent zum Zuhören verdammt ist, nähert sich im Laufe eines Tages leise wimmernd dem Wahnsinn. So betrachtet war der Einzug von Herrn Gustav der Auftakt zur ehelichen Grenzerfahrung. Denn in der Tat verliert unser Liebling ab und zu ein schwarzes Haar, was in meiner Wahrnehmung nicht weiter störend ist. Meine Frau indessen muss ihrer inneren Stimme folgen, die ihr befiehlt: Jedes einzelne Haar muss bitte sofort mit Space-Shuttle-Kraft eliminiert werden, sonst verwandelt sich das Domizil in nur 1001 Stunde in das Klubheim der Fells-Angels. Dazu sagt sie gerne: „Siehst du das nicht?“ Und ich verspreche nur, dass ich demnächst ein ernstes Wort mit Gusti reden werde.

Solo „Abend mit einem Mannsbild“: 18. 5. Gmunden, 21. 5. Wien (CasaNova), 12. 6. Wien (Studio Akzent)

michael.hufnagl@kurier.at

facebook.com/michael.hufnagl.9

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