© Jeff Mangione

Kolumnen
01/03/2021

Paaradox: Was bisher geschah

Am Anfang eines neuen Jahres gibt’s immer auch einen – mehr oder weniger weiten – Blick zurück. Fazit: Es ist gar nicht so schlecht, wie es manchmal ausgeschaut hat.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Sie

Unlängst habe ich gezählt, den wievielten Silvester wir einander zu Mitternacht in den Armen gelegen sind, um zu sagen: Das nächste Jahr wird unser Jahr, da holen wir die Sterne vom Himmel. Wer ins Firmament blickt, sieht, dass uns das nicht ganz  gelungen ist. Immerhin –  ein bisserl Sternenstaub haben wir in den vergangenen 23 Jahren erwischt – das eine Jahr mehr Staub, das andere mehr Stern.

Das Jahresmotto

Spannend ist jedenfalls die Idee, die Beziehungs-Jahreskreise in prägenden Sätzen zusammenzufassen. Denke ich an das Jahr 2000 zurück, war es dieser da: Windeln wechseln – du oder ich? Da wurde unsere Tochter geboren. 1998 klang das noch ganz anders, nämlich so: Ich bin verrückt nach dir. Da kamen wir zusammen. Schließlich sprachen wir vom Heiraten: Nächstes Jahr, da gehen wir’s an! Um am Ende dieses „nächsten Jahres“ festzustellen, dass schon wieder ein Jahr ohne „Ja“ vergangen ist. 16 Jahre später dann so: Du machst mich fertig. Klingt  leidenschaftlich, war aber eine Krise. Dazwischen gab es auch  banale Jahre, von denen so simple Sätze blieben wie: Ich bin zu blad! (da hatten wir zu viel genascht), Wo sind meine Krücken? und Bin in der Physiotherapie! (da wurde ich am Knie operiert und er hatte Nackenprobleme), Nein, das tust du sicher nicht! (da diskutierten wir 12 Monate lang, ob er sich eine Glatze rasieren soll – die Glatze – also er –   setzte sich durch.).

2020 war in vielerlei Hinsicht anders – mit Auswirkungen auf das Jahresmotto. Diesmal sind es zwei Sätze, die die vergangenen Monate prägten. Erstens: Hast du eh eine Maske mit? (immer, wenn wir gemeinsam das Haus verließen). Zweitens: Uns wird auch nicht fad miteinander! (immer dann, wenn wieder einmal Lockdown war). Letzterer hat, meiner Meinung nach, das Zeug zum Jahrhundert-Slogan – abgesehen von Ist eh genug Klopapier daheim? Auf ein freudvolles 2021,  versuchen wir einfach wieder,  einen Stern zu erwischen.

gabriele.kuhn@kurier.at / facebook.com/GabrieleKuhn60

Er

Die wohl bedeutendsten und folgenschwersten Sätze der vergangenen 23 Jahre (in Worten dreiundzwanzig Jahre!) waren mein Ich hab’ Riesenhunger, weshalb wir erstmals gemeinsam essen gingen, nicht ahnend, dass es in einer Ehe enden würde. Sowie ihr Lassen wir das Schicksal entscheiden, was sehr rasch zu einer Schwangerschaft und der Geburt einer wunderbaren Tochter führte – mein Versprechen, das Schicksal als Dank für die liebenswerte Unterstützung auf das eine oder andere Achterl einzuladen, habe ich seitdem tausendfach eingelöst. Im Jahr 2020 indessen waren die drei häufigsten Bemerkungen aus dem unerschöpflichen Fingerzeig-Fundus von gnä Kuhn: 1. Du hast hoffentlich eh Abstand gehalten. 2. Du hast hoffentlich eh Abstand gehalten. 3. Du hast hoffentlich eh Abstand gehalten. Und weil ich ihr glaubhaft versichert habe, dass ich von früh bis spät beinahe turniermäßig das Distanzbein schwinge, konnte ich ihr zu Silvester ganz gefahrlos zuflüstern: „Tritt näher, Gabriele ... und Prosit!“

Spezielle Verlässlichkeit

Klar ist, dass wir einander im Laufe unseres Fix-z’samm-Daseins viel zu sagen hatten, dass allerdings noch immer nicht entschieden ist, wer das letzte Wort haben darf (außer ich). Am Ende eines Jahres denke ich aber – zwischen Fonduegabelnsuche und Tarotkartenverstecken – besonders gerne an die Sätze, die meine Frau konsequent NICHT gesagt hat. Wie: Du hast natürlich recht. Oder: Mir wurscht, ob es schüttet, ich geh’ trotzdem mit dem Hund. Oder: Wie funktioniert eigentlich die Torlinientechnik? Aber in Wahrheit ist das gut so. Auch das nie Ausgesprochene ist eine spezielle Form der Verlässlichkeit. Denn vermutlich würde ein von ihr geflötetes Ich hol’ die Koffer aus dem Keller eine so nachhaltige Irritation auslösen, dass es mir für lange Zeit die Sprache verschlägt. Was bitter wäre. Dann könnte ich zur Liebsten nämlich auch nicht sagen: „Danke für alles“. Und schon gar nicht: „Jetzt geht’s los ... das 24. Jahr soll angeblich immer das schönste sein.“ 

michael.hufnagl@kurier.at / facebook.com/michael.hufnagl9

 

 

 

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