© KuhnHufnaglPaaradox

Kolumnen
05/26/2019

Paaradox: In der Fremde

Städtetrip. Ein Ausflug und viele Sehnsüchte ergeben eine echte Bewährungsprobe.

SIE

Paris! Paris? „Paris war ein Desaster“, erzählte unlängst ein befreundetes Paar. Drei Tage Städtetrip, drei Tage Streitereien – über ein viel zu lautes Hotelzimmer, unterschiedliche Sightseeing-Bedürfnisse und ein dezent überteuertes Trüffel-Dinner. Der Mann nebenan und ich nickten mitfühlend. Städtetrip-Stress können wir nämlich auch.

Mon dieu, bankrott!

Paris! Paris? Ah, oui. Erinnerung an einen Disput  im romantischen Montmartre. Trunken vom Frühling und von mir selbst beseelt, ließ ich mich spontan von einem Straßenmaler auf Bütte verewigen und ihm dafür einen Geldbetrag rüberwachsen, der Monsieur Üfnagl die Hände über dem Kopf zusammenschlagen ließ: Mon dieu, bist du jetzt von allen guten Geistern verlassen?  Ich antwortete darauf nur: Eh schon wurscht. Bankrott sind wir spätestens, seitdem du deinen kleinen Hunger ausgerechnet mit Meeresfrüchten im teuersten Arrondissement der Stadt stillen musstest. Der Besuch der Galeries Lafayette wurde zügig von der Must-see-Liste gestrichen. Auch Prag war getrübt, trotz vieler Knödel für ihn. In einem Anfall von   Effekthascherei  wollte er sich plötzlich in Fresken und  die Geschichte irgendwelcher Statuen  vertiefen, statt Flair zu fühlen, in Kaffeehäusern, auf Märkten. Sehr delikat  war’s auch in unserer Lieblingsstadt Barcelona, als er stundenlang jeden einzelnen Stein des  Barça-Stadions streicheln wollte, während ich  lieber am Strand von Barceloneta Tapas gegessen hätte. Wie sagte   Marc Twain? „Man muss reisen, um zu lernen.“ Auch so manches über  die Liebe und den Liebsten. Apropos verreisen: Ab nächsten Sonntag finden Sie „Paaradox“ im Hauptteil des KURIER am Sonntag.

PAARADOX NEU: „Schatzi, geht’s noch?“ 14. 7., Summerstage; 30. 9. & 26. 10., Rabenhof; 3. 10. Bettfedernfabrik; 11.10. Burg Perchtoldsdorf. Alle Termine: paaradox.at

 

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ER

In Wahrheit hätte ich schon die Zeichen unseres ersten Stadtbesuchs richtig deuten sollen. Damals bat ich sie, mich – frisch verliebt –  nach London  zu begleiten. Nicht ahnend, dass ihre Leidenschaft für mich so rasch an ihre Grenzen stoßen  könnte, nur weil ich jeden Tag nach Wimbledon zum Tennisschauen ausrücken musste. Während sie so gerne Hand in Hand über die Flohmärkte spaziert wäre. Nicht ahnend, dass ich die Faszination für organisierte Anhäufung von Krims & Krams in Wahrheit nirgendwo auf der Welt gerne im Bummelschritt betrachte.

Aus der Balance

So lassen sich unsere Interessen leicht zusammenfassen. Ich begebe mich gerne auf die Spuren alter Zeiten und würze die Touren mit Abstechern in Fußballstadien, die mich als Bauwerke verlässlich zum Staunen bringen.  Sie indes taucht viel lieber von früh bis spät in das  Alltagsleben der Fremdstädter ein („Komm’, lass’ uns das Flair atmen“) und sitzt bevorzugt stundenlang in Straßencafés, um „einfach nur zu schauen“. Das alles zu kombinieren, bringt  uns – zugegeben – mitunter ziemlich aus der emotionalen Balance. In Barcelona ist es freilich am schwierigsten, weil gnä Kuhn  noch immer nicht begreifen kann (=will), dass ich diese Stadt nicht verlassen kann, ohne einmal den Heiligen Geist des Nou Camp gespürt zu haben. Ich sage dann: „Hier atme ich Flair“. Und sie sagt: „Geh’ bitte, wie oft noch?“ Dann frage ich sie, ob sie diesmal endlich mit mir die FC-Barcelona-Museumstour machen will ... und zwar nur, weil ich ihr Verachtungslächeln so
bezaubernd finde. Am Ende essen wir im Hafen Tapas und Paella. Eine bessere Friedenssicherung kann es nicht geben.

Solo „Abend mit einem Mannsbild“: 12. 6. Studio Akzent.

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