Zumindest als prominente Werbeträger werden Hermann Maier und Marcel Hirscher weiterhin zu sehen sein.

© EPA/CHRISTIAN BRUNA

Kolumnen
09/01/2019

Marcel Hirscher verzichtet auf Millionen aus China

Konträr zu Arnautovic folgt der Skistar nicht dem Lockruf asiatischen Geldes.

von Wolfgang Winheim

Marcel Hirscher, 30, verkündet am Mittwoch im Salzburger Gusswerk seinen Rücktritt. Elf Kilometer von dieser zum Eventzentrum umgebauten alten Fabrik entfernt wird der gleichalte Marko Arnautovic 48 Stunden später im Salzburger Stadion im Nationaltrikot gegen Lettland stürmen. Erstmals spielt damit ein China-Legionär für Österreichs A-Team.

Arnautovic wurde für einen Dreijahresvertrag, der ihm wöchentlich mehr als 200.000 Euro garantiert, nach Schanghai gelockt.

Auch Marcel Hirscher ist in den Fokus großzügiger Chinesen geraten. Mit einem Millionenoffert versuchte man ihn zum Weitermachen zu bewegen.

Doch bei allem Respekt vor dem 2018 zu Europas Sportler des Jahres gewählten Salzburger werden Skeptiker fragen: Warum sollten ausgerechnet Chinesen so enormes Interesse an Hirscher haben, zumal die der Ski-Weltcup bisher ungefähr so aufregte wie unsereinen, wenn in Peking ein Cornerfahnl umfällt?

Die Betonung liegt auf BISHER. Denn:

1.) Wurde die (im finnischen Besitz gewesene) Salzburger Skifirma Atomic, auf deren Brettln Hirscher unglaubliche acht Gesamtweltcupsiege eingefahren hat, heuer vom chinesischen Anta-Group erworben.

2.) Finden 2022 die Olympischen Winterspiele in Peking und Umgebung statt, vor denen Hirscher die optimale PR-Figur für den chinesischen Arbeitgeber wäre.

3.) Soll sich dank Olympia die (auf 250.000 beschränkte) Zahl gelegentlich skirutschender Chinesen vervielfachen.

„In Peking wird damit gerechnet, dass 300 Millionen Chinesen zu Wintersportlern und viele davon zu Skifahrern werden“, weiß der international gut vernetzte ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel, der ansonsten, auf Hirschers Zukunft angesprochen, bis Mittwoch eisern schweigt. „No Comment. Ich habe Marcel das versprochen.“

Die liebe Familie

Ein Präsident, (k)ein Wort! Fix trotz dem ungewohnt wortkargen Präsidenten aber ist, dass Hirscher im kommenden Winter, in dem keine WM, keine Olympischen Spiele stattfinden, keine Rennskier anschnallt; dass der Papa eines einjährigen Sohnes die Familie im Lammertal dem mit wochenlanger Abwesenheit verbundenen Weltcupstress vorzieht.

Was aber passiert, wenn die Chinesen 2020 oder 2022 wieder bei ihm anklopfen? Und man ihn umzustimmen versucht mit dem Argument, dass andere Skigrößen oft verletzungsbedingt ein Jahr pausieren mussten und danach stärker zurückkamen als sie davor gewesen waren?

Schnee von übermorgen. Aktuell sieht’s ganz so aus, als würde Hirschers zwölfte Weltcupsaison die endgültig letzte gewesen sein. Auf gleichviele brachte es auch der mit 36 in die Rennpension gegangene Hermann Maier. Allerdings hatte Maier erst mit 24 zum Weltcup hinschnuppern dürfen und sich davor, unterschätzt vom ÖSV, mit Hirscher-Vater Ferdinand bei Salzburger Regionalderbys gematcht.

Hirscher Senior, der sich soeben von einem (bei Motocross erlittenen) Knöchelbruch erholt, ist im doppelten Sinn des Wortes der Vater des Erfolges. Seinen Ferdl wird der dankbare Sohn in seiner Abschiedsrede sicher nicht vergessen.

39 Jahren: Bode Miller (USA)

37 Jahren: Benjamin Raich (AUT)

36 Jahren: Hermann Maier (AUT), Mario Matt (AUT), Aksel Lund Svindal (NOR)

35 Jahren: S. Eberharter (AUT)

33 Jahren: Marc Girardelli (LUX), Karl Schranz (AUT), Ingemar Stenmark (SWE)

31 Jahren: Alberto Tomba (ITA)

30 Jahren: Marcel Hirscher (AUT), Franz Klammer (AUT)

27 Jahren: Pirmin Zurbriggen (SUI)

24 Jahren: Toni Sailer (AUT), Hansi Hinterseer (AUT)

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