Kolumnen
01/09/2020

Kralicek geht essen: Die Skihütte

Es gibt verschiedene Arten von Skihütten, manches aber haben sie fast alle gemeinsam...

von Wolfgang Kralicek

Die Skihütte ist meistens gar keine Hütte, sondern ein viel größeres, massiveres Gebäude. Egal, jeder weiß, was damit gemeint ist. Eine Skihütte, das ist ein gastronomischer Betrieb, der auf Skiern erreicht werden kann. Es gibt verschiedene Arten von Skihütten, manches aber haben sie fast alle gemeinsam. Erstens: Auf der Speisekarte finden sich Gulaschsuppe, Berner Würstel, Schnitzel und Germknödel. Zweitens: Himbeersaft heißt „Skiwasser“. Drittens: Es wummert fragwürdige Musik aus den Lautsprechern. Auf der Playlist stehen

a) Lieder, in denen Alkoholmissbrauch verherrlicht wird, sowie

b) Lieder, die man nur gut finden kann, wenn man schon den einen oder anderen „Willi“ intus hat; und natürlich

c) „Schifoan“ von Wolfgang Ambros, wobei auch in dieser Hymne der Skination der alkoholisierte Pistenspaß propagiert wird: „So a Tee macht den Schnee erst so richtig schee!“

Viertens: Aus irgendwelchen, vermutlich baulich bedingten Gründen befinden sich die Toiletten in Skihütten grundsätzlich im Keller; das bedeutet, dass man mit Skischuhen Stiegen steigen muss – eine Übung, die nur den Besten von uns würdevoll gelingt. Herausfordernder ist nur noch, die Speisen und Getränke in Selbstbedienungshütten unfallfrei an seinen Platz zu bringen.

Skifahren ist übrigens eine der wenigen Sportarten, bei denen es ganz normal ist, in den Pausen warme Mahlzeiten und alkoholische Getränke zu sich zu nehmen.

Die angenehmsten Skihütten sind die sogenannten „Schutzhäuser“. Diese wurden, zumindest ursprünglich, nicht für Alpinskifahrer errichtet, sondern für Bergsteiger, Wanderer oder Tourengeher, sie sind meist älter, normaler, authentischer als andere Skihütten; es gibt sogar Schutzhäuser ohne Musikbeschallung. Irgendwie bezeichnend, dass ausgerechnet die beste Form von Skihütte sich lieber Schutzhaus nennt. Wovor schützt das Schutzhaus eigentlich? Vielleicht ja auch vor den falschen Gästen. Zu fein aber sollte es auf der Skihütte auch wieder nicht zugehen. In letzter Zeit ist in manchen Skigebieten der Trend aufgekommen, in den Hütten Haubenküche anzubieten. Wer sich von einem solchen Angebot angesprochen fühlt, hat das Konzept Skihütte nicht verstanden. Und würde irgendjemand in Moonboots und Anorak ins Steirer-Eck gehen?

Zum Glück aber sind die meisten Skihütten eh noch ganz normale Wirtshäuser – irgendwas zwischen Alpinbeisl und Pistentschocherl. Atmosphärisch besteht der wesentliche Unterschied darin, dass die Gäste in der Skihütte schon untertags so aufgekratzt sind wie spätabends im Gasthaus. Skifahren ist übrigens eine der wenigen Sportarten, bei denen es ganz normal ist, in den Pausen warme Mahlzeiten und alkoholische Getränke zu sich zu nehmen. Es mag auch Tennisspieler geben, die sich zwischen zwei Matches im Clubhaus einen Schweinsbraten und zwei Krügel genehmigen – aber normalerweise wird erst nach der sportlichen Ertüchtigung gegessen und getrunken. Das heißt nicht, dass Skifahrer nach dem Sport nichts mehr trinken würden. Sie haben sogar ein eigenes Wort dafür: Après-Ski. Das klingt französischer, als es ist: Das klassische Après-Ski-Lokal ist die sogenannte Schirmbar. Die Skihütte für danach ist eine vollverglaste Rotunde, in deren Zentrum sich ein kreisrunder Tresen befindet. Und eines muss man der Schirmbar lassen: Das Ziel, maximale Ausschankfläche auf minimalem Raum unterzubringen, wurde wirklich optimal umgesetzt. Darauf noch einen Willi.

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