Kolumnen
08/30/2019

Johannas Fest: Dürfen Gäste Gäste mitbringen?

Grundsätzlich nur nach vorheriger Anfrage, meint Gastrosophin Johanna Zugmann.

von Johanna Zugmann

Ein im Ausland lebender Freund war wieder einmal für ein paar Tage in seiner Wiener Heimat. Er bat uns, für ihn eine Gästeliste für ein Dinner in seinem Innenstadt-Domizil zusammenzustellen, er wolle neue Leute kennenlernen; ein höchst interessanter Rahmen, mit einer der besten Privatsammlungen Moderner Kunst an den Wänden und Skulpturen auf dem Boden und auf den Sideboards des loftartigen Raums. 14 Personen würden an der Tafel bequem Platz haben, das Essen – es gab Shrimps-Cocktail und Kitz-Ragout – werde von einem legendären ehemaligen Haubenkoch zubereitet. Mein Mann und ich machten uns sofort an das Vergnügen, die Tafelrunde zusammenzustellen: Zugesagt haben einer der bekanntesten Wiener Architekten, eine Opernsängerin, die schon auf allen großen Bühnen der Welt aufgetreten ist, ein sehr erfolgreicher und dennoch bescheiden gebliebener Maler, eine Designerin, der damalige Kulturminister – fast alle mit Begleitung, insgesamt wie geplant 14 Personen.

Die reizende Ehefrau des Malers, eine in Deutschland lebende Flugbegleiterin, sagte am Vortag wegen eines prognostizierten Ascheregens und damit zu erwartender Flugausfälle ab.

Am nächsten Tag war der Tisch kunstvoll für 13 Personen gedeckt. 12 saßen schon beim Aperitif, als es klingelte. Vor der Türe der Maler. Mit Ehefrau! Dass Flexibilität nicht unbedingt zu den Stärken unseres Gastgebers zählte, wurde deutlich, als er fast eskalierte, zumal Lisa auch noch outete, dass sie Vegetarierin sei.

Überraschung

Kleiner aber kulinarisch ebenfalls fein geht es zu, wenn Markus und Andreas einladen. Markus hat bei dem in der vorigen Episode erwähnten Haubenkoch als Sous-Chef gearbeitet, Andreas ist ausgebildeter Barkeeper. Die beiden wohnen über dem Naschmarkt in einer netten Dreizimmer-Wohnung mit einem kleinen Balkon, auf den gerade einmal ein Griller und – wenn man sich dünn macht – vier Leute passen.

Markus lud seinen Onkel, einen Universitätsprofessor und dessen Lebensgefährtin ein.

Als der Historiker mit einer anderen jungen Dame am Eingang stand, war er sehr überrascht: Schließlich handelte es sich bei der Begleiterin um eine ehemalige Schulkollegin, deren Doktorvater just der verwandte Professor war. Die Ankündigung des Onkels, dass seine Lebensgefährtin nachkommen werde, sprengte den Rahmen. Markus warf das Handtuch und verlagerte die Einladung entnervt in ein Lokal.

Marina und Gregor sind das bestvernetzte Ehepaar. Die beiden scheinen Gott und die Welt zu kennen, laden selbst oft ein und haben meist bis zu drei Einladungen pro Abend. Als eines unserer Familienmitglieder eine hohe Auszeichnung erhielt, luden wir zur Feier in den Weinkeller eines Freundes nächst dem Stephansdom.

Die Party war zeitlich von 20 bis 22.30 Uhr begrenzt. – nicht so sehr aus Angst, der Weinkonsum der 40 Gäste würde bei einem „open end“ das Party-Budget sprengen, als vielmehr deshalb, weil dort kein längeres Verweilen erlaubt war.

Marina und Gregor kamen, als wir gerade alles zusammengepackt hatten; spät aber doch um 22.25 Uhr. Dafür hatten sie aber die berühmte Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin Sona MacDonald mit. Das wäre an sich eine wunderbare Überraschung gewesen. – Nur schade, dass das Timing gar nicht geklappt hat!

Ob Gäste Gäste mitbringen dürfen? Grundsätzlich nur nach vorheriger Anfrage!