Kolumnen
03/05/2021

Häuselbauen

Was ein Häuselbauverbot bei uns alles auslösen würde

von Barbara Mader

Jetzt haben sie im Fernsehen die Piefke-Saga wiederholt. Gierige Piefke treffen auf gierige Tiroler. Vor 30 Jahren ein Skandal. Felix Mitterer schildert darin unter anderem, wie man miese Grundstücksdeals ausheckt. Legal? Nicht ganz? Man ist situationselastisch.   
Dem Westen die Piefke-Saga, dem Osten der Kaisermühlen Blues. Es gibt sie da wie dort: Wichtigtuerische Bezirkskaiser, die am Rande der Legalität oder darüber hinaus agieren. Für eine finanzielle Gegenleistung oder einfach dafür, noch wichtiger dazustehen. Patschert oder schlitzohrig, oft in Kombination. Meist ohne Gefühl für Anstand und dafür, was geht und was nicht.   Nun stelle ich mir vor, wie man bei uns mit dem  in Deutschland  diskutierten Einfamilienhausverbot umginge. Ein Haus mit Garten ist ein Traum für viele. Dass wir nicht endlos weitermachen können, jeden Millimeter Grün zuzubetonieren, ist auch klar. Jeden Tag verschwinden 18 Fußballfelder auf diese Weise.

Was tun? Manche meinen, der Markt regelt’s eh, weil sich das ohnehin nicht jeder leisten kann. Naja, sag ich, jeder nicht, aber immer noch genug. Und schließlich bauen auch etliche von denen, die sich’s nicht leisten können. (Und sparen leider meist beim  Architekten).

Wir im Redaktionskomitee der Wiener Ansichten sind ja große Anhänger von Verboten. Im Falle des Einfamilienhauses aber eher nicht. Es gibt eh schon so viele, die sich ungerecht behandelt fühlen. Und es gäbe immer welche, die es sich, Verbot hin oder her, richten könnten. Wie im Fernsehen. Apropos Häuselbauen: Nun erzählte Ex-Planungsstadtrat Bernhard Görg im Standard, dass er in einem Fertigteilhaus wohnt. Er meinte, er hätte sich das nicht getraut, wäre er damals schon Stadtrat gewesen: „Ein Bekenntnis zu Architektur und Baukultur sieht anders aus.“

Wir im Redaktionskomitee finden: Stimmt, aber passt schon, denn ehrlich: Wer wohnt denn schon so, wie er’s predigt? Wetten, auch der eine oder andere Stadtplaner, der dichtes, urbanes Bauen predigt, wohnt lieber im Haus im Grünen?     

 

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