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Kolumnen
12/25/2020

Feiertagssansichten: Wir haben ein Geschenk für Sie

Warum uns ein Ort besonders an Herz wächst, kann viele Gründe haben. Wir schenken Ihnen Geschichten von unseren Lieblingsorten

von Barbara Mader, Katharina Salzer

Nun gründeten das Redaktionskomitee der Wiener Ansichten und das Gremium Mein Sonntag aus feiertäglichem Anlass einen gemeinsamen Sachverständigenrat, um retrospektiv ein paar Lichtblicke in diesem sonderbaren Jahr zu finden.

Derer es auch oder gerade wegen der veränderten Umstände gar nicht so wenige gab. Spazierengehen war ja sehr en vogue und so hatten wir ausreichend Zeit, unserer Heimatstadt die eine oder andere neue Perspektive abzugewinnen und dabei nicht nur freundlich grüßende Wiener, sondern auch neue Lieblingsorte kennenzulernen. Denn davon gibt es zweierlei: Einerseits jene Orte, die uns immer schon, aus welchen Gründen auch immer, nahestehen. Sie müssen nicht schön sein, sie müssen nur etwas in uns auslösen.

Und dann gibt es Orte, die man eben erst entdeckt hat, neugierig erkundet, alles über sie erfahren will und sich fragt, wo man denn, bitteschön, bisher gelebt hat.

Glückliche Menschen

Den Wiener Ansichten erging es nun so mit einem Hietzinger Gässchen namens „In der Hagenau“. Schon die Form besticht. Ein u-förmiges Gasserl, das Ortsunkundigen am Ende eine Überraschung bietet: Da sind wir wieder. Die Bewohner haben hier ein Schild aufgestellt: „Hagenauerland“ steht da in Kinderschrift und das passt wunderbar, denn der Besucher vermeint, eine eigene, verzauberte Welt zu betreten. Hier errichtete, weiß die Bezirkschronik, 1904 Architekt Carl Holzmann für den „Ersten Wiener-Beamten-Bau-Verein“ eine cottage-artige Siedlung aus 19 Einfamilienhäusern. Rosa, gelb, türkisfarbene Mini-Villen, die jedoch mitnichten protzig wirken. Familien mit viel Nachwuchs lebten hier, um die hundert Kinder spielten einst in dieser bunten Gasse und sollten es heute ein paar weniger sein: Man wird doch nicht den Eindruck los, dass jeden Moment Mary Poppins um die Ecke biegen könnte. Es ist ein Ort, von dem man denkt: Hier leben glückliche Menschen.

Eine der Inspirationsquellen für Mein Sonntag ist nicht weit weg vom Hietzinger Schauplatz. In etwa vier Kilometer trennen die beiden Orte. In Alt-Penzing, der klassischen Wiener Vorstadt, finden sich wunderschöne Innenhöfe. Wer nicht das Glück hat, auf der Penzinger Straße – zwischen Nisselgasse und Schlossallee – durch offengelassene Haustore in große Gärten blicken zu können, sollte die Fassaden hinaufschauen. Der Blick bleibt beim 1740 erbauten barocken Gebäude auf der Nummer 34 hängen, genannt Töpfelhaus. Einst wohnte hier der Namensgeber, ein Bürgermeister von Penzing. Damals war Wien noch weit weg. Es kann schon eine Weile dauern, bis man sich an der üppig verzierten Fassade sattgesehen hat. Das Portal wird von einem geschwungenen Giebel umrahmt. Das Haus eignet sich, um es zu malen. Auf einem Bild der Künstlers Ernst Graner ist eine Dame zu sehen, die von einem Ball heimkehrt und vom Hausmeister eingelassen wird. Der Kavalier wartet vor der Tür.

Das waren Zeiten, als man noch ausgehen konnte (und als es noch Hausmeister gab). Für den Kavalier ist frau noch immer selbst verantwortlich. Mit ihm ist vielleicht gut spazieren. Rund um die Häuserblöcke, den Blick nach vorne gerichtet, auf 2021.

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