Über den Tellerrand
03/28/2021

Ein echter Italiener spricht manchmal mit vollem Mund

Es gibt eine neue Pastasorte und sie klingt, wie eine Pastasorte klingen muss: einfach und lustvoll.

von Axel Halbhuber

Diese Woche platschte die Meldung herein wie ein Schöpfer Bolognese auf den Teller: Es gibt eine neue Nudelart. Ein Amerikaner entwickelte sie drei Jahre lange und glaubt nun, mit seinen Cascatelli die perfekte Form gefunden zu haben. Die Hintergründe und alles Wissenswerte über Nudeln im Allgemeinen (quasi Pasta Generale) beschrieb Kollegin Ingrid Teufl in der Donnerstag-Ausgabe des KURIER.

Ich las die Geschichte, während ich einen Teller Orecchiette mit kurz angebratener Salsiccia und einem Löffel Pesto rosso mampfte, denn Orecchiette mampft man immer. Ich sprach mit vollem Mund im Geiste mehrmals den Namen Cascatelli aus, einmal auch ein bisschen stimmhaft, womit ich mir die KURIER-Ausgabe vor mir versaute, und kam zum Schluss: Der Name verspricht Erfolg. Damit eine Pastasorte sich von den Hunderten (Kollegin Teufl schreibt von bis zu 600) Konkurrenten abhebt und die Menschen sie sich merken, muss der Name Zweierlei sein: einfach und sinnlich. Man muss ihn sich merken, aber so aussprechen können, als ob man Italiener oder gerade in Schlafzimmer- stimmung oder in der Kinderbueno-Werbung (la bocca, Sie erinnern sich?) ist. Versuchen Sie mal: Fettuccine, Maccheroni, Cannelloni, Lasagne. Einzige Ausnahme: Gnocchi, aber die sind erstens eh aus Erdäpfeln und zweitens meist als Knotschi tituliert.

Daher werden Cascatelli (da kann man ein richtig angeberisch langes L draus machen, so als ob man aus Fiumicello im Friaul oder aus Monticello im Piemont oder irgendeinem Castello kommt, oder sogar vom Mongibello, so sagen die Einheimischen zum Ätna, womit man besonders angeben kann) extrem erfolgreich sein. Casss-ca-tellllli. Das geht runter wie ein geiler Montepulciano. Und weil angeblich die Sauce perfekt an der neuen Nudel haftet und sie außerdem perfekt bissfest ist, kann man dabei viel besser laut sprechen, während man sie isst.

axel.halbhuber@kurier.at

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