© Braunrath, Birgit

Beagle Daria
06/26/2022

Geburtstag beim Tierarzt

Während ich ihr ein Geburtstagsständchen singen wollte, schnappte sich Daria ihr Geschenk samt Geschenkband

Beinahe hätte ich die arme Daria am Geburtstag ins Tierspital gebracht. Oder schlimmer noch. Denn gut gemeint kann auch gut gemein sein.

Daria bekam von mir köstliche getrocknete Fleischstreifen, die ich mit einer langen roten Geschenkschleife aus kleinen Stoffherzen zusammengebunden hatte, als Zeichen meiner Zuneigung. Aber die Herzerlschleife wurde uns beinahe – buchstäblich – zum Verhängnis.

Mein Plan war, dass das Geburtstagskind, bereits beim Überreichen, einen Fleischstreifen herausziehen und verspeisen darf, während ich noch „Happy Birthday, liebe Daria“ singe. Doch dann bewahrheitete sich wieder einmal der alte Spruch: „Der Mensch macht Pläne, der Hund schafft Tatsachen.“

Tatsache war, dass Daria mein großzügiges Angebot, sie dürfe sofort zugreifen, gar nicht großzügig, sondern kleinkariert fand und dankend ablehnte. Einem Beagle bietet man nicht ein Häppchen an, und auch keinen Happen. Denn der Beagle will alles. Und das sofort.

„Happy Birth ...“

Daria interessierte es überhaupt nicht, dass ich ein Lied für sie sang. Sie roch den Braten, also das Trockenfleisch, und machte sich über ihr Geschenk her, ehe ich den ersten Refrain gesungen hatte. Ungläubig beobachtete ich das Geschehen und dachte noch: „Haha, das macht sie nie!“ Doch schon bei „Happy Birth ...“ blieb mir der „-day“ im Hals stecken, als ich sah, wie Daria das Geschenkband, ohne Schluckprobleme, in ihren Magen beförderte. Ein beherzter Griff ins Maul ließ mich die Herzerln auch nicht mehr fassen, das komplette Geschenk war weg.

Ratlos schaute ich Daria an. Zufrieden schaute sie zurück. Ihr Lieblingsmann war weniger zufrieden mit mir und versuchte (notdürftig taktvoll), mir zu erklären, dass Daria gar nicht wisse, wann ihr Geburtstag sei, und dass derartige Geschenkideen dumm seien.

Ich beklagte mich nicht, denn als unser Tierarzt zwei Stunden später seine Ordi öffnete, stand der Lieblingsmann mit dem Lieblingshund vor der Tür, ließ Daria dort – als Überlebensgeburtstagsgeschenk – zum Erbrechen bringen und schickte mir eine Nachricht an meinen Arbeitsplatz: „Willst du das Band wieder haben?“ Ich lachte und weinte ein bisschen. Und später feierten wir den Hund. Es war ein Geburtstag im doppelten Sinn.

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