Steven Strong (re.): gut genug für die WM, zu schlecht für den KAC

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Kommentar
02/17/2020

Drei Österreicher abgemeldet - Lachnummer Eishockey-Liga

Damit ein Legionär spielen kann, müssen beim KAC drei Österreicher zusehen. Das ist legitim, aber peinlich für die Sportart.

von Peter Karlik

Was passiert in einer ernstzunehmenden Sportliga, wenn ein neuer Spieler geholt wird? Entweder wird der Kader größer, oder ein anderer wird ersetzt.  Nicht so in der Erste Bank Eishockeyliga. Der KAC holte bekanntlich Star-Tormann Jhonas Enroth von Dinamo Minsk. Und was passiert in der EBEL? Für den Schweden melden die Klagenfurter drei (!) österreichische Spieler ab. Nationalteamverteidiger Steven Strong, sowie die Stürmer Marco Richter und Philipp Kreuzer können ab sofort nicht mehr eingesetzt werden.

Enroth, Weltmeister von 2013, ist ein Ticketseller in Österreich und sein Gastspiel in Klagenfurt sollte nicht kritisiert werden. Doch das Regelwerk, das österreichische Spieler derart benachteiligt, macht die Liga zur Lachnummer und sollte lieber heute als morgen abgeschafft werden.

Das Problem

Die Vereine dürfen bei der Kadererstellung Spieler mit insgesamt 60 Punkten anmelden. Legionäre zählen automatisch die maximal möglichen vier Punkte, Österreicher über 24 Jahren werden je nach Leistung gewertet, österreichische Unter-24-Spieler zählen null Punkte.

Im Fall des KAC mussten für die Anmeldung von Jhonas Enroth 3,5 Punkte eingespart werden. KAC-Trainer Petri Matikainen entschloss sich mit Strong, Richter und Kreuzer drei Spieler in den Urlaub zu schicken, „von denen wir den geringsten Impact gesehen haben“.

Der KAC handelt hier absolut nach den Regeln. Ihm das vorzuwerfen, wäre scheinheilig.

Vielmehr muss das gesamte EBEL-Konstrukt hinterfragt werden. Die Vereine machen sich ihre Regeln selbst. Es ist legitim, dass sie vor dem Play-off keinen Gedanken daran verschwenden, ob das Nationalteam genügend Verteidiger zur WM mitnehmen kann. Oder ob ein heuer richtig starker Tormann wie David Madlener vor der B-WM in Laibach zwei Monate lange kein Spiel bekommen wird, weil ein Superstar auf seiner Position vor ihm steht. Liga und Nationalteam haben in Österreich diametral auseinandergehende Interessen.

Ein möglicher Weg

Der Eishockey-Verband muss daher den Kooperationsvertrag mit der EBEL beenden. Liga und Nationalteams sollten in Zukunft ähnlich dem Schweizer Modell von einer starken Organisation geführt werden. Das war laut Zürich-Geschäftsführer Peter Zahner die wichtigste Veränderung in der Schweiz. „Das bedeutet, dass die Ligen für Erfolg und Misserfolg verantwortlich sind. Wir sitzen alle in einem Boot“, sagte Zahner 2018 in einem KURIER-Interview.