© Birgit Braunrath

EIN BEAGLE NAMENS DARIA
09/22/2019

Das war arschknapp

Die Tierärztin ist mit der narkotisierten Daria seit fast einer Stunde verschwunden.

von Birgit Braunrath

Der Mensch macht Pläne, und der Hund schafft Tatsachen. In diesem Sinne: Nehmen Sie sich nichts vor (außer Sie haben keinen Hund)!

Es ist halb drei Uhr früh. Wir sind auf dem Heimweg von der Tierklinik. Beinahe sage ich: „Uff, ich bin tot ...“, sag’ es dann aber doch nicht, weil ich froh bin, dass der Hund lebt. Die Tochter grübelt: „Wie, bitte, hätte Daria das in freier Wildbahn überlebt?“ – „Gar nicht“, sage ich.

Wie, bitte, erkläre ich jetzt sonntagsfrühstücksadäquat, was Daria hatte? Gar nicht. Ich zitiere lieber diejenigen, die sich auskennen (erste-hilfe-beim-hund.de):

Ein Darmverschluss ist ein Wettlauf mit dem Tod. Wenn der Hund an Knochenkot leidet, einen aufgeblähten Bauch zeigt und dabei unruhig hin und her läuft und gar schon einen gekrümmten Rücken zeigt, läuft ihm die Zeit davon. Es droht ein Zerreißen des betroffenen Darmbereichs.

Die freundliche Tierärztin sagt nicht „Zerreißen“, sie sagt: „Drohende Ruptur“. Sie weiß nicht, dass die Tochter und ich Latein verstehen und denkt, das beunruhige uns weniger. Das Gegenteil ist der Fall. Die Röntgenbilder sprechen wortlos eine beeindruckende Sprache. Sämtliche Einlaufversuche schlugen fehl. Die Tierärztin ist mit der narkotisierten Daria seit fast einer Stunde verschwunden.

24-Stunden-Überwachung gesucht

Irgendwann taucht sie auf, bringt den Hund auf einer Art Edelstahlservierwagen. Daria liegt auf der Seite und schläft. Die Tochter und ich wollen weinen, müssen aber zuhören. Ich verstehe nur „in der Früh wiederkommen“ und „Vorgang muss noch zwei Mal wiederholt werden“ – und überlege, ob ich das will. Vor allem aber überlege ich, ob Daria das will.

Will sie nicht. Aber sogar sie, die Willensstarke, ist in dieser Lage zu schwach, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Am Ende geht dann doch alles gut aus. Es tut zwar schrecklich weh, aber die zwei weiteren Narkosen können wir ihr ersparen.

Ich campiere seither im Wohnzimmer, sobald Daria nicht zu ihrem Schlafzimmerkorb mitkommt. Ich überwache jeden ihrer Schritte. Und solange ich nicht weiß, wie und wo sie an die Knochen gelangt ist, die das verursacht haben, lasse ich sie nicht aus den Augen. Da das auf Dauer schwierig ist und der Mensch ja doch wieder Pläne macht und Termine hat, suche ich einen Überwachungsdienst – und zwar eine Sondereinheit für Beagles.

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