Über den Tellerrand
10/18/2020

Corona-Fails: "Ich geh nicht essen, ich lade alle zu mir ein"

Das Essen mit 10 Freunden ist beim Wirten sicherer als im Wohnzimmer, so hat Axel N. Halbhuber das verstanden.

von Axel Halbhuber

Es war an dieser Stelle zuletzt viel darüber zu lesen, wie wenig sich die coronabedingten Reisebeschrän- kungen an der Richtschnur der Sinnhaftigkeit zu orientieren scheinen. Dabei darf man nicht übersehen, dass die Gastronomie noch viel besser offenbart, dass das politische Gegenteil von gut eben auch gut gemeint ist.

Zwischen den beiden Bereichen gibt es Parallelen: Man hat – davon ist natürlich auszugehen – im besten Wissen und Gewissen gehandelt, wollte und will die Infektionszahlen eindämmen. Also hat man den Menschen ein bisserl Angst gemacht und erklärt, dass Reisen sowie essen gehen wahnsinnig gefährlich sind, das Virus hupft einen ja quasi überall an. Nun, man war damit erfolgreich.

Angst als Coronamittel

Selbst rationale Menschen, denen die vielen Virologen und Experten seit Monaten beigebracht haben, dass das Virus einen sinnvollen Abstand von zwei Metern nicht überhupfen kann und gute Lüftung und Händewaschen und und und, sogar die sagen jetzt oft: Na ja, eh, aber trotzdem gehe ich lieber nicht essen, nicht einmal mit Abstand und Luft.

Weil man aber dennoch Menschen sehen will, lädt man sie nach Hause ein. Eine Gastronomin erzählt: „Mir sagt ein Stammgast am Telefon: Ich komme nicht, Sie wissen eh. Aber ich brauche ein Essen zum Abholen, es kommen zehn Menschen.“ In sein Wohnzimmer. Bei viel schlechterer Durchlüftung als in jedem ordentlichen Wirtshaus und Heurigen und Café. Mit viel weniger Maßnahmen, Hände, Maske, trallala.

Die Küchenparty ist das Problem

Nein, das Fazit ist nicht, dass wir niemanden mehr in unser Zuhause lassen sollen. Das Fazit: Verhalten wir uns sinnvoll, immer und überall. Im Lokal und auf Reisen wie daheim. Natürlich kann man gut essen. Vielleicht nur zu viert und definitiv bei einem der vielen Wirten, die es seit Anfang an Ernst nehmen. Ohne Witze an der Bar erzählen und Gelächter, bei dem die Tropfen spritzen. Auch daheim: Denn die Küchenparty zu zwanzigst könnte das wirkliche Problem sein.

axel.halbhuber@kurier.at

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