Über den Tellerrand
10/12/2020

Kreuzfahrten schützen besser vor Corona als die Politik

Schützen Lockenperücken oder Schiffsreisen besser vor einem Virus, fragt sich Axel N. Halbhuber.

von Axel Halbhuber

Die Coronamaßnahmen erinnern an das barocke Essen, um das es derzeit in einem neuen Buch und der Reise Genuss Beilage des Kurier am 11. Oktober geht: Es ist alles Mögliche drin (süß und salzig), intensiv (Gewürz’ es wohl!) bis pickert (die kochten mit viel Zucker) und es ist üppig. Opulenz scheint generell wieder in, eigentlich sollten Politiker ihre Maßnahmen immer in Brokat und Lockenperücke verkünden.

Wobei diese Woche punkto Reisedebatten auch so unterhaltsam war. Zuerst verkündeten Skigebiete, allen voran Serfaus-Fiss-Ladis, sie nehmen das Maßnahmenschnüren selber in die Hand, weil Land und Bund zu wenig tun. Das sagt einiges. Dann traten wieder Ärzte gegen die Reisewarnungen an, sie seien kontraproduktiv. Und wie zum Beweis explodierten in Deutschland die Infektionszahlen. Zur Erinnerung: Deutschland wollte mit einer dogmatischen „50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner“-Latte den totalen Schutz erzielen. Wie es jetzt aussieht, dürfen Deutsche dann nicht einmal nach Deutschland reisen.

Barocke Maßnahmen gegen Corona

Abseits dieser barocken, aber offensichtlich doch sinnlosen Maßnahmen setzt sich aber die Idee des verantwortungsvollen Verhaltens immer mehr durch, daheim wie auf Reisen. Dazu sei die Story im Teaser oben empfohlen: Es hätte im März wirklich niemand viel darauf gewettet, dass Kreuzfahrten schnell aus dem Coronatief kommen, einige Schiffe wurden sogar frühzeitig der Verschrottung zugeführt. Aber die Branche scheint nun aus dem Nachteil (geschlossenes System) einen Vorteil zu machen (geschlossenes System) und eine Art „Safe Spot“ kreieren zu wollen. Wir haben das einem Lokalaugenschein unterzogen und der Autor der Geschichte sagte mir später am Telefon: „Wenn im täglichen Leben alle die Covid-19-Auflagen mit der Selbstverständlichkeit akzeptieren würden wie jeder Passagier auf der Costa Deliziosa, wären steigende Infektionen kein Thema...“

Diese Woche vermeldete die Kreuzfahrtindustrie auch, dass man sich zu einer Testpflicht für alle vor Betreten der Schiffe entschlossen hat. Wer hätte das gedacht. Es ist vielleicht während einer Krise keine schlechte Idee, sich zwischendurch mal wieder neue Gedanken zu machen.

axel.halbhuber@kurier.at

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