© Esther Lanfermann/ Gütersloher Verlagshaus, Larry Rains/I-Stock-Photo/Montage: KiKu

Kiku
12/26/2020

Weihnachten: (Fast) alles nur Fake?

Theologie-Paar veröffentliche großen Fakten-Check zur Weihnachtsgeschichte.

von Heinz Wagner

Nicht nur das Weihnachtsfest, auch der weltweit wohl am weitesten verbreitete Kalender baut auf der Geburt von Jesus im Jahr 0 auf.

Schon das Jahr stimmt nicht. „Sehr wahrscheinlich fand die Geburt Jesu in den letzten Regierungsjahren von Herodes statt, also in den Jahren 8 bis 6 v.Chr.“, schreiben Simone und Claudia Paganini in „Von wegen Heilige Nacht“. Beide studierten u.a. Theologie und beide lehren an unterschiedlichen deutschsprachigen Universitäten – Claudia am Institut für christliche Philosophie in Innsbruck (Tirol, Österreich), Simone biblische Theologie an der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (Deutschland).

In den ersten 16 Kapiteln prüfen sie wichtige Elemente auf ihre historischen Fakten und kommen jeweils zum Schluss: was und wie geglaubt wird, war so ziemlich alles (ganz) anders. Über das Jahr zitieren wir das Ehepaar bereits oben. Jahreszeit dürfte das Frühjahr gewesen sein – belegen sie in Kapitel 2. Der Stall war eher eine Höhle – und die wahrscheinlich gleich mit einem Wohnhaus verbunden. Ochs und Esel nicht da. Die drei Könige keine Monarchen, sondern Weise – und nicht aus drei verschiedenen Weltgegenden wie später oft interpretiert. Und die waren nicht zum Baby-Jesus gekommen, sondern als er schon auf eigenen Beinen gehen konnte und gut zwei bis vier Jahre war. Und sie heißen bei weitem nicht immer Caspar, Melchior und Balthasar – gut ein Dutzend verschiedener Namen kursieren für die „magoi“ (griechisch für Magier oder Weise).

Der Stern nur "ausgeborgt"?

Das mit dem Stern ist auch eine nachträgliche Legende, die sich eher von einem Gemälde des Malers Giotto in der Scrovegni-Kapelle aus dem Jahre 1303 ableitet. Er gestaltete in der Kapelle Fresken mit Stationen aus dem Leben von Jesus. Sein heller Leitstern gilt als eine der ersten Abbildungen des berühmten Halleyschen Kometen, den er zwei Jahre zuvor selbst beobachtet hatte (S. 123). Dieser Komet kehrt immer wieder – Berechnungen zufolge muss er sich ungefähr 12 v. Chr. Auch gezeigt haben.

Gerade der Stern, so die beiden Wissenschafter_innen, scheint aus anderen Religionen und Mythen übernommen. Sowohl die Geburt des berühmten kleinasiatischen Königs Mithridates IV oder auch jene von Alexander, dem Großen, die die symbolische (Wieder-)Geburt des römischen Kaisers Octavians als Augustus usw. gingen den Erzählungen nach immer einher mit auffälligen Konstellationen am Sternenhimmel (S. 125).

Und doch kein Märchen

Und dennoch zieht das wissenschaftliche Paar am Ende den Schluss, dass die Weihnachtsgeschichte kein Märchen sei. Und können nicht auch wir diese Geschichte als eine lesen, die uns zwar wenige historische Fakten, aber doch eine Wahrheit nahebringen will, die das Leben so vieler Menschen in der Geschichte mit Hoffnung und Mut erfüllt hat und noch heute erfüllen kann?“

Wobei hier allerdings ausgespart wird, dass im Namen auch dieser Religion auch viel Leid verursacht worden ist, Kriege (u.a. Kreuzzüge) geführt worden oder Wissenschafter_innen und Heilkundige am Scheiterhaufen verbrannt worden sind.

Follow@kikuheinz

Simone und Claudia Paganini
Illustrationen: Esther Lanfermann
Von wegen Heilige Nacht
Der große Faktencheck zur Weihnachtsgeschichte

160 Seiten
Gütersloher Verlagshaus
Taschenbuch: 14,40 €
eBook: 12,99 €

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