Frau mit einem auf den Monitor vor sich projizierten Männer-Oberkörper

Szenenfoto aus "I-object"

© Joseph Krpelan

Kiku
03/01/2021

Tanztheater mit Live-Musik hinterfragt sinnlich-körperlich Rollenbilder

„I-object“ von der Gruppe „Körperverstand“ entwickelte Performance mit digitalen Foto-Spielereien zur Reflexion von Geschlechter-Klischees.

von Heinz Wagner

Nicht zufällig nennt sich die Tanztheater-Gruppe rund um Steffi Jöris „Körperverstand“ – sowohl das eine als auch das andere sind Ausgangspunkte für die jeweiligen Stücke. Immer sehr körperlich, für die Darsteller_innen nicht selten an der Grenze des Möglichen, gespielt und getanzt, soll der Verstand des Publikums zu unterschiedlichen Themen angesprochen werden.

In „I-object“, der neuesten Produktion, bei dessen „Geister“-Premiere im Dschungel Wien der Kinder-KURIER dabei sein durfte (die geplante Spielserie Mitte April kann ja dann hoffentlich doch endliche stattfinden!), dreht sich alles um noch immer vorherrschende Rollenbilder und Geschlechterzuschreibungen. Und zwar bis hin und vor allem in Sachen Sexualität.

Schon der Start der rund einstündigen Performance (Konzept: Anna-Luise Braune, Steffi Jöris, Charlotte Goesaert) für ein Publikum ab 14 Jahren bricht mit Klischees: Die beiden Live-Musikerinnen - auch Komponistinnen und immer wieder auch tänzerisch im Einsatz – hauen kräftig rein – auf Schlagzeug und E-Gitarre (Petra Schrenzer, Aurora Hackl Timón). Der Tänzer (Dennis Alexander Schmitz), von dem schon vor seinem Auftritt über eine kleine Handy-Cam auf einem großen Monitor Hautporen und Achselhaare zu sehen sind, kommt in Stöckelschuhen herein.

Um dann mit heftigen Handbewegungen zu symbolisieren, dass er eigentlich nur das eine im Kopf hätte. „Liebe zu dritt“, in den unterschiedlichsten Stelllungen tänzerisch angedeutet, werden immer wieder gebrochen. Durch Sager – auf Englisch – wie „Mein Körper ist nicht dein Spielplatz! Ich bin nicht dein Spielzeug! Wenn ich dich anlächle, heißt das nicht, dass ich mit dir f… will!“

Solche Zitate kommen aber nur sehr spärlich, in erster Linie wird das Nachdenken über noch immer vorhandene eingefahrene Verhaltensmuster über körperliche Inszenierungen angeregt. Dabei spielt der große von der Decke hängende Monitor eine große Rolle. Hinter ihm nehmen abwechselnd der Tänzer bzw. eine der Musikerinnen Aufstellung, so dass nur Kopf bzw. Beine zu sehen sind. In einer Ecke der Bühne steht ein Stativ mit Handykamera. Dort positioniert sich dann jeweils er oder eine der Musikerinnen so, dass beispielsweise der Rumpf auf den großen Monitor übertragen wird. Digitale Verfremdung in einem analogen Setting – starke Brustbehaarung einer Frau und klassisch weibliche Formen für den Mann ;)

Gerade mit diesen digitalen Kamera-„Spielchen“ wird die Live-musikalische Tanz-Performance Reflexionen bei der Generation Insta anstoßen, Inszenierungen für die Handy-Kamera vielleicht hinterfragen – nicht durch belehrendes Gebrabbel, sondern durch sinnliche Erfahrung auf der Theatertribüne.

Follow@kikuheinz

I-object
Körperverstand. Tanztheater Wien
Tanztheater in englischer Sprache
ca. eine Stunde
Ab 14 Jahren

Konzept: Anna-Luise Braune, Steffi Jöris, Charlotte Goesaert
Regie, Choreografie: Steffi Jöris, Charlotte Goesaert

Tanz, choreografische Mitarbeit: Dennis Alexander Schmitz
Komposition, Livemusik und Tanz: Petra Schrenzer, Aurora Hackl Timón

Text: Anna-Luise Braune
Sprachcoach: Michael A. Pöllmann
Dramaturgie: Cornelia Voglmayr
Ausstattung: Wim Muyllaert
Musikalische Leitung: Patrick Dunst
Lichtdesign: Christopher Corsmann, Jana Resetarits 
Produktion: Steffi Jöris, Charlotte Goesaert

Wann & wo?
14. bis 17. April 20201
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-20

dschungelwien -> I-object

koerperverstand > produktionen

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