Nur fühlen, riechen und schmecken bleiben als Sinne

© Heinz Wagner

Kiku
06/02/2019

Reinfühlen, wie es ist, nichts zu sehen und zu hören

Workshops im Rahmen des Kulturaustausches Klagenfurt-Wölfnitz und Kingisepp (Russland). Mehr als 70 Fotos.

von Heinz Wagner

Die Jugendlichen aus Klagenfurt und Kingisepp probten aber nicht nur Szenen. Da es bei dieser theatralen, kulturellen Begegnung immer wieder auch um die Themenkreise Behinderungen durch Kriege ging, setzten sich die Schüler_innen beider Städte auch damit - sinnlich spürbar - auseinander.

So wurden die russischen Jugendlichen - die aus Kärnten hatten das schon in Österreich gemacht - mit Augenbinden und Ohrenstöpsel ausgestattet. Damit sollten sie erleben können, wie es ist, nichts zu sehen UND nichts zu hören. So - vorübergehend - zweier Sinne beraubt, tasteten und rochen sie an Gegenständen, die auf zwei Tischen bereitlagen. Dabei halfen ihnen die Profis, aber auch ihre Alterskolleg_innen aus Österreich.

Fortbewegen

Angeregt von zwei Bildern, einem Foto sowie einem Gemälde, tauchten alle Jugendlichen nochmals in diese Welt ohne Bilder und Töne ein. Auf dem Foto eines Kriegsreporters sind britische Soldaten der 55. Division zu sehen, die am 10. April 1918 bei einem Gasangriff deutscher Truppen taub, blind oder auch beides geworden sind. Der britische Kriegsmaler John Singer Sargent malte dieselbe Situation - nur mit den Leichenbergen getöteter Soldaten davor und nannte sein Gemälde „Gassed“ (vergast). Fortbewegen konnten sich diese Soldaten nur mehr, indem sie in einer Schlange gingen, jeder einen Arm auf der Schulter des Vordermannes - geleitet von einem sehenden und hörenden Soldaten.

Gebärdensprache

Wie verständigen sich Menschen, die nichts hören? Und wie jene, die weder hören noch sehen können? In den Workshops vermittelte vor allem der - gehörlose - Schauspieler Werner Mössler, der schon als Kind auch die Lautsprache gelernt und extrem gut Lippenlesen kann, Grundbegriffe der Gebärdensprache.

Lormen

Für jene, die die genannten beiden Sinne nicht haben, wurde das Lorm-Alphabet erfunden. Buchstaben sind Druckpunkten in der Handfläche zugeordnet. Beispielsweise entspricht der Druck auf die Fingerspitzen den Vokalen: A - auf den Daumen bis zum U auf der Spitze des kleinen Fingers. Für die Aufführungen von „Talking Gloves“ („Sprechende Handschuhe“) hatte schon vor Jahren Elias aus der NMS Klagenfurt-Wölfnitz dieses Alphabet erlernt. Während der Vorstellungen schreibt er so die wenigen zitierten Gedichttexte dem komplett mit Bandagen eingewickelten Schulkollegen Martin in die Hand.

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Elias zeigt das Lorm-Alphabet vor ...

... mit Druck auf diese Punkt können Menschen, die weder sehen noch hören, Wörter in die Hand geschrieben werden ...

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Hier unten geht's zu zwei Berichten über die Aufführungen in Kingisepp - sowie die Proben dafür.