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Gesund
10/01/2019

Wie Forscher jetzt die Katzenallergie besiegen wollen

Rund zehn Prozent der Bevölkerung reagieren allergisch. Jetzt gibt es Hoffnung auf eine Therapie.

von Ernst Mauritz

Es ist keine einfache Situation für Allergie-Spezialisten: „Bei einem Nachweis einer Katzenallergie gibt es keine Alternative zur Entfernung des Haustieres – auch wenn das noch so viele Tränen verursacht“, sagt Stefan Wöhrl vom Allergieambulatorium Floridsdorf in Wien. „Das ist ein ungelöstes Problem der Allergologie.“ Ein neuer Ansatz lässt Katzenallergiker aber hoffen: Eine Forschungsgruppe des Universitätsspitals Zürich arbeitet an einem Impfstoff – für die Katzen.

Die Zürcher Forscher lösen mit ihrem Katzenimpfstoff HypoCat TM die Bildung von Antikörpern aus. Diese sollen das allergieauslösende Eiweiß neutralisieren. Auf diese Weise sollen die Symptome beim Menschen gelindert, und im besten Fall verhindert werden. Für die Katzen soll der Impfstoff – so eine kürzlich publizierte Studie – sicher sein. Die Forscher sind zuversichtlich, 2022 eine Zulassung zu bekommen.

Bei einer Katzenallergie besteht zumeist eine Überempfindlichkeit gegen das Eiweiß Fel d 1, das Hauptallergen der Katzen. Dieses findet sich im Speichel, Drüsensekret oder Urin. Durch das Lecken wird es aber auch auf das Fell übertragen – gegen die Haare an sich besteht aber keine Allergie.

Keine Immuntherapie

Eine Immuntherapie (Hyposensibilisierung) gegen dieses Hauptallergen der Katzen – so, wie sie bei Pollen- oder Insektengiftallergien Standard ist –, ist bei einer Katzenallergie die ganz große Ausnahme. Sie ist auch in den Behandlungsleitlinien nicht vorgesehen, betont Wöhrl: „Die Wirkung einer Immuntherapie gegen die Katzenallergie ist sehr gering, es gibt viele Nebenwirkungen – und sie kann die Symptome sogar verschlimmern.“ Ein Beispiel für eine solche Ausnahme sei ein Lehrer, „der selbst keine Katze hat und bereits heftig reagiert, wenn einer seiner Schüler das Katzenallergen in den Haaren oder an der Kleidung hat“.

In solchen Extremfällen könne man eine Immuntherapie ausnahmsweise überlegen, „aber nicht, um eine Katze behalten zu können“.

Wird die Katze behalten, könne das schwere gesundheitliche Folgen haben: „Ich habe schon oft bei zweijährigen Kindern im Hauttest eine Reaktion gesehen – eine Sensibilisierung auf das Allergen noch vor dem Auftreten von ersten Symptomen. Wird meine Empfehlung, die Katze wegzugeben, ignoriert, hustet das Kind mit drei Jahren. Und mit fünf Jahren hat es Asthma oder Neurodermitis, weil die Katze immer noch im Haus ist. Solche schweren Verläufe gibt es.“ Der Grund: „Dieses Allergen kann sich wie ein Messer durch das Gewebe schneiden – und deshalb in das Lungengewebe gut eindringen.“

„Das Katzenallergen findet sich überall“, sagt Wöhrl: „Verlässt eine Katze eine Wohnung für immer, dauert es drei bis sechs Monate, bis die Allergenspiegel sinken.“ Es helfe auch nichts, wenn Katzen im Freien leben, aber einmal am Tag doch ins Haus kommen: Das reicht, um riesige Allergenmengen zu hinterlassen. Ebenso, wenn sie einmal um die Beine streicht.“

In jeder Katze

Das Allergen Fel d 1 kommt übrigens nur in Katzen vor – und zwar in jeder, auch in solchen ohne Haare: „Wir kennen seine Funktion nicht, aber es muss eine Bedeutung haben.“ Es kann also durchaus sein, dass ein Katzenallergiker auf Hunde keine Reaktion zeigt.

Eine reine Hundeallergie ist hingegen selten: „Wer gegen Hunde allergisch ist, reagiert zumeist auch auf Katzen, Meerschweinchen oder Kaninchen. Denn die im Hund vorhandenen Allergene kommen in fast alle Säugetieren vor.“

Übrigens: Ist bereits vor der Geburt ein Hund im Haushalt, dürfte das ein „leicht schützender Faktor“ sein, sagt Wöhrl. Bei Katzen ist die Datenlage nicht so eindeutig, „aber wahrscheinlich gibt es keinen Schutzeffekt.“

Eines ist jedenfalls eindeutig: „Jeder Allergologe würde sich sehr freuen, wenn die Schweizer Forscher Erfolg haben.“

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