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Gesund
07/09/2019

Warum Sie heute noch auf vier Bissen verzichten sollten

Woran es liegt, wenn die Kilos trotz viel Sport nicht weniger werden, haben jetzt US-Forscher untersucht.

von Ernst Mauritz

Es ist eine Erfahrung, die viele schon gemacht haben: Obwohl sie regelmĂ€ĂŸig Sport betreiben, nehmen sie nicht oder nur wenig ab. Eine US-Studie, erschienen im American Journal of Clinical Nutrition, mit insgesamt 198 Teilnehmern hat nun einen Grund dafĂŒr aufgezeigt.

Bei allen handelte es sich um ĂŒbergewichtige Frauen und MĂ€nner, fĂŒr die Sport bisher ein Fremdwort war. Eine Gruppe trainierte ab Studienbeginn 90 Minuten wöchentlich auf dem Laufband oder Ergometer, eine andere Gruppe 210 Minuten, jeweils aufgeteilt auf drei Einheiten pro Woche und das ein halbes Jahr lang.

Resultat: Fast die HĂ€lfte der Probanden aus der 90-Minuten-Gruppe und ein Viertel aus der intensiveren Trainingsgruppe nahmen ĂŒberhaupt nicht ab – oder legten sogar Kilos zu. Die anderen reduzierten zwar ihr Gewicht – aber die meisten deutlich weniger, als angesichts ihres Trainingsumfanges zu erwarten gewesen wĂ€re.

TĂ€glich eine Semmel zu viel

Der Grund: Die 90-Minuten-Trainingsgruppe hatte ihre tĂ€gliche Energieaufnahme um ca. 90, die 210-Minuten-Gruppe um 125 Kilokalorien tĂ€glich erhöht. „Diese im Schnitt 100 Kilokalorien entsprechen lediglich vier Bissen von den meisten Lebensmitteln“, wird Studienleiter Tim Church in der New York Times zitiert. Anders gesagt: Bereits eine regelmĂ€ĂŸige geringfĂŒgige zusĂ€tzliche Energieaufnahme im Ausmaß von knapp einer trockenen Semmel am Tag macht den Unterschied aus. "Diese lediglich 100 Kilokalorien tĂ€glich summieren sich einfach mit der Zeit und reduzieren die Auswirkungen des Kaloriensverbrennens durch die Bewegung", betont Church.

„Die Wirkung von gesundheitsorientiertem Hobbytraining auf den Körperfettabbau wird ĂŒberschĂ€tzt“, sagt der Sportmediziner Paul Haber. Und gibt ein Beispiel: „In einer Stunden lockeren Laufens verbraucht ein Hobbysportler rund 500 Kilokalorien. Wer sich nachher einen Viertelliter Orangensaft und einen kleinen Snack genehmigt, hat schon wieder 300 Kalorien aufgenommen.“

Ähnlich sieht es auch die ErnĂ€hrungswissenschafterin Anita Zankl von der Sportordination in Wien: „Viele glauben, sie können sich nach einem Training belohnen – dabei war der Energieverbrauch gar nicht so hoch, wie vielfach angenommen wird.“ Zankl rĂ€t Hobbysportlern, nach einem lockeren Training zunĂ€chst einmal nur ein Glas Wasser zu trinken: „Damit ist das erste ,falsche‘ HungergefĂŒhl beseitigt. Im Hobbybereich muss man nicht sofort nach dem Training etwas essen.“

Ein weiterer Grund fĂŒr mangelnde Effekte auf der Waage: „Viele, die etwa regelmĂ€ĂŸig joggen, denken sich, ,jetzt muss ich im Alltag nicht mehr so viel Bewegung machen‘ und gehen weniger zu Fuß“, sagt Haber. Dabei werde der Effekt der Alltagsbewegung unterschĂ€tzt: „Das können durchaus an die 100 Kilokalorien am Tag sein.“ Zum Vergleich: FĂŒr ein Kilogramm weniger Gewicht muss man 7500 Kilokalorien zusĂ€tzlich verbrauchen, fĂŒr ein Kilo weniger Körperfett 9000 Kilokalorien.

Mehr Muskeln, weniger Fett

Und das fĂŒhrt zum dritten Grund, warum die Waage nur wenig nach unten zeigen kann, besonders bei Krafttraining. Haber: „Wir habe eine Studie betreut, bei der Ă€ltere Menschen kontrolliert Krafttraining ausgeĂŒbt haben. Nach drei Monaten hatten sie zwei Kilogramm Körperfett verloren, aber drei Kilogramm Muskelmasse zugelegt“ – das aber ist ein Ă€ußerst positiver Trainingseffekt.

Welche positiven Wirkungen Bewegung auf das Gehirn hat, zeigen zwei andere neue Untersuchungen:

– Auch kurze Bewegungseinheiten wirken: MĂ€use durften jeweils fĂŒr begrenzte ZeitrĂ€ume in ein Laufrad – beim Menschen wĂŒrden diese 4000 zĂŒgigen Schritten entsprechen. Die US-Forscher konnten anschließend eine Zunahme der Verbindungen zwischen den Nervenzellen in jenem Hirnareal messen, das fĂŒr Lernen und GedĂ€chtnis zustĂ€ndig ist.

–  Und deutsche Forscher zeigten jetzt: Stark Übergewichtige, die mit körperlichem Training beginnen, verbessern besonders jene Hirnfunktionen, die fĂŒr den Stoffwechsel verantwortlich sind. Das senkt das Diabetesrisiko. Aber auch geistige FĂ€higkeiten, wie  das rasche Wechseln zwischen verschiedenen Aufgaben, verbesserten sich.  Ein Grund dafĂŒr war der messbar erhöhte Blutfluss in verschiedenen Hirnarealen – eine eindeutige Folge von Bewegung.

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