Gesund
31.10.2018

Warum jetzt Omas Heilwissen wieder in ist

Alte Hausmittel wie Wickel und Pflanzen-Anwendungen aller Art werden wieder häufiger angewandt.

Fußbad, Zwiebelsocken, Lavendel-Auszugsöl: „Das sind Hausmittel, „die aus unserem Familienalltag nicht mehr wegzudenken sind“, sagt Claudia Schauflinger, Autorin des Ratgebers „Bäuchlein-Öl und Zwiebelsocken(siehe re.) sowie Veranstalterin von Hausmittel-Workshops (www.kinderhausmittel.com). In ihrer Familie sei dieser Erfahrungsschatz noch vorhanden gewesen: „Als ich dann selbst Mutter geworden bin, hat mir dieses Wissen viel Sicherheit gegeben.“ Etwas, was vielen Teilnehmerinnen ihrer Workshops fehle. „Man bekommt durch dieses Wissen einen Handlungsspielraum und Gesundheitskompetenz.“

Auch Ernährungswissenschaftlerin Eva Fauma bemerkt in ihrem „Zentrum für präventive Ernährungsberatung“ in Linz (www.praeventissimo.at) eine Hinwendung zur „Traditionellen Europäischen Medizin“: „So wie das Interesse an der Ernährung und den Nahrungspflanzen steigt, nimmt auch jenes an den Heilpflanzen zu. Es ist heute wieder in, sich mit dem auseinanderzusetzen, was die Oma gemacht hat“, sagt die Autorin von „SOS Erkältung(re.).

Rückbesinnung

„Mit dem Aufkommen der modernen Medizin – Stichwort Antibiotika – sind viele Hausmittel in Vergessenheit geraten“, sagt Kinderfacharzt Karl Zwiauer, Vorstand der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde im Universitätsklinikum St. Pölten. „Jetzt gibt es eine gewisse Rückbesinnung.“ Warme Wickel etwa (z. B. gegen Husten oder Halsschmerzen) würden die Durchblutung verbessern, Regenerationsprozesse anregen und die lokale Abwehr stärken. Zwiauer: „Da geht es einem schnell besser.“ Früher haben die Ärzte viel rascher Antibiotika verschrieben, „heute ist man da konservativer“. Wichtig sei aber immer, auch die Grenzen der Hausmittel zu sehen und sich nicht ausschließlich darauf zu verlassen. Bessere sich etwa ein schlechter Zustand von Säuglingen und Kleinkindern nicht innerhalb eines Tages wesentlich, sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Bei Heilpflanzen rät er zu Präparaten in Arzneibuchqualität (erhältlich in Apotheken und Drogerien): „Da weiß man, was drinnen ist und kann sich auf die Wirkung verlassen.“

Nicht mit heißem Wasser inhalieren

Vom Inhalieren über Töpfen mit heißem Wasser „und der Windel darüber“ rät Kinderarzt Zwiauer ab: „Wir haben schon genug Kinder gesehen, die sich durch das Inhalieren verbrannt oder verbrüht haben.“ Er empfiehlt Kaltinhalatoren: „Bei diesen modernen Zerstäubern kann man sich auch sicher sein, dass die Wirkstoffe optimal in die Atemwege gelangen.“

Bei Kindern unter zwei bis drei Jahren sollten auch keine ätherischen Öle verwendet werden – schon bei kleinsten Mengen kann es u. a. zu Verkrampfungen der Kehlkopfmuskulatur und im schlimmsten Fall zu einem Atemstillstand kommen.

Zwiauer: „Insgesamt aber sind Hausmittel eine gute Ergänzung zu unserer klassischen Hochschulmedizin.“

Drei Beispiele für bewährte Hausmittel

Aufsteigendes Fußbad

Für Kinder etwa ab  dem zweiten Lebensjahr – „also wenn Sie dem Kind die Aktion gut erklären können und es fähig ist, freudig mit zu machen“, heißt es in der Broschüre „Hausmittel für Kinder“ der Salzburger Gebietskrankenkasse.  Anwendungsgebiete sind (natürlich auch bei Erwachsenen) eine beginnende Erkältung, Schnupfen, Nasennebenhöhlenentzündung.

Benötigt werden: Ein großer Kübel, eine Gießkanne mit handwarmem Wasser (ca. 30° C), ein Wasserthermometer, ein Handtuch und dicke Socken.

Anfangs sollte der Kübel knöcheltief mit Wasser gefüllt sein, dann mit wenig Wasserzugabe die Temperatur auf 40 ° C  steigern. Das Fußbad sollte nicht länger als 10 bis 15 Minuten dauern.
Danach trocknen Sie die Füße ab und ziehen dem Kind dicke Socken an – die Füße müssen warm bleiben.

Im Allgemeinen wird das Fußbad zwei Mal täglich angewandt, am besten bereits bei den ersten Anzeichen eines Schnupfens  bzw. einer Erkältung.

Spitzwegerichtee

„Kinder ab dem dritten Lebensjahr können sehr gut mit Spitzwegerich behandelt werden, wenn sie unter trockenem Husten leiden“, schreibt Eva Fauma in „SOS Erkältung“.  Spitzwegerich produziert eine Schleimschicht auf den Bronchien, befeuchtet sie und bildet so eine Barriere für Keime. Und er wirkt auch entzündungshemmend.

Zutaten:  2 TL Spitzwegerich, 250 ml kaltes Wasser.

Das Kraut für ein bis zwei  Stunden in kaltem Wasser ansetzen. Danach das Wasser langsam erwärmen. Bei Trinktemperatur abseihen und schluckweise trinken.

Zwiebelsocken

„Zwiebel löst bei Schnupfen und Husten Sekrete, wirkt antiviral, entzündungshemmend und stärkt das Immunsystem“, sagt Claudia Schauflinger in „Bäuchlein-Öl und Zwiebelsocken“.

Geschälte Zwiebel in Scheiben schneiden. Die ca. 0,5 bis 1 cm dicken Scheiben erwärmen (etwa auf der Wärmeflasche, in der Mikrowelle bzw. in einer warmen Pfanne). Zwiebelscheiben auf die Fußsohle legen.Dünnen (Baumwoll-)Socken über den Fuß ziehen und die Scheiben damit fixieren. Mit einem zusätzlichen dicken Wollsocken darüber kann der Fußsohlenwickel gewärmt werden.

Vier Lesetipps

 

Claudia Schauflinger: Bäuchlein-Öl & Zwiebelsocken, Kindgerechte Hausmittel Schritt für Schritt
Neuerscheinung, Verlag Facultas/ Maudrich (Reihe maudrich Naturapotheke), 224 Seiten,18,90 €

 

Eva Fauma: SOS Erkältung, Natürliche Hausmittel bei Husten & Co.
Neuerscheinung, Verlag Facultas/ Maudrich (Reihe maudrich Naturapotheke), 96 Seiten, 15,90 €

 

Wolfgang A. Schuhmayer, Karl Zwiauer: Kindern helfen ohne Medikamente, Traditionelles neu entdeckt
erschienen 2013, Verlagshaus der Ärzte, 232 Seiten, 17,90 €

 

Hausmittel für Kinder
Broschüre der Salzburger Gebietskrankenkasse, Internet: www.sgkk.at/hausmittel

(Bestellung:   Telefon 0662 / 8889-0;  eMail: redaktion@sgkk.at)