Gesund
04/17/2019

Die Macht des Lächelns: Wie es uns verändern kann

Wer im Beruf ständig lächeln muss, den macht es krank. Nur echtes Lächeln hat auch für einen selbst positive Effekte.

Sie fühlen sich gezwungen, im Job etwa im Kontakt mit Kunden ständig zu lächeln? Und sie müssen hinter dieser Fassade Ihre wahren Gefühle unterdrücken? Das ist gefährlich – und zwar für Ihre Gesundheit: Denn wer sich aus beruflichen Gründen zum Lächeln verpflichtet fühlt, der muss das am Abend offenbar verarbeiten – auch durch höheren Alkoholkonsum. Das ergab eine Studie der Penn State University, USA. Sie wurde im Fachmagazin Occupational Health Psychology veröffentlicht.

Firmen mit einer „service with a smile“-Strategie sollten diese deshalb hinterfragen, sagt Alicia Grandey, Psychologieprofessorin an der US- Universität. Denn je mehr man negative Gefühle in der Arbeit kontrollieren müsse, umso weniger könne man danach den Alkoholkonsum kontrollieren.

Der Psychiater und Psychotherapeut Michael Musalek bestätigt das. „Das professionelle Lächeln, das zu einem Widerstreit mit den inneren Gefühlen führt, wendet sich gegen einen selbst. Und es öffnet die Tür zum Burn-out, weil wir in einen Konflikt kommen. Zwischen dem, was wir machen müssen, und dem was wir erleben“, sagt der Gründer des Instituts für Sozialästhetik und Psychische Gesundheit der Sigmund Freud Privatuni in Wien. Dass man sich mit einem gekünstelten Lächeln auch in eine positive Stimmung bringen kann, glaubt Musalek nicht: „Dann müssten ja Flugbegleiterinnen oder Menschen in der Gastronomie viel glücklicher sein als alle anderen – was einfach nicht stimmt.“

Insgesamt gebe es an die 150 Arten des Lächelns: „Die Art des Lächelns ist abhängig vom Zugang des Lächelnden zum anderen Menschen. Es kann natürlich und warmherzig sein, aber auch spöttisch oder zynisch.“ Im Wesentlichen unterscheide man zwei große Gruppen – das gekünstelte und das echte Lächeln.

Während das grimassierende Lächeln negative Effekte haben kann, „ist das echte Lächeln – aus dem Inneren heraus – gesundheitsfördernd“, betont Musalek, der mit den CliniClowns eine Tagung zum Thema „Lächeln und Lachen“ organisiert hat. „Ich muss grundsätzlich offen sein für eine positive Stimmung, aber dann kann ich über ein Lächeln die innere Freude massiv verstärken.“

Ein Kind lächle mehrere 100 Mal am Tag, „bei einem Erwachsenen sind es – wenn überhaupt – 20 oder 30 Mal. Viele Erwachsene liegen da aber noch weit darunter“, sagt Musalek: „Wir verlernen im Laufe des Lebens das Lächeln, und wir sollten es deshalb wieder mehr kultivieren.“

Andere verändern

Denn ein echtes Lächeln habe nicht nur für einen selbst positive Auswirkungen, sondern auch für die Umgebung: „Lächeln ist ja ansteckend – und wir können dadurch auch andere Menschen mitverändern.“

Lächeln sei auch eine der wichtigsten non-verbalen Kommunikationsformen des Menschen: „Es kommt ja immer darauf an, wie man etwas ausdrückt. Das ist viel wichtiger als was man sagt.“

Ein Lächeln und generell ein warmherziger Zugang zum Nächsten spiele auch in der Medizin eine wichtige Rolle: „Wenn ich bei meiner Visite hektisch von Patient zu Patient laufe, wird so ein Kontakt nicht klappen“, ist Musalek überzeugt. Ein aufrichtiges Lächeln hingegen könne dem Gegenüber Sicherheit und Geborgenheit vermitteln. „Darauf kommt es gerade im Umgang mit Hilfe suchenden Kranken an, wenn die Medizin ihre optimale Wirkung entfalten soll.“