Gesund
30.11.2018

Antibiotika im Wasser: "Solche Rückstände sind wie ein Bumerang“

Greenpeace-Wassertest: Umweltmediziner Hans-Peter Hutter warnt vor Gesundheitsrisiken und schwerwiegenden Folgen.

33.000 Menschen sterben in Europa jährlich, weil bei ihnen nach einer schweren Infektion Antibiotika nicht mehr wirken – diese Zahl veröffentlichte erst vor Kurzem eine internationale Forschergruppe.

Ein Greenpeace-Test mit Proben aus 29 Gewässern in EU-Regionen mit intensiver Tierhaltung ergab jetzt in 70 Prozent der Fälle den Nachweis von Antibiotika und bei allen jenen von Pestiziden - der KURIER berichtete:

„Auch wenn die Greenpeace-Studie nicht repräsentativ für ganz Österreich ist und ich hier jetzt keine Schuldzuweisung vornehmen möchte: Wir wissen heute, dass die intensive Tierhaltung eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von antibiotikaresistenten Krankheitserregern spielt“, sagt Umweltmediziner Hans-Peter Hutter, Sprecher der Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt.

„Bei vielen Tieren und wenig Platz ist einfach das Risiko größer, dass sich mehr Tiere mit einem Keim infizieren.“ Zwar ist der Einsatz antimikrobiell wirksamer Substanzen in der Tierhaltung seit 2013 um 19 Prozent zurückgegangen: „Die 44,61 Tonnen im Jahr 2017 sind aber immer noch eine beachtliche Menge, auch im Vergleich zu den rund 72 Tonnen, die jährlich in der Humanmedizin verwendet werden.“ Und das habe auch mit dem hohen Fleischkonsum in Österreich zu tun: „Solche Rückstände in der Umwelt sind wie ein Bumerang, der unsere Gesellschaft beeinträchtigen kann.“

Schlampiger Umgang

Antibiotikarückstände gelangen aber auch über andere Quellen – etwa die Haushalte (Abwässer, unsachgemäß entsorgte Medikamente) in die Umwelt. „Es gibt in Österreich teilweise immer noch einen schlampigen Umgang mit Antibiotika“, sagt Hutter. „Sie werden oft zu rasch verschrieben, aber leider auch von den Patienten oft unsachgemäß eingenommen, etwa zu früh abgesetzt. Auch hier ist mehr Bewusstsein dringend notwendig.“

Problematisch sei auch die hohe Zahl der nachgewiesenen Pestizide: „Auch wenn ein jeder dieser Einzelwerte niedrig ist, kann es eine Summenwirkung geben. Über mögliche Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Substanzen wissen wir noch viel zu wenig Bescheid.“

Bedenklich sei auch der Umstand, dass Pestizide nachgewiesen werden konnten, die in der EU teilweise bereits seit Jahren verboten sind: „Da ich nicht davon ausgehe, dass sie illegal verwendet werden, zeigt das, wie langlebig solche Substanzen sind – und damit auch lange die Umwelt belasten.“