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Genuss
08/02/2019

"Fleisch zählt zu den größten Klimakillern"

Der WWF fordert von Politikern eine Strategie für nachhaltige Ernährung und sagt den Dauerrabatten bei Fleisch den Kampf an.

von Anita Kattinger

Ein Viertel unseres ökologischen Fußabdrucks geht auf die Ernährung zurück – Österreich liegt mit einem durchschnittlichen Fleischkonsum von 63 Kilogramm pro Jahr und Kopf im Spitzenfeld. Laut einer aktuellen Studie des IATP (Institute for Agriculture and Trade Policy) sind die fünf größten Fleisch- und Molkereikonzerne für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich als die großen Ölkonzerne.

Die Umweltschutzorganisation WWF nimmt diese Zahlen zum Anlass, um ein Maßnahmenpaket von der Politik einzufordern.


Fleisch zählt zu den größten Klimakillern, dennoch lehnt sich die Politik hier zurück und wälzt das Problem auf die Konsumenten ab. Daher fordern wir einen konkreten Aktionsplan für die Emissionsreduktion im Ernährungsbereich. Alle Parteien müssen hier Maßnahmen vorlegen, anstatt nur symbolisch für Klimaschutz zu sein“, sagt Helene Glatter-Götz, Expertin für nachhaltige Ernährung beim WWF Österreich.

Das fordern die Umweltschützer im Konkreten von der Politik ein:

  • die Öffentliche Beschaffung muss auf Bio umstellen
  • es braucht verpflichtende Herkunftsbezeichnungen im Handel und der Gastronomie
  • keine Rabatte bei Fleisch
  • Agrarsubventionen in der EU müssen auf ökologische Landwirtschaft abzielen
  • Bewussteinseinsbildung in der Öffentlichkeit fördern

Das hilft dem Klima: Zwei Schnitzel weniger in der Woche

Der österreichische Hunger auf Fleisch hat negative Folgen für die Umwelt: Die größten Effekte für das Klima könnten laut der Österreichischen Klimaforschungsgemeinschaft (APCC) durch eine Reduktion des Fleischkonsums erzielt werden.

Wer in der Woche 300 bis 450 Gramm weniger Fleischprodukte – das entspricht zwei Schnitzel – essen würde, könnte pro Kopf ein Fünftel der ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen einsparen. Der WWF sieht hier die Politik in der Pflicht: Die Österreicher müssten durch Informationskampagnen sensibilisiert werden.

Die im Handel besonders beliebten Rabatte bei Fleisch würden zum Kaufen animieren. Der WWF fordert den Handel auf, nur noch gesunde, regionale Lebensmittel mit Kaufaktionen zu bewerben. Eine Wettbewerbsverzerrung ortet Glatter-Götz nicht, da Rabatte auch in anderen Bereichen wie bei Tabak unterbunden werden.

"Ein Stopp für Billigfleisch könnte relativ einfach im Fairnesskatalog des Lebensmitteleinzelhandels formuliert werden." Auch die Gastronomie sei in der Pflicht, denn die Österreicher essen zwei von drei Fleischgerichten außer Haus – und das sei wegen der fehlenden Kennzeichnungspflicht oft Import-Fleisch.

Alle Kantinen des Landes wie jene in Schulen sollten eine Vorbildrolle einnehmen: Geht es nach dem WWF sollte täglich zumindest eine fleischlose Mahlzeit auf der Tageskarte stehen. Tierische Produkte wie Fleisch oder Eier sollten ausschließlich bei Bio-Produzenten mit einem hohen Tierwohl-Standard eingekauft werden.